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Medizin

Weltweit 3,6 Millionen Todesfälle durch COPD und Asthma

Montag, 21. August 2017

/psdesign1, stock.adobe.com

Seattle – Weltweit leiden zweimal mehr Menschen an Asthma bronchiale als an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), doch die Sterblichkeit ist bei der COPD achtmal höher. Dies kam in einer Bestandsaufnahme in Lancet Respiratory Medicine (2017; doi: 10.1016/S2213-2600(17)30293-X) heraus.

COPD und Asthma sind die beiden häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen. Wie viele Menschen weltweit daran erkrankt sind, ist schwer zu ermitteln, da eine Diagnose heute eine Prüfung der Lungenfunktion voraussetzt, für die in vielen ärmeren Ländern der Erde die Instrumente fehlen. Außerdem haben sich die diagnostischen Kriterien verändert. Die weltweite Bestandsaufnahme, die die „GBD 2015 Chronic Respiratory Disease Collaborators“ um Theo Vos vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle jetzt vorlegt, ist deshalb nicht mehr als eine ungefähre Annähe­rung. 

Sie ergab, dass weltweit im Jahr 2015 etwa 348 Millionen Menschen an Asthma litten gegenüber 174 Millionen COPD-Kranken. In beiden Fällen entspricht dies einer zahlen­mäßigen Zunahme seit 1990, als die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) eine ähnliche Bestands­aufnahme durchführte. Die Zunahme ist jedoch vor allem eine Folge der gestiegenen Weltbevölkerung. Die altersstandardisierte Prävalenz der COPD hat seit 1990 um 14,7 Prozent abgenommen, für das Asthma ermittelte Vos einen Rückgang um 17,7 Prozent.

Da die COPD eine unheilbare Erkrankung ist, die langsam zum Tode führt, während ein Asthma nicht notwendigerweise progredient ist, sind Todesfälle an COPD häufiger. Vos ermittelte 3,2 Millionen Todesfälle an COPD und 0,40 Millionen Todesfälle an Asthma. Auch hier steht einer Zunahme der Gesamtzahlen ein Rückgang der altersbereinigten Mortalitätsrate gegenüber. 

Beide Erkrankungen sind in den meisten Fällen Folge der über die Jahre eingeatmeten Luftschadstoffe oder Allergene. Die wichtigsten Risikofaktoren der COPD sind Rauchen sowie Feinstaub/Schwebstaub (ambient particulate matter) gefolgt von der Luftver­schmut­zung im Haushalt, der Staubexposition am Arbeitsplatz sowie Ozon und Passiv­rauchen. Diese Faktoren erklären nach den Berechnungen von Vos 73,3 Prozent aller durch die COPD verloren gegangenen Lebensjahre in guter Lebensqualität (DALY). Beim Asthma lässt sich der Zusammenhang weniger leicht herstellen. Rauchen und „asthma­gene“ Schadstoffe am Arbeitsplatz erklären laut Vos 16,5 Prozent der Asthma-beding­ten DALY.

Die Krankheitslast (burden of disease) von COPD und Asthma ist weltweit sehr unter­schiedlich. Die meisten DALY durch COPD entfallen auf Papua-Neuguinea, Indien, Lesotho und Nepal. Asthma ist vor allem in Afghanistan, der Zentralafrikanischen Republik, Fidschi, Kiribati, Lesotho, Papua-Neuguinea und Swasiland am höchsten. Armut, Rauchen und die Notwendigkeit, fossile Brennstoffe im Haushalt und für die lokale Energiegewinnung zu verwenden, dürften hier eine wichtige Rolle spielen.

Am niedrigsten ist die Krankheitslast durch COPD in Ländern mit hohem Einkommen in Asien-Pazifik, Mitteleuropa, Nordafrika und dem Mittleren Osten, der Karibik, West­europa und in den Anden-Ländern Lateinamerikas. Asthma ist in Ost- und Mitteleuropa sowie China, Italien und Japan am seltensten. © rme/aerzteblatt.de

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