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Medizin

Nasopharynxkarzinom: Screening auf Epstein-Barr-Virus in China erfolgreich

Montag, 14. August 2017

Hongkong – Der Nachweis von zellfreier DNA des Epstein-Barr-Virus (EBV) im Blut ermöglicht die Früherkennung des Nasopharynxkarzinoms. Der Tumor wurde dabei in einer prospektiven Studie im New England Journal of Medicine (2017; 377: 513–522) häufig in einem Stadium entdeckt, in dem eine Heilung möglich ist. Ein Screening würde sich vor allem in Ländern anbieten, in denen das Nasopharynxkarzinom sehr viel häufiger ist als in Deutschland.

Das Nasopharynxkarzinom wird vermutlich durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) aus­gelöst. Jede Tumorzelle enthält etwa 50 Kopien des EBV-Genoms. Bei einem Zerfall der Zelle – ein bei Krebserkrankungen häufiger Vorgang – werde die Gene an das umge­ben­de Gewebe abgegeben. Im Blut lassen sich dann einzelne Genkopien mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nachweisen.

Ein Team um Dennis Lo von der chinesischen Universität in Hongkong hat jetzt in einer Studie untersucht, ob sich der EBV-Nachweis zur Früherkennung dieses Karzinoms eignet, der aus unbekannten Gründen in Südostasien sehr viel häufiger ist als hierzu­lande. Auf 100.000 Einwohner kommen dort jährlich 35 Neuerkrankungen. In Mittel­europa und Nordamerika liegt die Inzidenz bei unter 1 pro 100.000 Einwohner.

Die Forscher entschieden sich für den Nachweis einer Gensequenz, die im EBV-Genom gleich zehnmal vorkommt. Der Zerfall jeder einzelnen Zelle setzt deshalb 500 mit der PCR detektierbare Sequenzen frei, was bei einer Nachweisgrenze der Methode von 20 Genomen pro Milliliter Blutplasma eine gute Chance für einen genetischen Virus­nach­weis verspricht.

An dem Screening nahmen 20.349 chinesischstämmige Einwohner Hongkongs teil. Bei 1.112 oder 5,5 Prozent war der Test positiv. Lo vermutet, dass sich darunter auch viele Personen befinden, die chronisch mit dem EBV infiziert sind. Das ist in China bei der Mehrheit der Bevölkerung der Fall. Das Virus befällt die B-Zellen, wo es seine Gene ablegt. Während der meisten Zeit bleibt die Infektion stumm. Hin und wieder kommt es zu einer aktiven Replikation, die nur kurz andauert und von den Betroffenen meist nicht bemerkt wird. In diesem Fall sind auch bei Nichtkrebspatienten Virusgene im Blut nachweisbar.

Um diese Fälle auszuschließen, wurden alle Personen mit positivem Bluttest nach vier Wochen zu einem zweiten Test eingeladen. Bei 309 Personen (1,5 Prozent der Gesamt­gruppe) war auch der zweite Test positiv. Diese Personen wurden zu weiteren Unter­suchungen eingeladen: 300 Personen unterzogen sich einer endoskopischen Unter­suchung des Nasen- und Rachenraums, bei 271 Personen wurde eine Magnetresonanz­tomographie durchgeführt.

Es wurden insgesamt 34 Nasopharynxkarzinome gefunden: 16 befanden sich im Stadium I und acht im Stadium II. In beiden Stadien wird durch eine Radiotherapie häufig eine Heilung erreicht. Der Anteil der Tumore im Stadium I oder II lag mit 71 Prozent deutlich höher als in einer historischen Vergleichsgruppe, wo nur etwa 20 Prozent der Tumore in den beiden Frühstadien diagnostiziert wurden.

Drei Jahre nach der Behandlung waren noch 97 Prozent der Patienten, deren Tumor durch das Screening entdeckt wurde, ohne Rezidiv gegenüber 70 Prozent der histori­schen Vergleichsgruppe. Lo ermittelt eine Hazard Ratio von 0,10, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,05 bis 0,18 hochsignifikant war. Von den neun Teilnehmern, die sich gegen eine Nachuntersuchung entschieden, starb einer 32 Monate nach Studienbeginn.  

Ein Screening mit dem Gentest könnte deshalb auf Bevölkerungsebene viele Menschen vor einem vorzeitigen Tod durch ein Nasopharynxkarzinom bewahren. (Da das Karzi­nom rasch wächst und unbehandelt rasch zum Tod führt, ist ein Lead-Time-Bias unwahr­scheinlich.) Trotz der hohen Sensitivität von 97,1 Prozent und einer Spezifität von 98,6 Prozent dürfte das Screening nur in Ländern mit einer hohen Inzidenz des Nasopharynxkarzinoms sinnvoll sein.

Der positive Vorhersagewert von 11 Prozent in der Studie lag deutlich über der Grenze von 3 Prozent, die für ein bevölkerungsweites Screening gefordert wird, schreibt Lo. Auch die Kosten wären vertretbar. Die Kosten für den Bluttest betragen etwa 30 US-Dollar, für eine Endoskopie werden in China umgerechnet 80 US-Dollar abgerechnet. Eine Magnetresonanztomographie kostet dagegen um die 1.000 US-Dollar. Da 31 von 34 Tumoren auch bei der Endoskopie entdeckt wurden, könnte aus Sicht von Lo auf die Magnetresonanztomographie verzichtet werden. © rme/aerzteblatt.de

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