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Zahlreiche medizinische Geräte aus Kliniken gestohlen

Freitag, 18. August 2017

/Robert Przybysz, stock.adobe.com

Mainz – Krankenhäuser in Deutschland sind in den vergangenen Tagen erneut Opfer einer Serie von Diebstählen geworden. Die Diebe hatten es vor allem auf medizinische Geräte abgesehen.

An der Universitätsklinik Mainz wurden 24 Endoskopiegeräte im Wert von mehr als einer Million Euro entwendet. Wie das Landeskriminalamt (LKA) heute mitteilte, war das der höchste Schaden in einer Serie von bisher sechs Diebstählen teurer Medizin­geräte aus Krankenhäusern allein in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz. Der Diebstahl ereignete sich bereits im Mai, die Polizei hatte den Fall aber bislang nicht bekannt­gegeben.

Bad Dürkheim und Remagen

Erst kürzlich hatten sich zwei weitere Fälle ereignet: Im August gab es einen Diebstahl im Evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim. Unbekannte Täter hatten sich der Polizei zufolge Zutritt zu einem nicht öffentlichen Bereich der Klinik verschafft und Geräte im Wert von rund 400.000 Euro mitgenommen.

Vor einer Woche hatten Täter in Remagen zugeschlagen – nun fehlen der Klinik Maria Stern 16 Endoskope. „Wir haben jetzt Leihgeräte und müssen mittelfristig neue kaufen“, sagt der stellvertretende Verwaltungsdirektor des Verbundkrankenhauses Linz-Remagen, Dirk Rieck-Gangnus. Patienten würden auch an den zweiten Standort Linz verwiesen – eine kleine Fährfahrt über den Rhein. „Die Untersuchungen sind kontinuierlich gewährleistet. Aber es ist ein riesiger Aufwand und kostet mehr.“

Schwerpunkt verlagert

Dem Krankenhaus-Versicherungsmakler Ecclesia zufolge ist Rheinland-Pfalz derzeit bundesweit ein Schwerpunkt von Diebstählen hochwertiger Medizintechnik. „Vorher war es Nordrhein-Westfalen wegen seiner hohen Krankenhausdichte“, sagte der stellvertretende Leiter der Ecclesia-Schadensabteilung, Ralf Britz. Bei den meisten der seit Februar 2014 bundesweit 75 registrierten Diebstähle hätten es die Täter auf Endoskopiegeräte abgesehen, vor allem auf deren Köpfe im Wert von jeweils 10.000 bis 160.000 Euro.

Diese Bestandteile mit Spezialkameras lassen sich leicht in einen Rucksack oder eine Tasche stecken – und später ebenso auf Produkte anderer Hersteller montieren. Auch das könnte ihre Beliebtheit als Beute erklären. Den bisherigen Schaden seit Februar 2014 in Deutschland schätzt Britz auf mehr als 20 Millionen Euro.

Laut LKA-Sprecherin Dagmar Meyer sind in diesem Jahr neben Mainz, Bad Dürkheim und Remagen auch Kliniken in Landstuhl, Baumholder und Bitburg zu Tatorten geworden. Der Wert der Beute: jeweils Beträge in sechsstelliger Höhe. Hinzu kommt ein Tatversuch in Idar-Oberstein. Die Ermittlungen laufen bei den Arbeitsgruppen für Bandenkriminalität bei den fünf rheinland-pfälzischen Polizeipräsidien. „Wir haben noch keine konkreten Ergebnisse“, sagte Meyer.

Britz ergänzt, bundesweit tue sich die Polizei mit Fahndungserfolgen schwer. Es handele sich seiner Auffassung nach um organisierte Kriminalität mit professionellen Auftraggebern im Ausland, etwa in Afrika und vor allem Lateinamerika. Auch das LKA Rheinland-Pfalz spricht von mehr „Hinweisen auf südamerikanische Tätergruppen und Verteilung des Diebesgutes in diese Länder“.

Die Klinik Maria Stern rüstet nun mit Hilfe einer Fachfirma beim Thema Sicherheit auf. Das LKA gibt in einem Rundbrief an Krankenhäuser Tipps und bietet polizeiliche Beratung an. Auch der Versicherungsmakler hat bundesweit laut Britz schon mehr als 60 Kliniken vor Ort beraten. Es geht etwa um Alarmanlagen und Bewegungsmelder.

Überwachungskameras sind nach Worten von Britz schwierig wegen des Datenschutzes – und fest angebrachte Chips an den Endoskopen problematisch wegen des Verbots einer Geräteveränderung. Die Gespräche der Klinik Maria Stern mit der Versicherung wegen des Diebstahls laufen. Versicherungsmakler Britz mahnt: „Die Frage ist, ob Versicherungen hier bald drauflegen.“ Dann könnten sie aussteigen – oder ihre Beiträge kräftig erhöhen. © dpa/aerzteblatt.de

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