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Medizin

Cannabis könnte Sterberisiko an Hochdruck­erkrankungen verdreifachen

Donnerstag, 10. August 2017

Photographee.eu - stock.adobe.com

Atlanta – Der regelmäßige Konsum der Cannabisdroge, die kurzfristig Herzfrequenz und Blutdruck steigert, könnte langfristig das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Eine Studie im European Journal of Preventive Cardiology (2017; doi: 10.1177/2047487317723212) ermittelt eine erhöhte Zahl von Todesfällen infolge einer arteriellen Hypertonie. Die Aussagekraft der Studie ist jedoch begrenzt.

Im Gegensatz zum Tabakrauchen sind die Folgen eines langjährigen Cannabiskonsums wenig erforscht. Das Rauchen von Marihuana hat, vermutlich vermittelt durch die Droge THC, akute Auswirkungen auf den Kreislauf. Blutdruck (im Liegen) und Herzfrequenz steigen an. Da sich gleichzeitig die peripheren Blutgefäße erweitern, kann es nach dem Aufrichten zum Kollaps infolge einer orthostatischen Hypotension kommen, was bei den zumeist jüngeren Konsumenten jedoch selten zu gefährlichen Situationen führt. Tödliche Komplikationen scheinen selten zu sein.

Langfristig könnte der gewohnheitsmäßige Konsum jedoch das Sterberisiko erhöhen, wie eine retrospektive Studie der Georgia State University in Atlanta vermuten lässt. Barbara Yankey und Mitarbeiter haben die Daten der NHANES-Umfrage (National Health and Nutrition Examination Survey) mit späteren Einträgen im Sterberegister des Landes abgeglichen. Die NHANES ist eine regelmäßige repräsentative Umfrage der Centers for Disease Control and Prevention zum Gesundheitszustand der Bevölkerung. Im Jahr 2005/6 wurden die Teilnehmer auch gefragt, ob sie Cannabis konsumieren und wenn ja, wie lange schon. 

Yankey setzte die Daten mit späteren Todesfällen in Beziehung, die vom National Centre for Health Statistics registriert werden. Dabei zeigte sich, dass die Cannabis-Konsumenten häufiger als Nicht-Konsumenten an den Folgen einer arteriellen Hypertonie gestorben waren. Gewertet wurden hier alle Einträge zur primären Hypertonie und zu hypertensiven Nierenerkrankungen in den Todesbescheinigungen.

In der nicht-adjustierten Analyse, die Begleitfaktoren nicht berücksichtigt, ermittelt Yankey eine Hazard Ratio von 1,86, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,95 bis 3,66 nicht signifikant ist. In der adjustierten Analyse steigt die Hazard Ratio auf 3,42, die trotz eines weiten 95-Prozent-Konfidenzintervalls von 1,20 bis 9,79 statistisch signifikant ist. Ein Anstieg der Hazard Ratio nach einer Adjustierung ist ungewöhnlich und Yankey bleibt eine Erklärung schuldig. 

Die Aussage, dass jedes Jahr eines aktiven Cannabiskonsums das Sterberisiko an den Folgen eines zu hohen Blutdrucks um 4 Prozent erhöht (Hazard Ratio 1,04; 1,00-1,07) dürfte deshalb mit Fragezeichen zu versehen sein. Zu den Schwächen gehört der retrospektive Abgleich zweier unterschiedlicher Datenquellen, der sich auf die notorisch unzuverlässigen Angaben in Todesbescheinigungen verlässt. Die Studie zeigt allerdings erneut, dass die gesundheitlichen Folgen des Cannabiskonsums insgesamt wenig erforscht sind. © rme/aerzteblatt.de

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