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Medizin

Evolocumab: Bisher keine Hinweise auf kognitive Schäden durch PCSK9-Inhibitor

Sonntag, 20. August 2017

Boston – Die Behandlung mit dem PCSK9-Inhibitor Evolocumab, der das LDL-Choles­terin deutlich senkt, hat in einer randomisierten Studie (bisher) nicht zu kognitiven Schwächen bei den Patienten geführt, wie eine Publikation im New England Journal of Medicine (2017; 377: 633–643) zeigt.

Cholesterin ist nicht nur ein Risikofaktor für die Atherosklerose, sondern auch ein integraler Bestandteil von Zellmembranen, über die bei Nervenzellen Informationen weitergeleitet werden. Cholesterin-senkende Medikamente stehen deshalb prinzipiell im Verdacht, die Nerven- und Hirnfunktion zu schädigen. Die US-Arzneimittelbehörde hat 2012 für Statine eine Warnung herausgegeben, nach denen diese Cholesterin­senker als Klasse zu kognitiven Störungen führen können – eine Ansicht, die nicht alle Experten teilen. In den deutschen Fachinformationen einiger Statine werden Gedächt­nisstörungen als seltene Nebenwirkung erwähnt.

Da PCSK9-Inhibitoren den Cholesterinwert deutlich stärker senken als Statine, geriet die neue Substanzklasse sogleich unter Verdacht. Der Hersteller hat deshalb eine Untergruppe von Teilnehmern der Zulassungsstudie (FOURIER) mit der Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery (CANTAB) gründlich untersuchen lassen. Primärer Endpunkt waren die Fähigkeiten des räumlichen Gedächtnisses (spatial working memory strategy index of executive function).

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Der Score, der Werte von 4 bis 28 annehmen kann, verschlechterte sich unter der Behandlung mit Evolocumab um 0,21 Punkte und in der Placebo-Gruppe um 0,29 Punkte. Auch in den sekundären End­punkten zum Kurzzeitgedächtnis, zur Lernfähigkeit und zur Reaktionsfähigkeit waren die Unterschiede gering – wobei es jeweils in beiden Gruppen zu einer leichten Ver­schlech­terung kam, die jedoch nach Einschätzung von Studienleiter Robert Giugliano vom Brigham and Women's Hospital in Boston klinisch nicht relevant war.

Eine explo­ra­tive Analyse konnte keinen Zusammenhang zwischen den kognitiven Leistungen und dem Cholesterinspiegel finden. Dies widerspricht nicht der FDA-Warnung zu Statinen, da die sehr seltenen Gedächtnisstörungen dieser Wirkstoffgruppe nicht notwendigerweise Folge der Cholesterinsenkung sein müssen.

Die wichtigste Schwäche der Studie ist, dass die Tests nach median 19 Monaten nach Behandlungsbeginn durchgeführt wurden, also relativ früh, wenn man bedenkt, dass die Behandlung lebenslang durchgeführt werden muss. Es kann deshalb zum derzeiti­gen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirkstoffe bei einer langfristigen Einnahme nicht doch zu kognitiven Einschränkungen führen. Der Hersteller hat des­halb eine Anschlussstudie begonnen, in der die Teilnehmer der inzwischen abgeschlos­senen FOURIER-Studie weiter beobachtet werden sollen. © rme/aerzteblatt.de

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