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Medizin

TAVI: Filtersystem reduziert Schlaganfälle bei OP um 70 Prozent

Freitag, 18. August 2017

Das Doppelfiltersystem verhindert, dass kleinste Partikel ins Gehirn geschwemmt werden und dort Schlaganfälle verursachen. /Claret Medical
Das Doppelfiltersystem verhindert, dass kleinste Partikel ins Gehirn geschwemmt werden und dort Schlaganfälle verursachen. /Claret Medical

Ulm – Tritt während einer OP am Herzen ein Schlaganfall auf, bedeutet das für den Patienten häufig Invalidität oder gar den Tod. Verwenden Mediziner während einer Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) zusätzlich ein Doppelfiltersystem, wird das Infarktrisiko während oder nach dem Eingriff gesenkt. Den deutlichen Vorteil konnten Mediziner vom Universitätsklinikum Ulm in einer noch nicht veröffentlichten Studie mit 560 Patienten nachweisen. In den USA haben die Ergebnisse bereits dazu geführt, dass das Doppelfiltersystem von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen wurde.

Während die Herzklappe früher in einer offenen Operation, also einer Operation, bei dem der Brustkorb des Patienten geöffnet wird, ersetzt wurde, nutzen Mediziner seit einigen Jahren eine minimal-invasivere Technik. Bei dieser Methode, dem katheter­gestützten perkutanen Aortenklappenersatz (TAVI; Transkatheter-Aortenklappen-Implantation), wird die neue Herzklappe mithilfe eines Katheters, der durch die Leistenarterie geführt wird, an ihren Einsatzort gebracht und dort entfaltet.

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Der Austausch der defekten Aorten­klappe ist oft die einzige Möglichkeit, den Patienten mit einer Aortenstenose zu helfen und Symptome wie Atemnot zu beheben. Eine schwerwiegende Komplikation bei diesem Eingriff ist ein Schlaganfall. Die Ursache hierfür sind häufig kleinste Partikel, die bei der Beseitigung der Klappenverengung beim Einsetzen der neuen Herzklappe aus der Gefäßwand gelöst werden, ins Gehirn gelangen und dort zur Durchblu­tungsstörung führen.

Um herauszufinden, ob spezielle Filtersysteme, die bei einem perkutanen Aorten­klappen­ersatz vorübergehend in die Halsschlagadern platziert werden, das Eindringen der Partikel und damit auch Schlaganfälle verhindern können, hat Jochen Wöhrle, Leiter des Herzklappenprogramms an der Klinik für Innere Medizin II, in einer Studie mit 560 Patienten untersucht. „Mit der Studie konnten wir eindeutig zeigen, dass das Doppelfiltersystem wesentlich dazu beiträgt, das Gehirn des Patienten vor einem Eindringen der Partikel zu schützen. Das relative Risiko, vor oder innerhalb von sieben Tagen nach der OP einen Schlaganfall zu erleiden, konnte mithilfe der eingesetzten Filter um 71 Prozent gesenkt werden“, fasst Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II, die Ergebnisse zusammen.

An der Klinik kommt seit 2016 das Doppelfiltersystem „Sentinel Cerebral Protection System“ der Firma Claret Medical zum Einsatz. Der größere der beiden Filter wird hier vor Beginn des eigentlichen Eingriffes im ersten großen arteriellen Gefäßast der Aorta (Truncus braciocephalicus) platziert, der kleinere in der linken Halsschlagader (Arteria carotis communis).

Die Studienergebnisse werden demnächst im Journal of the American College of Cardiology: Cardiovascular Interventions (JACC) unter der Erstautorenschaft von Julia Seeger, Assistenzärztin an der Klinik für Innere Medizin II, veröffentlicht. © gie/idw/aerzteblatt.de

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