Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Warum die Krebsimmuntherapie nicht immer erfolgreich ist

Dienstag, 8. August 2017

/dpa

Bethesda – Ein aufwendiges Screening aller bekannten 19.000 Protein-kodierenden Gene von Krebszellen hat eine Liste von Genen zu Tage befördert, die in Melanom-Zellen intakt sein müssen, damit eine Immuntherapie erfolgreich sein kann. Die in Nature (2017; doi: 10.1038/nature23477) vorgestellten Ergebnisse könnten die Entwicklung einer Resistenz der Tumorzellen vorhersehbar machen.

Die Immuntherapie hat die Behandlung von Krebserkrankungen in den letzten Jahren verändert. Anders als Zytostatika greifen Immuntherapeutika wie Ipilimumab oder Nivolumab die Krebszellen nicht direkt an. Sie versetzen vielmehr die körpereigenen Immunzellen in die Lage, die Krebszellen zu attackieren. Der Hauptakteur sind T-Zellen, die die Tumorzellen an den Neoantigenen erkennen, die sich als Folge der vielen Mutationen im Krebsgenom auf der Oberfläche der Zellen bilden.

Die Immuntherapie wirkt aber nicht bei allen Patienten. Einige sprechen von Anfang an nicht auf die Therapie an, bei anderen kommt es im Verlauf der Behandlung zu einer Resistenz. Um die Ursachen zu ergründen, hat das US-National Cancer Institute ein groß angelegtes Screening begonnen. Ein Team um Nicholas Restifo hat mit dem Genom-Editor CRISPR in Zellkulturen einzelne Gene (durch Mutationen) ausgeschaltet und dann in einem Assay untersucht, ob die Zellen weiterhin von T-Zellen angegriffen werden.

Dabei wurden mehr als hundert Gene entdeckt, die in der Melanom-Zelle intakt sein müssen, damit T-Zellen sie erkennen. Um zu prüfen, welche dieser Gene in der Krebsbehandlung eine Rolle spielen, haben die Forscher die Liste mit dem Cancer Genome Atlas (TCGA) abgeglichen. Er enthält die Gendaten von mehr als 11.000 Patienten, die an 36 verschiedenen Krebsarten erkrankt waren. In 19 Genen gab es eine Übereinstimmung. Diese Gene müssen offenbar vorhanden sein, damit T-Zellen eine „zytolytische Aktivität“ entfalten, sprich die Krebszellen zerstören.

Einige Gene gehören zum HLA-System, das Teil des immunologischen „Ausweises“ der Zellen sind. T-Zellen erkennen daran, dass es sich um eine Zelle handelt, die überprüft und gegebenenfalls vernichtet werden muss. Andere Gene betreffen Interferon gamma. Mit diesem Botenstoff können T-Zellen andere Immunzellen zur Unterstützung der Krebsabwehr rekrutieren. 

Es gab jedoch auch Gene, deren Rolle in der Krebsabwehr bisher nicht bekannt war. Dazu gehört beispielsweise das Gen APLNR. Es enthält die Information für den Apelin-Rezeptor. Seine genaue Funktion ist nicht bekannt. Die neue Studie zeigt, dass ein defekter oder fehlender Apelin-Rezeptor die Immunantwort auf den Krebs lahm legen kann. 

Klinische Auswirkungen haben die neuen Studienergebnisse vorerst nicht. Mittelfristig könnten sie jedoch Grundlage für einen Gentest sein, mit dem sich die Aussichten der Immuntherapie bei den einzelnen Patienten vorhersagen lassen könnten.

© rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

10.08.17
Typ 1-Diabetes: Immuntherapie erhält Restproduktion von Insulin
Cardiff – Eine Immuntherapie, die aus mehrmaligen intradermalen Injektionen von „immundominanten“ Abschnitten von Proinsulin bestand, hat in einer Phase-1b-Studie den weiteren Abfall der......
13.07.17
Leukämie: Erste CAR-T-Zell-Therapie in den USA vor der Zulassung
Bethesda – Externe Berater haben der US-Arzneimittelbehörde FDA einstimmig die Zulassung der CAR-T-Zell-Therapie empfohlen, bei der die Patienten mit körpereigenen Abwehrzellen behandelt werden, die......
12.07.17
Heuschnupfen: Sublinguale Immuntherapie lindert Asthma bei Kindern
Turku/Laon – Eine allergenspezifische Immuntherapie kann bei Kindern mit Heuschnupfen später auftretende Asthmasymptome reduzieren. Nach drei Jahren Therapie mit nicht modifizierten Allergenen in......
07.07.17
Boston/Mainz – Zwei personalisierte Impfstoffe, die gegen Neoantigene/Neoepitope auf der Oberfläche von Tumorzellen gerichtet sind, haben in ersten klinischen Studien bei Patienten mit......
26.05.17
Rochester – Immunmodulatoren, die durch Lichtexposition aktiviert werden, könnten T-Helferzellen dabei unterstützen, Melanomzellen zu finden und anschließen zu zerstören. Über diesen Ansatz der......
10.05.17
Mainz – Rund 200 Wissenschaftler des Forschungszentrums für Immuntherapie (FZI) der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) arbeiten künftig im neu eröffneten Paul-Klein-Zentrum für......
27.03.17
Silver Spring – Die US-Arzneibehörde FDA hat den Checkpoint-Inhibitor Avelumab als erstes Medikament zur Behandlung des metastasierten Merkelzellkarzinoms zugelassen. Der Anti-PD-L1 Antikörper hatte......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige