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Medizin

Krafttraining könnte Fortschreiten von multipler Sklerose verlangsamen

Mittwoch, 9. August 2017

/ISO K° - photography, stock.adobe.com

Aarhus – Patienten mit einer multiplen Sklerose (MS), die regelmäßig Krafttraining ausüben, könnten einer fortschreitenden Hirnatrophie entgegenwirken. Ein Koopera­tionsprojekt von Forschern der Aarhus University, der Southern University of Denmark und der Uniklinik Hamburg Eppendorf kam in einer randomisierten kontrollierten Studie zu diesem Ergebnis. Zusammen mit Arbeitsgruppenleiter Ulrik Dalgas veröffent­lichten die Forscher im Multiple Sclerosis Journal (2017; doi: 10.1177/1352458517722645).

Im Verlaufe einer MS kommt es nicht nur zu wiederkehrenden disseminierten Mark­lager­entzündungen, sondern auch zu einer Hirnatrophie. Bei gesunden Menschen nimmt das Hirnvolumen um durchschnittliche 0,1–0,3 Prozent pro Jahr ab, während es sich bei einer unbehandelten MS um durchschnittlich ein Prozent verringert. Für MS-Patienten ist Sport wichtig, da die körperliche Fitness im Verlaufe der Erkrankung oft abnimmt.

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass regelmäßiger Ausdauersport neuroprotektiv wirkt und sogar die Neurogenese fördert. So sei es laut den Forscher möglich, bei betroffe­nen Patienten die Hirnatrophie zu reduzieren. Ob Krafttraining einen mittelfristig günstigen Effekt auf den Verlauf der Erkrankung hat, sei indes unklar.

Für ihre Studie rekrutierten die Wissenschaftler 35 Patienten, die an einer MS litten. Die Patienten erhielten regelmäßig Interferon-beta und wiesen einen EDSS-Score zwischen 2 und 4 auf, was einer leichten bis mittelschweren Behinderung entspricht. Die Forscher teilten die Patienten in zwei Gruppen ein: Eine Gruppe übte über 24 Wochen zweimal wöchentlich ein leichtes Krafttraining aus, während die Kontroll­gruppe kein spezifisches Training ausführte.

Nach den 24 Wochen nahm auch die Kontrollgruppe für 24 Wochen am Training teil, während der Interventionsgruppe das Training freigestellt war. Vor der Intervention erhielten alle Patienten eine MRT-Untersuchung, um einen möglichen Effekt prüfen zu können. Die Untersuchung wurde nach sechs und elf Monaten wiederholt.

In der Auswertung bestätigte sich die positive Wirkung der Sporteinheiten: Die Gehirne in der Interventionsgruppe zeigten nach sechs Monaten eine geringere Atrophie als die der Vergleichsgruppe. Nachdem auch die Vergleichsgruppe das Training aufnahm, war die Geschwindigkeit der Hirnatrophie in beiden Gruppen vergleichbar. Zwar verfehlten die Ergebnisse das Signifikanzniveau, doch der Trend zu einer langsameren Atrophie war in beiden Fällen vorhanden. Darüber hinaus zeigte sich in einer Vielzahl kleinerer Hirnareale eine Wachstumstendenz durch das Krafttraining.

Die Ergebnisse sprechen laut der Forscher für eine neuroprotektive Wirkung von Kraft­sport bei MS-Patienten. Bei der Interpretation der Ergebnisse seien jedoch die geringe Zahl der Patienten und die vergleichsweise kurze Beobachtungszeit zu berücksichtigen, so die Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

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