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Medizin

Mitralinsuffizienz: Neue Katheterbehandlung in klinischer Studie erfolgreich

Dienstag, 22. August 2017

Das neuentwickelte Implantat wird ausgehend von einem Leistengefäss in den linken Vorhof des Herzens eingeführt und dort eingesetzt, wo die Mitralklappe undicht ist. Damit wird der Rückfluss von der linken Herzkammer in den linken Vorhof und somit die zusätzliche Arbeit für das Herz vermindert. /Universitätsklinik für Kardiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern

Bern – Eine neue Katheterbehandlung kann eine Mitralinsuffizienz offenbar auch dann mildern, wenn eine offene Herzoperation für den Patienten zu riskant wäre und ein Mitralklappen-Clipping nicht möglich ist. In einer ersten „Compassionate Use“-Behandlungsserie (Lancet 2017; 390: 773–780) war die Behandlung bei den meisten Patienten erfolgreich.

Bei etwa der Hälfte aller Patienten mit einer klinischen Mitralinsuffizienz ist es zum Zeitpunkt der Diagnose für eine Operation zu spät. Die zumeist älteren komorbiden Patienten würden den grossen Eingriff häufig nicht überleben. Einige dieser Patienten können seit einigen Jahren mit einem Clip versorgt werden, der die Segel der Mitralklappe strafft und den Rückfluss bei der Systole vermindert. Doch auch diese Option steht vielen Patienten nicht zur Verfügung, beispielsweise weil sich die Herzklappe bereits zu stark verändert hat.

Ein US-Hersteller hat für diese Patienten jetzt eine neue Variante entwickelt, bei der ähnlich wie bei der kathetergestützten Aortenklappenimplantation ein Implantat über die defekte Mitralklappe gestülpt wird. Die kathetergestützte Mitralklappenreparatur wird derzeit in einer klinischen Studie untersucht. Die ersten Patienten wurden jedoch schon vorher in einem „Compassionate Use“-Programm behandelt. Es handelt sich um Patienten ohne weitere Optionen, die ohne eine Behandlung nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben.

An sieben Herzzentren in fünf Ländern (Deutschland, Griechenland, Kanada, USA und Schweiz) wurden seit September 2015 insgesamt 23 Patienten behandelt. Alle Patienten im Alter von 61 bis 82 Jahren hatten eine schwere Mitralinsuffizienz (Grad 3 oder 4). Der Euroscore II, der das Sterberisiko nach einer offenen Herzoperation angibt, betrug 7,1 Prozent, weshalb die Herzchirurgen von einem Eingriff abgeraten hatten. Bis auf einen litten alle Patienten unter einer schweren Herzinsuffizienz (NYHA Grad III oder IV).

Wie ein Team um Stephan Windecker vom Inselspital Bern jetzt berichtet, war die neue kathetergestützte Mitralklappenreparatur (PASCAL) bei allen 23 Patienten technisch erfolgreich. Bei 22 Patienten (96 Prozent) verminderte sich die Mitralin­suffizienz auf einen Grad 2 oder besser. Sechs Patienten (26 Prozent) benötigten allerdings zwei Implantate.

Bei zwei Patienten (9 Prozent) kam es zu periprozeduralen Komplikationen. Dies war laut Windecker einmal ein „kleines“ Blutungsereignis und das andere Mal eine transi­torische ischämische Attacke. Insgesamt bewerten die Schweizer Kardiologen die Behandlung bei 22 von 23 Patienten (96 Prozent) als technisch erfolgreich. Drei Patienten (13 Prozent) starben allerdings in den ersten 30 Tagen nach der Behandlung. Insgesamt 19 Patienten (82 Prozent) verzeichnete 30 Tage nach der Implantation eine deutliche Verbesserung ihrer Herzinsuffizienz, die nur noch als NYHA Klasse I oder II eingestuft wurde. © rme/aerzteblatt.de

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