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Medizin

Typ 1-Diabetes: Immuntherapie erhält Restproduktion von Insulin

Donnerstag, 10. August 2017

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Cardiff – Eine Immuntherapie, die aus mehrmaligen intradermalen Injektionen von „immundominanten“ Abschnitten von Proinsulin bestand, hat in einer Phase-1b-Studie den weiteren Abfall der C-Peptid-Werte bei Patienten mit neu diagnostiziertem Typ 1-Diabetes verhindert und den täglichen Insulinbedarf begrenzt. Die Publikation in Science Translational Medicine (2017; 9: eaaf7779) könnte zur Entwicklung einer Therapie führen, die Patienten mit Typ 1-Diabetes eine gewisse Insulinproduktion erhält, was die Gefahr von lebensgefährlichen Hypoglykämien vermindert senken könnte.

Der Typ 1-Diabetes ist bekanntlich eine Autoimmunreaktion, die zur allmählichen Zerstörung der Beta-Zellen führt, den Produzenten des lebenswichtigen Hormons Insulin. Die meisten Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose noch etwa 15 bis 20 Prozent der ursprünglichen Beta-Zellen. Die Restproduktion von Insulin kann den Diabetes, also den Zuckerverlust über die Nieren, einschränken und sie hilft erfahrungsgemäß, schwere Hypoglykämien unter der Insulintherapie zu vermeiden.

Es könne deshalb therapeutisch sinnvoll sein, die Zerstörung der restlichen Beta-Zellen zu verhindern. Dies wäre mit einer Immunsuppression möglich, doch die Neben­wirkungen der Medikamente wären größer als der Nutzen. Eine Alternative könnte eine Antigen-spezifische Immuntherapie sein, die ähnlich wie bei der „Hyposensibilisierung“ bei allergischen Erkrankungen eine Immuntoleranz erzielt und die T-Zellen von der weiteren Zerstörung der Beta-Zellen abhalten könnte.

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Ein Team um Collin Dayan von der Cardiff University School of Medicine setzt dazu ein Teilpeptid von Proinsulin ein, dem Vorläuferprotein von Insulin. Das Teilpeptid entspricht dem Teil des Hormons, das vom Immunsystem erkannt wird. In einer früheren Studie hatte Collin zeigen können, dass das Peptid C19-A3 bei gesunden Menschen keine schweren allergischen Reaktionen auslöst (Clinical and Experimental Immunology 2008; 155: 156-165).

Jetzt liegen die ersten Ergebnisse einer klinischen Studie an Patienten mit Typ 1-Diabetes vor. Bei den 27 Teilnehmern lag die Diagnose nicht länger als hundert Tage zurück. Bei allen Patienten wurde wenigstens ein Autoantikörper (gegen GAD, IA-2 oder ZnT8) nachgewiesen und alle verfügten über eine Restproduktion von Insulin (gemessen als C-Peptid).

Die Studie hatte drei Gruppen. In einer Gruppe erhielten die Patienten alle zwei Wochen eine intradermale Injektion von Proinsulin C19-A3 (insgesamt 12 Dosierungen), in der zweiten Gruppe wurden die Injektionen alle vier Wochen (insgesamt 6 Dosierungen) verabreicht. In der dritten Gruppe enthielten die Injektionen kein Proinsulin C19-A3.

Primärer Endpunkt der Phase 1b-Studie war erneut die Sicherheit. Bei allen Patienten wurden jedoch regelmäßig die C-Peptid-Werte kontrolliert. Zunächst einmal kam es wie in der Vorgängerstudie zu keinen relevanten Komplikationen. Die Immuntherapie scheint demnach sicher zu sein. 

Die Behandlung könnte auch effektiv gewesen sein. Während alle Teilnehmer in der Placebo-ruppe in den ersten zwölf Monaten nach dem Beginn der Studie die Insulin-Dosis steigern mussten, weil die körpereigene Produktion (C-Peptid) weiter abnahm, blieb der Insulin-Bedarf unter und nach der Immuntherapie stabil. Auch die HbA1c-Werte verschlechterten sich hier nicht. Immunologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Behandlung tatsächlich eine Toleranz induziert haben könnte.

Mit absoluter Sicherheit lässt sich dies allerdings nicht sagen, da die Zahl der Teilnehmer zu gering ist. Der Beginn des Typ 1-Diabetes ist erfahrungsgemäß von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Einige erleben in den ersten Monaten nach der Diagnose noch einmal einen „Honeymoon“, in dem die Insulindosis begrenzt werden kann. Da die Injektionen abgesehen von Lokalreaktionen bei einigen Patienten ohne Nebenwirkungen blieben, dürfte es keine Einwände gegen den baldigen Beginn weiterer Studien geben. Eine abschließende Bewertung wird erst in einigen Jahren möglich sein.

© rme/aerzteblatt.de

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