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Deutsche kaufen mehr Handdesinfektions­produkte

Dienstag, 15. August 2017

/Rodja, stock.adobe.com

Karlsruhe – Der Umsatz von Handdesinfektionsprodukten in Deutschland ist zuletzt deutlich gestiegen. Das zeigt eine Analyse des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Ärzte sehen den Hausgebrauch skeptisch.

Der Analyse zufolge setzten die Geschäfte von Mitte 2014 bis Mitte 2015 noch 18,2 Millionen Euro damit um. Zwischen Mitte 2016 und Mitte 2017 waren es bereits etwa 31,2 Millionen Euro gewesen. Das entspricht einem Plus von 71,2 Prozent. Besonders stark legten Discounter zu. Sie verdreifachten ihren Umsatz auf 6,3 Millionen Euro. Die absolute Zahl an verkauften Packungen stieg um 68 Prozent auf 21,1 Millionen Stück.

Seife und Wasser

Ärzte bezweifeln den Nutzen für Verbraucher. „Für den Heimbedarf eines gesunden Menschen sind Desinfektionsmittel weitestgehend überflüssig“, sagte der ärztliche Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg, Ernst Tabori. Man werde nicht gesünder, wenn man Desinfektionsmittel benutze. Dem Arzt zufolge können sich Verbraucher das Geld sparen. „Das ist für die Hersteller ein gutes Geschäft“, sagte er.

Tatsächlich sind Desinfektionsprodukte auf den Liter gerechnet hochpreisig. In einem Drogeriegeschäft kosten Spray und Gel in handlicher Probiergröße (je 50 Milliliter) 1,99 Euro, an Hotspots wie Bahnhöfen sogar mehr. Die Preise für Tücher beginnen ab 0,89 Euro für 15 Stück. Im Vergleich: Die hauseigene Flüssigseife (500 Milliliter) schlägt mit 55 Cent zu Buche.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht keine Notwendigkeit für die teuren Produkte. Nur in Ausnahmefällen seien sie „im Privathaushalt sinnvoll und notwendig, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden“, heißt es auf der eigenen Webseite. „Nicht das Mittel ist entscheidend, sondern die konsequente und korrekte Durchführung“, erklärte Tabori. Im Klartext bedeute das, Seife und Wasser reichten für den Alltagsgebrauch aus.

Tabori geht sogar einen Schritt weiter und sieht Desinfektionsmittel in bestimmten Fällen als Gefahr für die Gesundheit. „Vor allem für empfindliche Leute und Menschen mit einer Neigung zu Allergien ist die unbegründete Anwendung von Desinfek­tionsmitteln nicht ratsam.“ Laut BfR können die Inhaltsstoffe Allergien oder Ekzeme auslösen.

Ein weiteres Problem: Mikroorganismen können Toleranzen gegen Wirkstoffe bilden, wenn sie diesen in nicht tödlichen Konzentrationen ausgesetzt werden. „Der Resistenzmechanismus bietet ihnen dann einen Überlebensvorteil gegenüber nicht-toleranten Mikroorganismen“, erläuterte eine Sprecherin des BfR. Auch die Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika könnte auf diesem Wege gefördert werden. Ob es jedoch tatsächlich zu einem der Szenarien kommt, müsse im Einzelfall beurteilt werden.

© dpa/aerzteblatt.de

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