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Medizin

FDA: Ibrutinib schwächt chronische Graft versus Host-Erkrankung

Samstag, 5. August 2017

Silver Spring – Der Tyrosinkinasehemmer Ibrutinib, der zur Behandlung bestimmter Leukämien zugelassen ist, darf in den USA jetzt auch zur Behandlung einer lebensgefährlichen Komplikation bei einer häufigen Leukämietherapie eingesetzt werden, der chronischen Graft versus Host-Krankheit nach Stammzelltherapie.

Ibrutinib ist der erste zugelassene Inhibitor der sogenannten Bruton-Tyrosinkinase, die Signale des B-Zell-Rezeptors weiterleitet. Ibrutinib kann deshalb im Prinzip bei allen Leukämien eingesetzt werden, die sich von B-Zellen ableiten. Dazu gehören die chronische lymphatische Leukämie, das Mantelzell-Lymphom und der Morbus Waldenström, für die der Hersteller in Europa eine Zulassung hat.

Die potenziellen Einsatzgebiete von Ibrutinib sind jedoch weitaus größer. Das Mittel ist im Prinzip bei allen Erkrankungen wirksam, in denen die Überaktivität von B-Zellen eine Rolle spielt. Dazu gehört neben Autoimmunerkrankungen auch die chronische Graft versus Host-Erkrankungen. Es handelt sich um eine häufige Komplikation von allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantationen.

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Ihre Ursache ist ein Angriff der Immunzellen des Spenders gegen den Körper des Empfängers. Bei der akuten Graft versus Host-Erkrankung sind T-Zellen die wesentlichen Akteure. Bei der chronischen Graft versus Host-Erkrankung (cGvHD) geht die Aggression von B-Zellen aus.

Der Angriff kann sich gegen praktisch alle Gewebe des Körpers richten. Am häufigsten betroffen sind Haut, Augen, Mundschleimhaut, Speicheldrüsen, genitale Schleimhäute, Darm, Leber, Faszien oder Lunge. Die Symptome ähneln denen von Autoimmun­erkrankungen wie Sklerodermie, Sjögren-Syndrom, Lupus erythematodes und so weiter. Dort sind Antikörper der körpereigenen B-Zellen Auslöser der Erkrankung.

Die Behandlung der cGvHD erfolgt zunächst mit Kortikosteroiden, später kommen Immunsuppressiva zum Einsatz. Die Therapie ist schwierig, da die Immunsuppression riskante Nebenwirkungen hat. Dazu gehört nach der Stammzelltherapie neben Infektionen auch ein Rezidiv der Leukämie. Die cGvHD, die bei etwa der Hälfte aller Patienten nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation auftritt, ist für etwa ein Viertel der Todesfälle mit verantwortlich.

Diese Risiken haben die FDA bewogen, Ibrutinib auch zur Behandlung  der cGvHD zuzulassen. Die Evidenz ist beschränkt. Sie beruht auf den Ergebnissen einer einzigen offenen Studie ohne Vergleichsgruppe. An der Studie nahmen 42 Patienten mit cGvHD teil, die bereits ein bis drei erfolglose Behandlungen hinter sich hatten und bei denen zumeist zwei oder mehr Organe betroffen waren. 

Die Behandlung mit Ibrutinib erzielte bei 28 Patienten (67 Prozent) eine Remission der cGvHD, die bei neun Patienten (21 Prozent) komplett war. Die Remission hielt bei der Hälfte der Patienten mindestens 32 Wochen an. 

Die Ausschaltung der B-Zellen blieb jedoch nicht ohne Folgen. Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören Müdigkeit, Blutungen, Durchfall, Muskelkrämpfe, Stomatitis, Übelkeit, Pneumonie sowie eine Thrombozytopenie und Anämie. Zu den schweren Nebenwirkungen gehören auch Arrhythmien, maligne Hypertonien, Krebserkrankungen oder ein Tumorlyse-Syndrom. Aus der Pressemitteilung des Herstellers geht nicht hervor, ob auch in Europa eine Indikationserweiterung angestrebt wird. Eine Off-Label-Anwendung dürfte jedoch möglich sein.

© rme/aerzteblatt.de

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