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Immer mehr übergewichtige Erstklässler in Thüringen

Dienstag, 8. August 2017

/dpa

Erfurt – Der Anteil übergewichtiger Erstklässler in Thüringen ist weiterhin hoch. Mehr als jeder zehnte Schulanfänger wog im vergangenen Jahr zu viel (12,1 Prozent). Bei einer Gesamtzahl von gut 18.300 Schülern waren das 2.222 Übergewichtige. Davon waren knapp 1.000 fettleibig, wie aus Daten des Thüringer Landesverwaltungsamts hervorgeht. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Quote damit leicht gestiegen. Auf gleichem Niveau war der Anteil der Übergewichtigen zuletzt 2011.

Aus medizinischer Sicht besorgniserregend ist, dass die Quote mit zunehmendem Alter der Schüler steigt. In der 4. Klasse waren 2016 schon 18,7 Prozent der Schüler übergewichtig, in der 8. Klasse waren es 19,8 Prozent. Auch der Anteil der fettleibigen Schüler nimmt mit dem Alter deutlich zu. In Deutschland liegt der Anteil übergewichtiger Kinder der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge je nach Bundesland zwischen 8,2 und 12 Prozent, darunter waren zwischen 2,8 und 5,3 Prozent adipös.

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Das ist eine Epidemie, die auf uns zugerollt kommt. Axel Dost

„Das ist eine Epidemie, die auf uns zugerollt kommt“ sagte Axel Dost, Oberarzt an der Kinderklinik des Uniklinikums Jena. Er sieht im Übergewicht und seinen Folgen das Hauptproblem für das deutsche Gesundheitssystem der kommenden Jahrzehnte. Die adipösen Kinder seien „typische Kandidaten für eine Typ-2-Diabetes“. Hinzu kämen Altersbeschwerden wie Bluthochdruck oder Gelenkschmerzen. Und die restlichen Übergewichtigen? „Wenn die nichts machen mit ihrem Übergewicht, rutschen die auch in die falsche Richtung“, sagte Dost.

Der Mediziner führt das Problem auf falsche Ernährung und zu wenig Bewegung zurück. Es bestehe ein klarer Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Gewicht, erklärte Dost. Früher habe vor allem das Fernsehen die Kinder von der Bewegung abgehalten, heute seien es Smartphones und Computer. Ebenso entscheidend sei die richtige Ernährung. Dost sieht in Ganztagsschulen eine Chance. „Wenn die Kinder da vernünftig ernährt werden, haben sie schon mal die Hälfte des Tages vernünftige Kost.“ Der Experte verweist aber auch auf die Verantwortung der Eltern.

Fred Hamann vom Thüringer Lehrerverband sieht an seiner Grundschule in Gera täglich übergewichtige Kinder. Dass aber jeder zehnte Erstklässler zu dick sei – das sieht er nicht. „Ich halte es für ein Problem, aber ich halte es nicht für ein dramatisches Problem“, sagte er. Die Schulen versuchten, mit gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung gegenzuhalten. „Wir als Lehrer achten natürlich schon darauf und versuchen, da Einfluss zu nehmen“, erklärte Hamann. Dennoch gebe es zu viele Kinder, die für die Frühstückspause Schokoriegel statt Obst und Gemüse dabei hätten.

Laut Thüringer Bildungsministerium sind alle Schulen im Land gesetzlich verpflichtet, „ein Konzept zur Gesundhaltung und zur gesunden Lebensweise zu erstellen“. Gesunde Ernährung sei ebenso Bestandteil des Unterrichts wie einheimische Kulturpflanzen oder Sexualkunde und „die Gesunderhaltung des menschlichen Körpers“. Schule allein könne auf gesellschaftliche Herausforderungen jedoch nur bedingt reagieren. Auch die Eltern seien gefragt.

© dpa/aerzteblatt.de

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