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Hohe Prävalenz des fetalen Alkoholsyndroms in Europa

Dienstag, 22. August 2017

/vchalup, stock.adobe.com

Toronto – Eine von 13 Frauen, die während der Schwangerschaft Alkohol trinken, fügt ihrem Kind einen lebenslangen Schaden zu. Laut einer Studie in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.1919) kommen weltweit jede Stunde 1.700 Kinder (oder 630.000 pro Jahr) mit einem fetalen Alkoholsyndrom zur Welt. Von den WHO-Regionen ist Europa am stärksten betroffen.

Die fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) ist in allen Ländern, in denen der Alkohol­konsum kulturell akzeptiert wird, ein Problem. Einige Schwangere wissen nicht, dass auch ein mäßiger Alkoholkonsum für ihr Baby toxisch ist. Andere Frauen ahnen nicht, dass sie schwanger sind, wenn sie durch ihren Alkoholkonsum der Entwicklung ihres Kindes in den ersten Wochen und Monaten der vorgeburtlichen Entwicklung vielleicht den schwersten Schaden zufügen. Fehlbildungen entstehen häufig in der Embryonal­phase in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft.

Das FASD wird selten diagnostiziert. Die typischen Gesichtsmerkmale (kleine Augen, glattes Philtrum, schmale Oberlippe) sind nur bei einem schweren fetalen Alkohol­syndrom vorhanden. Häufiger sind es die Veränderungen „unter der Oberfläche“, die später zu Lernschwierigkeiten, Verhaltensstörungen und psychiatrischen Auffälligkeiten führen. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Depression oder Drogen- und Alkoholabhängigkeit zählen zu den möglichen Folgen.

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Studien zur Prävalenz sind schwer durchzuführen und ein Überblick über das Ausmaß des Problems ist kaum zu erhalten. Ein Team um Svetlana Popova vom Centre for Addiction and Mental Health in Toronto hat jetzt den Versuch einer globalen Analyse unternommen. Grundlage waren die Ergebnisse aus 24 Studien mit 1.416 Kindern. Das ist eine vergleichsweise magere Zahlenbasis und die Ergebnisse dürften vor dem Hintergrund der schwierigen Diagnose nur eine erste Annäherung sein, die jedoch kein schmeichelhaftes Licht auf Europa wirft.

Die globale Prävalenz der FASD bei Kindern und Jugendlichen liegt danach bei 7,7 Erkrankungen pro 1.000 Einwohner (95-Prozent-Konfidenzintervall 4,9–11,7 pro 1.000 Einwohner). Die Weltregion der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) mit der höchsten Prävalenzrate von 19,8 auf 1.000 Einwohner (14,1–28,0) war Europa. Am seltensten ist das FASD in der östlichen Mittelmeerregion (mit einem hohen Anteil von Muslimen). Dort liegt die Prävalenz nach den Berechnungen von Popova nur bei 0,1 pro 1.000 Einwohner (0,1–0,5).

Die höchste Prävalenzrate aller 187 Länder hat mit 111,1 pro 1.000 Einwohner Süd­afrika. Es folgen vier Länder aus Europa, nämlich: Kroatien (53,3 pro 1.000 Einwohner), Irland (47,5 pro 1.000 Einwohner), Italien (45,0 pro 1.000 Einwohner) und Weißrussland (36,6 pro 1.000 Einwohner). Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass Popova nur zu wenigen europäischen Ländern genaue Daten zur Verfügung standen (Deutschland war offenbar nicht darunter), sodass diese Reihenfolge sicherlich nicht als „Hitliste“ der Länder mit dem größten FASD-Problem zu verstehen ist. Weltweit könnte die Prävalenz jedoch in 76 von 187 Ländern bei über 10 pro 1.000 Einwohner, also über einem Prozent, liegen.

Innerhalb der einzelnen Länder schwankt die Häufigkeit sehr stark. Die höchste Präva­lenz wurde mit 521 auf 1.000 Personen bei Kindern gefunden, die aus Osteuropa nach Schweden adoptiert wurden. Hier war mit anderen Worten mehr als jedes zweite Kind betroffen. In einer Kohorte von adoptierten Kindern und Heimkindern in den USA lag die Prävalenz bei 285 pro 1.000 Personen, bei Gefängnisinsassen in Kanada bei 233 pro 1.000 Personen und bei Ureinwohnern in Kanada bei 190 pro 1.000 Personen. 

Zu den Einschränkungen der Studie gehört nicht nur die geringe Zahl von Studien. Auch die Diagnose des FASD ist von Studie zu Studie und von Land zu Land verschieden. © rme/aerzteblatt.de

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