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Belastete Lebensmittel werden oft zu spät oder gar nicht zurückgerufen

Donnerstag, 24. August 2017

Berlin – Belastete Lebensmittel werden nach Einschätzung der Organisation Food­watch oft zu spät oder gar nicht zurückgerufen. Zudem würden dabei die gesundheit­lichen Risiken von Produkten, die Bakterien oder Fremdkörper enthalten, „immer wieder verharmlost“, erklärte die Verbraucherorganisation heute anlässlich der Ver­öffentlichung ihres Berichts „Um Rückruf wird gebeten“. Darin stellte Foodwatch zudem dem staatlichen Portal lebensmittelwarnung.de ein vernichtendes Zeugnis aus.

Zwar riefen Hersteller heutzutage „viel häufiger ihre Produkte zurück“ als noch vor einigen Jahren, erklärte Martin Rücker von Foodwatch. Dennoch könnten Verbraucher „nicht sicher sein, dass im Fall der Fälle wirklich ein Rückruf gestartet wird und vor allem, dass sie davon auch erfahren“. Supermärkte müssten daher „an zentraler Stelle über alle Rückrufaktionen aus ihrem Sortiment informieren“.

Portal gescheitert

Foodwatch bezeichnete zudem das 2011 von Bund und Ländern als zentrales Infor­mationsangebot gestartete Portal lebensmittelwarnung.de als „gescheitert“. Erst jüngst beim Fipronil-Skandal um belastete Eier habe es eine mangelnde Informationspraxis der Behörden gegeben. Oftmals würden Rückrufaktionen „unnötig spät“ auf dem Portal eingestellt, kritisierte Foodwatch. So erfuhren Verbraucher laut Foodwatch erst vier Tage nach dem Rückruf eines Säuglingstees durch den Hersteller auf dem Portal davon. Eine Warnung vor potenziell listerienbelasteten Pilzen erschien erst drei Tage nach der Herstellerwarnung auf der Internetseite, weil dazwischen ein Feiertag lag.

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Wie Foodwatch herausstellte, wurden in den vergangenen fünf Jahren mehr als 500 Mal Lebensmittel zurückgerufen, im Schnitt also mindestens zwei wöchentlich. Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gingen die meisten Fälle (38 Prozent) auf mikrobiologische Verunreinigungen zurück, etwa eine Belastung durch Salmonellen oder Listerien. In 27 Prozent der Fälle waren Fremdkörper wie Glasstücke oder Plastikteile in den Produkten der Grund für den Rückruf.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) kritisierte die Unter­suchung von Foodwatch. „Der rechtliche Rahmen ist klar definiert. Wenn von einem Lebensmittel eine Gesundheitsgefahr ausgeht, dann muss es öffentlich zurückgerufen werden“, sagte Marcus Girnau, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Spitzen­verbands der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Er betonte, es liege im eigenen Interesse der Hersteller, dass sie unter ihrer Marke keine gesundheitsschädlichen Lebensmittel in den Verkehr bringen würden.

Der BLL bewertet das Portal Lebensmittelwarnung sehr positiv. Es sei ein „bundesweit einheitliches und zentrales System, das für einen Multiplikator-Effekt, also eine noch stärkere Verbreitung der Herstellerrückrufe sorgt“, hieß es. Die Zahlen der Rückrufe seien ein Beleg für die grundsätzliche Sicherheit der Lebensmittel in Deutschland. „Wir haben 170.000 Produkte im Markt, bei durchschnittlich zwei Rückrufen in der Woche (laut Foodwatch), sind das 0,001 Prozent", erklärte Girnau. © afp/may/aerzteblatt.de

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