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Medizin

Typ-2-Diabetes: Intensive Lebensstil-Inter­vention kann Medikamente ersetzen

Mittwoch, 16. August 2017

/Robert Kneschke, stock.adobe.com

Kopenhagen – Sport und eine gesunde Ernährung haben in einer randomisierten kontrollierten Studie aus Dänemark den HbA1c-Wert verbessert und vielen Patienten eine Dosissenkung ihrer Medikamente ermöglicht, wie die Publikation im amerika­nischen Ärzteblatt JAMA (2017; doi: 10.1001/jama.2017.10169) zeigt.

Viele Ärzte betrachten Lebensstil-Interventionen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes als aussichtslos. Auch die meisten Patienten ziehen die Einnahme von Tabletten der Änderung langjähriger Gewohnheiten vor. Dabei ist die medikamentöse Therapie nicht ohne Nebenwirkungen und bei den meisten Patienten bleibt es nicht bei einem Wirkstoff. Am Ende steht häufig eine Insulintherapie. 

Dass eine Lebensstil-Intervention erfolgreich sein kann, hatte bereits die amerikani­sche „Look AHEAD“-Studie gezeigt. Die Probanden hatten fast 8,6 Prozent ihres Körpergewichts verloren und den Blutzucker-Langzeitwert HbA1c um 0,6 Prozent gesenkt. Allerdings war der Nutzen zeitlich begrenzt. Viele Teilnehmer verfielen später wieder ihrem alten Lebensstil und die Hoffnung, die kardiovaskulären Spätfolgen zu vermeiden, erfüllte sich nicht.

Jetzt stellen dänische Diabetologen die Ergebnisse einer einjährigen Studie vor. Mathias Ried-Larsen vom Rigshospitalet in Kopenhagen und Mitarbeiter hatten 98 Patienten, deren Diabetes-Diagnose weniger als zehn Jahre zurücklag, auf eine intensive Lebensstil-Intervention oder auf eine Kontrollgruppe randomisiert. 

Bewegung und Diät mit weniger als 7 Prozent gesättigten Fetten

Die Lebensstil-Intervention bestand zum einen aus einem Aerobic-Training an fünf bis sechs Tagen der Woche. Die Teilnehmer trainierten für jeweils 30 bis 60 Minuten, wobei zwei bis drei Sportstunden pro Woche auch ein Krafttraining beinhalteten. Die Teilnehmer erhielten außerdem Diätpläne mit einem ausgewogenen Anteil von Kohlen­hydraten (45–60 Prozent), Proteinen (15–20 Prozent) und Fetten (20–35 Prozent, davon weniger als 7 Prozent gesättigt). In den ersten vier Monaten wurde die Kalorienzufuhr unter Leitung eines Diätassistenten beschränkt. Später sollten die Teilnehmer mehr und mehr selbst die Verantwortung über die Ernährung übernehmen.

Das Ziel der Lebensstil-Intervention war ein HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent. Ab diesem Punkt sollte die Dosis der Medikamente halbiert werden. Die Teilnehmer der Lebensstil-Intervention lagen zu Beginn der Studie mit einem HbA1c-Wert von 6,65 nur geringfügig über der Grenze, was die relativ geringe Abnahme des HbA1c-Werts nach einem Jahr auf 6,34 Prozent erklären mag.

In der Vergleichsgruppe verbesserte sich der Wert von 6,74 auf 6,66 Prozent. Gleichzeitig ermöglichte die Lebensstil-Intervention jedoch 73,5 Prozent der Teilnehmer, die Dosis ihrer Medikamente zu senken. In der Kontrollgruppe schafften dies nur 26,4 Prozent der Teilnehmer. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen betrug mithin 47,1 Prozentpunkte (95-Prozent-Konfidenzintervall 28,6 bis 65,3). 

Die Bereitschaft der Diabetiker, sich an der Lebensstil-Intervention zu beteiligen, war hoch: Sie nahmen an 82 Prozent der Sportstunden und an 78 Prozent der Diät-Bera­tungen teil.

Wie in der „Look AHEAD“-Studie wird der Erfolg der Lebensstil-Intervention maßgeblich davon abhängen, ob die Teilnehmer die Änderungen auf Dauer annehmen oder nur als ein kurzes Intermezzo betrachten. © rme/aerzteblatt.de

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Grosswardeyn
am Donnerstag, 26. Oktober 2017, 15:56

Krankmacher

Leben und Arbeit in Europa machen uns krank.
´hajodba@gmx.de
am Donnerstag, 17. August 2017, 13:42

"Vielen Dank für die Bestitung, das ich mich seit Jahren auf dem richtigem Weg befinde"

Auch wenn es ein "beschwerlicher Weg" gewesen war, den ich gemeinsam mit
meinem "Diabetologen" gegangen bin, nachdem ich zu "ihm gewechselt" war.
Denn davor war ich 6 Jahre lang Patient in einer Praxis, worin "evidenz-
basiert behandelt" wurde und dabei kein Platz für "Eigen-Initiativen der
Patenten" war. Da ich nach der "Diagnose" genauso unwissend war wie die
meisten Betroffenen, "tat" auch das, was man mir in der Praxis sagte:
"Ich könne so weiterleben wir bisher und auch "alles essen", wenn ich
regelmäßig "meine Tabletten (die "Höchstdosis zweier Medikament" pro
Tag) einnehmen" würde. Mit dem Ergebnis; die "Werte bleiben nicht gut"
und ich nahm innerhalb von 1 1/2 Jahre ca. 14 kg" zu und wog "119 kg".

Durch die schwierige Situation miner "multimorbiden" Lebensgefährtin
befand ich mich in einem "psychosozialen Dauerstress" und dementspre-
chend war auch mein "Lebensstil". Dies änderte sich mit dem Tod meiner
Lebensgefährtin und meinem "Arztwechsel".

Ich fand einen "Diabetologen", der mich von Anbeginn bei meinen "Eigen-
Initiativen" unterstützte. Wir änderten die "Medikation" und ich meinen
"Lebensstil" sowie wir meine "Ernährung", weil ich keine Rücksicht mehr
auf die "Befindlichkeiten meiner schwerkranken Lebensgefährtin" nehmen
musste. Da ich mich nur noch "auf mich selbst konzentrieren" konnte,
entwickelt ich, gemeinsam mit meinem Arzt. aus den "Eigen-Initiativen" ein "Selbstmanagement meines Diabetes Typ 2", womit ich recht gute "ER-
gebnisse" erzielte. Wenn man bedenkt, dass ich nach der "Diagnose" mit
eine "HbA1c-Wert von 12,80%" begann, in den Folgejahren "Werte zwischen
9 und 10%" hatte und nunmehr seit längerem "konstante HbA1c-Weert von
unter 7%", dann kann ich damit zufrieden sein. Zumal ich dies auch mit mit "weniger oraler Antidiabetika" erreiche - und vor allem, weiterhin
"ohne Insulin" auskomme.

H. Jürgen Barth, Rodalben-

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