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Medizin

Schlafstörungen könnten Risiko auf Frühgeburt erhöhen

Mittwoch, 9. August 2017

/dpa

San Francisco – Schlafstörungen können möglicherweise eine Frühgeburt begünstigen. Eine Fall-Kontroll-Studie in Obstetrics & Gynecology (2017; 130: 573–581) macht auf einen bisher übersehenen modifizierbaren Risikofaktor aufmerksam.

Ärzte sind es gewohnt, bei Frühgeburten nach medizinischen Ursachen zu suchen. Aufsteigende Infektionen, Störungen der Plazenta, Fehlbildungen von Fetus und Uterus erklären jedoch nur eine Minderheit der Frühgeburten. Auch Mehrlingsschwanger­schaften und vorangegangene Frühgeburten oder Spätaborte haben nur einen geringen Anteil.

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass auch eine ungesunde Lebensweise einen Einfluss hat. Zu den bekannten Risikofaktoren zählen Rauchen, Drogenkonsum, Bluthochdruck und eine Adipositas. Auch psychosoziale und umweltbedingte Stressoren wie Nahrungsmittel- und Wohnungsunsicherheit und Luftverschmutzung erhöhen das Risiko erhöhen.

Schlafstörungen wurden bisher nicht mit Frühgeburten in Verbindung gebracht. Eine Datenanalyse von fast drei Millionen Schwangeren, die die Epidemiologin Laura Jelliffe-Pawlowski von der Universität von Kalifornien in San Francisco jetzt durchgeführt hat, ergab jetzt, dass Schlafstörungen und hier vor allem eine Schlaf-Apnoe mit einer erhöhten Rate von Frühgeburten verbunden war.

Von den Frauen, die während der Vorsorgeuntersuchungen Schlafstörungen angegeben hatten, brachten 14,6 Prozent ihr Kind vor Ende der 37. Woche zur Welt, der allge­meinen Definition für Frühgeburten. Bei den Frauen ohne Schlafstörungen waren es 10,9 Prozent. Zu einer extremen Frühgeburt (vor Ende der 34. Woche) kam bei 5,3 Prozent der Frauen mit Schlafstörungen gegenüber einer Rate von 2,9 Prozent bei Frauen ohne eine solche Diagnose.

Eine Fall­kontroll­studie, die alle 2.265 Frauen mit Schlafstörungen einer Vergleichs­gruppe mit möglichst gleichen Eigenschaften (außer den Schlafstörungen) gegenüberstellte, ermittelte eine Odds Ratio von 1,3 für eine Frühgeburt infolge Schlaflosigkeit, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,0 bis 1,7 signifikant war. Eine Schlafapnoe erhöhte das Risiko um den Faktor 1,5 (1,2-1,8).

Die Studie konnte eine Reihe von konkurrierenden Begleitfaktoren wie vorherige Frühgeburt, Rauchen während der Schwangerschaft oder eine Hypertonie während der Schwangerschaft berücksichtigen. Eine wichtige Einschränkung ist jedoch, dass der Anteil der Schlafstörungen bei den Schwangeren nur bei etwa 1 Prozent lag. Es könnte deshalb sein, dass nur schwere Schlafstörungen das Risiko erhöhen, oder es wurde in der Anamnese nur selten danach gefragt. Es bleibt abzuwarten, ob andere Unter­suchungen das Risiko bestätigen können.

Die kalifornischen Forscher sind indes von der Kausalität überzeugt. Sie planen bereits eine klinische Studie: Die REST-Studie (Research on Expecting Moms and Sleep Therapy) soll klären, ob eine kognitive Verhaltenstherapie der Schlafstörungen die Rate von Frühgeburten senken kann. Sollte dies der Fall sein, würde dies indirekt auch die Bedeutung des Risikofaktors Schlafstörung belegen. © rme/aerzteblatt.de

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