NewsMedizinStudie: Blutdruck­schwankungen zeigen beginnende Demenz an
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Blutdruck­schwankungen zeigen beginnende Demenz an

Mittwoch, 9. August 2017

/levelupart, stock.adobe.com

Fukuoka/Japan – Starke tägliche Schwankungen des Blutdrucks waren in einer pros­pek­tiven Bevölkerungsstudie mit einem erhöhten Risiko verbunden, innerhalb der nächsten fünf Jahre an einer Demenz zu erkranken. Betroffen waren laut der Publika­tion in Circulation (2017; 136: 516–525) auch Personen mit normalem Blutdruck.

Dass starke Blutdruckschwankungen ein ominöses Zeichen sind, hatten bereits frühere Studien gezeigt. Die Besonderheit der Hisayama-Studie ist, dass die Teilnehmer den Blutdruck selbst gemessen haben, was einen Weißkittel-Effekt ausschließt. Das erhöht die Aussagekraft der Studie, die seit 1985 alle über 60 Jahre alten Einwohner der Gemein­de Hisayama in der Präfektur Fukuoka im Süden von Japan begleitet. Im Juni 2007 erhielten die Senioren ein Blutdruckmessgerät, mit dem sie während eines Monats jeden Morgen in der ersten Stunde nach dem Aufstehen und vor der ersten Mahlzeit drei Messungen durchführen sollten. 

Anzeige

Ein Team um Tomoyuki Ohara von der Universität in Fukuoka Stadt hat die täglichen Schwankungen in den Mittelwerten mit späteren Demenzerkrankungen in Beziehung gesetzt. Die Nachuntersuchungen fanden im November 2007, also etwas mehr als fünf Jahre nach den Blutdruckmessungen statt. Bei 134 Teilnehmern wurde eine Demenz festgestellt. 

Die Analyse ergab, dass Teilnehmer im oberen Viertel mit den höchsten täglichen Blut­druckschwankungen mehr als doppelt so häufig an einer Demenz erkrankt waren. Ohara ermittelte eine Hazard Ratio von 2,27, die mit einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 1,45 bis 3,55 statistisch signifikant war. Für vaskuläre Demenzen betrug die Hazard Ratio 2,79 (1,04–7,51) und für den Morbus Alzheimer 2,22 (1,313,75).

Die Assoziation war dosisabhängig, was eine möglich Kausalität unterstreicht. Unklar ist, ob die Blutdruckschwankungen die Ursache der Demenzerkrankungen sind oder ob sie eine frühe Manifestation der degenerativen Hirnerkrankung sind. Für die zweite Möglichkeit spricht, dass die Nachbeobachtungszeit mit fünf Jahren relativ kurz ist. Demenzerkrankungen entwickeln sich nach derzeitigem Verständnis eher über Jahr­zehnte.

Ein erhöhter Blutdruck ist zwar ein etablierter Risikofaktor für Demenzen. Die Assoziation mit den Blutdruckschwankungen bestand jedoch auch bei Personen, die einen normalen Blutdruck hatten. Die wahrscheinlichste Erklärung ist deshalb, dass die degenerative Hirnerkrankung im Frühstadium zu einer Störung der zentralnervösen Blutdruckkontrolle geführt hat. Herz und Kreislauf werden durch das autonome Nervensystem reguliert, das seine „Befehle“ vom Gehirn erhält. 

Patienten, die bei der täglichen Blutdruckkontrolle stärkere Schwankungen feststellen, sollten sich jedoch nicht allzu große Sorgen machen. Im obersten Viertel mit den stärksten Schwankungen erkrankten nur 85 von 1.934 Teilnehmern an einer Demenz. Das absolute Risiko innerhalb der nächsten fünf Jahren an einer Demenz zu erkranken, lag also bei etwa über 4 Prozent. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2018
Berlin – Das Diuretikum Hydrochlorothiazid, das in zahlreichen Antihypertensiva enthalten ist, begünstigt die Entwicklung von nicht-melanozytären Hautkrebsen (NMCS). Darauf müssen jetzt zahlreiche
Hydrochlorothiazid: Hautkrebsrisiko durch häufig eingesetztes Diuretikum
16. Oktober 2018
Cambridge/England – Etwa die Hälfte aller Menschen hat Mutationen in Genen, deren Störung zu einer degenerativen Hirnerkrankung führen kann. Die in Nature Communications vorgestellten Ergebnisse
Somatische Mutationen: Viele Demenzen könnten vor der Geburt angelegt sein
10. Oktober 2018
Lübeck – Seltene autoimmune Enzephalitiden wurde erst vor wenigen Jahren beschrieben. Bei betroffenen Patienten können psychotische Symptome, Bewusstseins- und Gedächtnisstörungen oder epileptische
Antineuronale Antikörper sind ein Zeichen für autoimmune Enzephalitis
25. September 2018
Chicago/Tübingen – Bewegung kann auch für Menschen mit einer monogenetisch bedingten Alzheimerkrankheit von Vorteil sein. Mindestens 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche wirkten sich in einer
Bewegung könnte den kognitiven Verfall bei seltener Alzheimerkrankheit verzögern
21. September 2018
London – Das Karzinogen N-Nitrosodiethylamin (NDEA), dessen Nachweis in Valsartan-Chargen weltweit zum Rückruf von Hochdruckmedikamenten geführt hat, wurde jetzt auch, allerdings in geringen Mengen,
NDEA-Spuren auch in Losartan: EMA lässt weitere Sartane untersuchen
21. September 2018
Berlin – Die Versorgungssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen hat sich in Deutschland in den letzten Jahren verbessert, ist aber längst noch nicht zufriedenstellend. Noch kommen die
Psychiater fordern mehr Aufklärung zu Demenz und frühzeitige Diagnostik und Behandlung
20. September 2018
Berlin – Den Startschuss für eine nationale Demenzstrategie haben Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) gegeben. „Menschen mit Demenz und ihre
VG WortLNS LNS
Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER