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Medizin

Kupfermangel: Wenn eine schlecht sitzende Zahnprothese den Patienten an den Rollstuhl bindet

Mittwoch, 9. August 2017

Glasgow – Eine fortschreitende Muskelschwäche an den Beinen begleitet von Störungen der Sensibilität hatte bei einem 62-jährigen Mann aus Schottland eine überraschende Ursache. Eine schlecht sitzende Zahnprothese hatte den Mann zur exzessiven Verwendung einer zinkhaltigen Haftcreme veranlasst. Die Neurologen diagnostizierten am Ende in BMJ Case Reports (2017; doi: 10.1136/bcr-2015-211390) eine Myelopathie infolge eines Kupfermangels.

Kupfer ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das vor allem im Knochenmark und im Nervensystem benötigt wird. Ein Mangel kann zu einer Anämie und zu verschiedenen neurologischen Ausfällen führen, zu denen eine Myelopathie gehört. Diese Störungen lagen bei einem 62-jährigen Patienten vor, der sich im Queen Elizabeth University Hospital in Glasgow vorgestellt hatte. 

Der Patient hatte über die letzten sechs Monate unter einer zunehmenden motorischen Schwäche in den Beine geklagt, die auch von Parästhesien begleitet wurden. Das Team um den Neurologen Liam Stuart Carroll führte eine Magnetresonanztomographie durch, in der sie auffällige T2-Signale im hinteren Bereich des oberen Rückenmarks feststellten. Zu der Differenzialdiagnose gehört dann ein Vitamin-B12-Mangel. Doch die Blutwerte waren normal. Auffällig war einzig eine leichte normozytäre Anämie (Hb 113 g/l), ein erhöhter Zinkwert von 20,3 µmol/l (Normalbereich 11–18 µmol/l) sowie ein Kupfermangel von 6,4 µmol/l (10–22 µmol/l).

Die Anamnese klärte dann die Ursache der hohen Zinkwerte. Der Patient litt seit 15 Jahren unter einer schlecht sitzenden Zahnprothese. Er hatte pro Woche zwei bis vier Tuben einer in der Drogerie erhältlichen Haftcreme benutzt, die Zink enthält. Carroll vermutet, dass das Zink von der Mundschleimhaut resorbiert wurde.

Die hohen Zinkwerte könnten im Darm die Aktivität von Enzymen gesteigert haben, die Kupfer in der Schleimhaut speichern oder ins Darmlumen abgeben. Die resultierende Hypocuprämie, sprich Kupfermangel im Blut, könnte dann für die Myelopathie verantwortlich sein. 

Nach einer Substitution von Kupfer und dem Verzicht auf die zinkhaltige Haftcreme bildeten sich die Sensibilitätsstörungen allmählich zurück. Der Mann blieb jedoch weiterhin auf einen Rollstuhl angewiesen. Laut Carroll besteht jedoch die Hoffnung, dass sich die motorischen Ausfälle langsam zurückbilden. Seinen Kollegen rät der Neurologe, bei einer Myelopathie neben Vitamin B12 stets auch Zink und Kupfer bestimmen zu lassen. © rme/aerzteblatt.de

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