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Medizin

Erdnussallergie: Orale Immuntherapie und Probiotika erzielen nachhaltige Wirkung

Montag, 21. August 2017

/Andre Bonn, stock.adobe.com

Melbourne – Die Kombination einer oralen Immuntherapie mit einem Probiotikum hat in einer Pilotstudie eine dauerhafte Toleranz auf Erdnüsse erreicht, die laut der Publi­kation in Lancet Child & Adolescent Health (2017; doi: 10.1016/S2352-4642(17)30041-X) den meisten pädiatrischen Patienten heute den Verzehr von Erdnüssen ermöglicht.

Während die spezifische Immuntherapie bei der allergischen Rhinitis seit Langem zum therapeutischen Repertoire gehört, wurde die Wirksamkeit bei Nahrungsmittelallergien erst seit einigen Jahren untersucht. Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend. In den meisten Studien erreichte die Mehrheit der Patienten nach dem Ende der Behandlung eine gewisse Toleranz (J Investig Allergol Clin Immunol 2017; 27: 151–159).

Besonders erfolgreich war ein Team um Mimi Tang vom Murdoch Children’s Research Institute in Melbourne. Die australischen Pädiater hatten 62 Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren mit nachgewiesener Erdnussallergie (positiv orale Provokation plus Pricktest beziehungsweise RAST) auf eine orale Immuntherapie oder eine Placebobehandlung randomisiert. Als Besonderheit wurde die 18-monatige Immuntherapie mit der täg­lichen Gabe des Probiotikums Lactobacillus rhamnosus kombiniert. Das Milchsäure­bakterium soll im Darm die Entwicklung einer Immuntoleranz fördern. 

Ob das Probiotikum für die günstigen Wirkungen verantwortlich war, lässt sich – mangels einer dritten Vergleichsgruppe einer alleinigen Immuntherapie ohne Probio­tikum – aus den Ergebnissen der Studie nicht schließen. Die vor zwei Jahren publizier­ten Ergebnisse zeigten jedoch, dass 23 von 28 Patienten (82,1 Prozent) nach dem Ende der PPOIT („probiotic and peanut immunotherapy“) gleich zweimal einen doppel­blin­den, placebokontrollierten Provokationstest (DBPCFC) bestanden, den ersten am letzten Tag der Therapie und den anderen zwei Wochen später. In der Placebogruppe tolerierte nur einer von 29 Patienten (3,6 Prozent) Erdnüsse im DBPCFC (J Allergy Clin Immunol 2015; 135: 737–44).

Inzwischen sind vier Jahre seit dem Ende der PPOIT vergangen, und 16 von 24 Patien­ten (67 Prozent), die Tang nachuntersuchte, können heute Erdnüsse verzehren, ohne dass es bei ihnen zu allergischen Reaktionen kommt. In der Kontrollgruppe toleriert nur einer von 24 Patienten (4 Prozent) Erdnüsse. Die absolute Differenz von 63 Prozent ist trotz der kleinen Teilnehmerzahl mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 42 bis 83 Prozent signifikant. Die Aussicht, dass zwei Drittel der Patienten nach einer 18-monatigen Therapie ohne Angst Erdnüsse verzehren können, dürfte ein für die Klinik relevanter Erfolg der Therapie sein. 

Auch die allergologischen Tests deuten auf eine erfolgreiche Toleranzentwicklung hin. Die Teilnehmer der PPOIT-Gruppe hatten kleinere Quaddeln im Pricktest (8,1 versus 13,3 mm), und der Quotient auf spezifischen (nicht allergischen) IgG4 zu den spezifi­schen (allergischen) sIgE war mit 67,3 gegenüber 5,2 deutlich höher. 7 von 12 Teilneh­mer (58 Prozent) der PPOIT-Gruppe bestanden zwei erneute DBPCFC (im Abstand von 8 Wochen) gegenüber nur einem von 15 Teilnehmern (7 Prozent) in der Placebogruppe. Das ergibt einen absoluten Unterschied von 52 Prozent oder eine Number Needed to Treat von 1,9 Patienten, die behandelt werden müssen, damit einer (hoffentlich) auf Dauer von der Erdnussallergie befreit ist. © rme/aerzteblatt.de

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