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Medizin

Sexuell übertragbare Krankheiten: Ungeschützer Geschlechtsverkehr besorgt die wenigsten

Freitag, 18. August 2017

Nur jeder Vierte, der ungeschützten außerpartnerschaftlichen Geschlechtsverkehr hat, lässt sich daraufhin medizinisch untersuchen. /WavebreakMediaMicro, stock.adobe.com

Köln – Eine sexualmedizinische Anamnese und Beratung in den Arztpraxen kann mit dazu beitragen, der Ausbreitung sexuell übertragbarer Infektionen entgegenzuwirken. Dies zeigt eine repräsentative Befragung von 2.524 Personen zu sexuellen Praktiken und Außenkontakten sowie zu Verhütungsmaßnahmen, deren Ergebnisse Julia Haver­sath und Koautoren in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 544–50) zusammenfassen.

So berichteten etwa 13 Prozent der Befragten von ungeschütztem Geschlechtsverkehr außerhalb der primären Partnerschaft, aber nur 2 Prozent gaben an, in der Partner­schaft stets Kondome zu benutzen. Solche verschwiegenen sexuellen Außenkontakte gelten als ein Verbreitungsweg für sexuell übertragbare Infektionen. Die Autoren weisen darauf hin, dass nur jeder Vierte, der ungeschützten außerpartnerschaftlichen Geschlechtsverkehr angab, eine darauf bezogene medizinische Untersuchung hatte durchführen lassen.

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Vor diesem Hintergrund halten sie die Exploration riskanter Verhaltensweisen und Aufklärung zur Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen in den Arztpraxen für sehr wichtig. Gibt ein Patient an, wechselnde Sexualpartner zu haben, sollte explizit auf die Übertragungswege und auf den Kondom- oder Femidomgebrauch hingewiesen werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass rund die Hälfte der Befragten über Erfah­run­gen mit Oralverkehr berichtete, wird empfohlen, auch über den noch relativ unbe­kannten orogenitalen Übertragungsweg von Infektionen zu informieren.

In der repräsentativen Befragung beschrieben sich die meisten Frauen (82 %) und Männer (86 %) als ausschließlich heterosexuell. Von den Befragten gaben 57 % an, sich derzeit in einer festen Partnerschaft zu befinden und insgesamt damit zufrieden zu sein. Von den Befragten mit fester Partnerschaft hatten 40 % eine monogame Partner­schaft, 2 % eine offene Beziehung und 1 % gemeinsame Triolen vereinbart. Über Kon­tak­te mit Dritten hatten 56 % keine Vereinbarung getroffen.

Von den Frauen im reproduktiven Alter (≤ 50 Jahre) gaben 51 % an, orale Kontrazeptiva einzunehmen, 17 % verhüteten auf anderem Wege. Wegen eines Kinderwunsches betrieben 5 % keine Verhütung; 27 % berichteten, sich über Verhütung keine Gedanken zu machen. Zur postkoitalen Empfängnisverhütung hatten 7 % der Frauen einmal ein Interzeptivum eingenommen, 3 % mehr als einmal.

Jemals während einer Partnerschaft sexuellen Verkehr mit einer anderen Person als dem festen Partner gehabt zu haben, berichteten 17 % der Befragten. Mehr Männer (21 %) als Frauen (15 %) bejahten die Frage nach Außenkontakten. Im Mittel wurden von Personen mit Außenkontakten insgesamt 3,65 andere Partner neben primären Partnern angegeben. Von 8 % der Männer wurden Außenkontakte mit im Durchschnitt 4 weibli­chen Prostituierten angegeben.

Die Autoren halten es für wichtig, dass Ärzte Kenntnis über das allgemeine Sexual­verhalten haben. Dies sei eine wichtige Grundlage, um mit gesundheitlichen Proble­men, die möglicherweise daraus resultieren, adäquat umgehen zu können. © tg/aerzteblatt.de

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