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Medizin

Untere Atemwegsinfektionen: Steroide helfen nicht gegen Husten

Mittwoch, 23. August 2017

Kzenon - stock.adobe.com

Bristol – Die gute Wirksamkeit von Steroiden bei Asthma und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen veranlasst vor allem in den USA Ärzte zunehmend zur Verordnung von Steroiden bei unkomplizierten unteren Atemwegsinfektionen. Eine randomisierte klinische Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 318: 721-730) zeigt, dass die Steroide den Husten und andere Symptome nicht lindern.

An der OSAC-Studie („Oral Steroids for Acute Cough“) nahmen an 54 englischen Hausarztpraxen 401 erwachsene Patienten teil, die sich wegen einer akuten unteren Atemwegsinfektion mit Husten und wenigstens einem weiteren Symptom (Schleim, Brustschmerzen, Keuchen oder Kurzatmigkeit) vorgestellt hatten. Die Ärzte hatten eine schwere Infektion – etwa eine Pneumonie, die eine sofortige Antibiotikabehandlung erforderlich gemacht hätte – ausgeschlossen. Patienten mit Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, für die eine Behandlung mit Steroiden indiziert sein könnte, durften ebenfalls nicht an der Studie teilnehmen.

Die Patienten wurden mit einer Schachtel mit zehn Tabletten nach Hause entlassen, von denen sie täglich zwei einnehmen sollten. Bei der Hälfte der Patienten enthielten die Tabletten 20 mg Prednisolon, bei der anderen Gruppe ein Placebo mit identischem Aussehen und Geschmack. Die Patienten wurden zudem gebeten, ihre Symptome in einem Verlaufstagebuch zu notieren und auf einer Skala von 0 bis 6 Punkten zu bewerten. Primäre Endpunkte der Studie waren die Gesamtdauer des mittelschweren bis schweren Hustens und der Schweregrad des Hustens an den Tagen 2 bis 4. 

Wie Alastair Hay von der Universität Bristol und Mitarbeiter jetzt berichten, dauerte der Husten in beiden Gruppen median 5 Tage an. Der Interquartilbereich lag in der Prednisolon-Gruppe bei 3 bis 8 Tagen und in der Placebogruppe bei 3 bis 10 Tagen. Die adjustierte Hazard-Ratio betrug 1,11, was einen leichten Vorteil für die Prednisolon-Gruppe anzeigte, der aber bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,89 bis 1,39 nicht signifikant war (und wohl auch ohne klinische Relevanz gewesen wäre).

Die mittlere Symptomschwere betrug 1,99 Punkte in der Prednisolon-Gruppe und 2,16 Punkte in der Placebo-Gruppe. Die bereinigte Differenz von 0,20 Punkten war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von minus 0,40 bis 0,00 ebenfalls nicht signifikant. Auch in den anderen Symptomen der Erkältung, der Lungenfunktion (Peak Flow) und der Häufigkeit einer Antibiotikaverwendung (die Patienten waren mit Eventualrezepten entlassen worden) hatte die Steroidbehandlung keinen Einfluss.

Die fünftägige Prednisolon-Behandlung löste zwar keine schweren Nebenwirkungen aus. Angesichts der Wirkungslosigkeit gibt es für Hay keinen Grund, Patienten mit einer unteren Atemwegsinfektion Steroide zu verordnen. © rme/aerzteblatt.de

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