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Robert-Koch-Institut aktualisiert Datenbank zu Antibiotika­resistenzen

Mittwoch, 23. August 2017

MRSA-Keime
MRSA-Keime /dpa

Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die interaktive Datenbank „Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS)“ aktualisiert. Demnach stehen nun Daten von 2008 bis 2016 zur Abfrage zur Verfügung.

Die ARS ist ein Surveillance-System, in das Daten aus der Routinediagnostik von mikrobiologischen Laboratorien eingehen. Ziel ist es, Referenzdaten zu Antibiotika­resistenzen im stationären und ambulanten Bereich bereitzustellen. Dazu können Nutzer neben Erreger- und Antibiotikakombinationen auch weitere Parameter wie Versorgungsbereich, Region, Materialgruppe, Fachrichtung auswählen und auswerten.

„In ARS wird der Anteil resistenter Isolate in Bezug auf alle getesteten Isolate berech­net. Aus den Daten kann daher nur eine Aussage zur Resistenzsituation getroffen werden und keine Aussage zur Häufigkeit bestimmter Infektionen im klinischen Alltag“, betonen die RKI-Wissenschaftler auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes. Dem RKI zufolge unterscheiden sich die Entwicklungen der Resistenzsituationen nach Bakterium und Antibiotikum.

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Trends ablesbar

Das RKI beobachtet nach eigenen Angaben bereits seit mehreren Jahren einen rückläufigen Trend bei Staphylococcus aureus (MRSA). Dieser Trend zeige sich auch bei der Betrachtung von Nachweisen aus Blutkulturen. So lag laut RKI die Oxacillin-Resistenz bei MRSA für alle klinischen Materialien (Blutkulturen und andere) im stationären Bereich 2015 bei 16,4 Prozent, 2016 waren es 15,0 Prozent.

Auf der anderen Seite war die Resistenz von Escherichia-coli-Isolaten gegenüber dem 3. Gene­rationscephalosporin Cefotaxim mit 11,9 Prozent 2015 niedriger als 2016 (12,7 Pro­zent). Bei anderen Resistenzen ermittelte das RKI vergleichbare Werte für 2015 und 2016. So ist etwa der Anteil von Klebsiella-pneumoniae-Isolaten, die gegenüber dem Carbapenem Imipenem resistent sind, in Deutschland weiterhin gering. Er lag 2015 bei 0,2 Prozent und 2016 bei 0,3 Prozent.

Analyse mit Vorsicht

„Eine Analyse der Veränderung der Resistenz über mehrere Jahre muss jedoch mit Vorsicht durchgeführt werden, da die Population der teilnehmenden Labore und damit der teilnehmenden Einrichtungen von Jahr zu Jahr schwankt“, betonten die RKI-Wissenschaftler. Daher sei nicht direkt ersichtlich, ob eine Schwankung bei der Resistenz tatsächlich aufgrund einer veränderten Resistenzsituation oder aufgrund von Schwankungen der Stichprobe entsteht.

Grundsätzlich sei jedoch im stationären Bereich oft ein höherer Anteil resistenter Isolate zu finden als im ambulanten Bereich. „Dies ist aber kaum verwunderlich, da stationär aufgenommene Patienten im Durch­schnitt schwerere Erkrankungen und damit mehr Risikofaktoren für eine Antibiotika­resistenz aufweisen“, so die Forscher.

Dem RKI zufolge stehen in Deutschland noch für fast alle Infektionen Antibiotika zur Verfügung. Global betrachtet sei das Problem in einigen Regionen der Welt größer. Durch die zunehmende Globalisierung bestehe zudem immer auch das Risiko, dass sich resistente Erreger weltweit verbreiten.

Daher sei es wichtig, international und über verschiedene wissenschaftliche Disziplinen – Humanmedizin, Tiermedizin, Umwelt­medizin – hinweg zusammenzuarbeiten, um jedem Menschen den Zugang zu wirksamen Antibiotika zu bieten. © hil/sb/aerzteblatt.de

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