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Medizin

Patienten mit multiresistenten Erregern kosten Neurorehakliniken rund ein Zehntel ihres Budgets

Freitag, 18. August 2017

MRSA-pictprofi-stockadobecom

Düsseldorf – Patienten mit multiresistenten Erregern (MRE) binden durch den erhöhten Hygieneaufwand rund ein Zehntel der Gesamtbudgets von neurologischen Rehabilita­tionseinrichtungen. Das berichten Autoren der Hygiene-Kommission der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) im Bundesgesundheitsblatt, Ausgabe 10/2017. „Die Aufnahme von Patienten mit multiresistenten Erregern in Neurorehabili­tationskliniken verursacht Mehrkosten in einem Ausmaß, welches die Fähigkeit der Kliniken zur rehabilitativen Kernleistung kritisch beeinträchtigt“, folgern die Autoren.

Die Zunahme an Patienten in Akutkrankenhäusern mit MRE wie Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) oder gramnegativen Bakterien, die gegen drei oder vier Klassen von Antibiotika resistent sind, führt auch zu einer vermehrten Nachfrage nach Rehabilitationsplätzen für diese Patienten. Dieses Problem trifft laut den Autoren besonders die Neurorehabilitation.

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Zentrale Funktion

„Sie hat eine Sonderstellung unter den Rehabilitationsdisziplinen. Das neurorehabilita­tive Phasenmodell erlaubt ihr im Gegensatz zu anderen Disziplinen, Patienten unter­schiedlicher Erkrankungsschwere zu versorgen einschließlich noch kritisch kranker Patienten mit längeren Liegezeiten und intensiveren Kontakten mit Pflege und Therapeuten in der sogenannten Phase B“, heißt es in der Publikation.

Damit erfülle sie eine zentrale Versorgungsfunktion, sei aber gleichzeitig besonders mit MRE bei noch kritisch kranken Patienten konfrontiert. Der dabei steigende hygie­nemedizinische Mehraufwand mindere die Ressourcen für die rehabilitativen Kern­leistungen. „Neben der so entstehenden Fehlversorgung besteht ein weiteres Risiko darin, dass MRE-tragende Patienten nur noch nachrangig in Rehabilitationseinrich­tungen aufgenommen werden“, berichten die Autoren um Stefan Knecht von der Mauritius Therapieklinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Die Hygiene-Kommission der DGNR analysierte daher die Mehrkosten für die Rehabili­tation von Patienten mit MRE. Im Mittel ergaben sich für hygienemedizinische Isola­tions­maßnahmen pro Tag direkte Kosten in Höhe von 144 Euro: 47 Euro Sachkosten, 92 Euro Personalkosten und 5 Euro weitere Kosten sowie indirekte Kosten von 274 Euro. Die indirekten Kosten sind sogenannte Opportunitäts- oder Verzichtskosten. Grund dafür ist, dass in der Durchschnittsklinik die Anzahl der MRE-Fälle mit Isolationspflichtigkeit größer sei als die verfügbare Anzahl an Einzelzimmern. Die Opportunitätskosten entstehen also durch nicht belegte Betten in den von MRE-Patienten belegten Doppelzimmern.

Somit errechneten sich tägliche Zusatzkosten von 418 Euro pro MRE-besiedeltem Patienten. Angesichts einer Besiedlungsrate von zehn Prozent der Patienten bindet dieser Mehraufwand laut den Autoren annähernd ein Zehntel des Gesamtbudgets der Rehabilitationseinrichtungen. © hil/aerzteblatt.de

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