NewsÄrzteschaftBundespsychothe­rapeutenkammer will heilpraktischen Psychotherapeuten abschaffen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Bundespsychothe­rapeutenkammer will heilpraktischen Psychotherapeuten abschaffen

Donnerstag, 24. August 2017

/WavebreakmediaMicro, stock.adobe.com

Berlin – Die beschränkte Heilpraktikererlaubnis für den Bereich Psychotherapie sollte nach Ansicht der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) abgeschafft werden. Bereits mit dem Psychotherapeutengesetz aus dem Jahr 1999 sei diese „Hilfskonstruktion“ hinfällig geworden. „Das Qualitätsproblem bei den Heilpraktikern kann weder durch Regelungen im Psychotherapeutengesetz noch in der Bundesärzteordnung gelöst werden“, betonte BPtK-Präsident Dietrich Munz heute auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts.

Die BPtK reagiert damit auf den Vorstoß des Deutschen Dachverbands für Psycho­therapie (DVP), der in der Debatte um eine Reform des Heilpraktikerberufs, die mit dem „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ angestoßen worden war, den Nachweis einer qualifizierten Ausbildung für Heilpraktiker für Psychotherapie gefordert hatte. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben „psychotherapeutisch Tätige“, die nach dem Heilpraktikergesetz tätig sind und überwiegend über eine Ausbildung nach dem „Euro­päischen Zertifikat für Psychotherapie“ verfügen. Heilpraktiker dürfen sich nicht als Psychotherapeuten bezeichnen.

Anzeige

„Alternative zur richtlinienbezogenen Psychotherapie“

Der DVP hatte angeregt, staatlich geprüfte Fach-Heilpraktiker auch für den Bereich Psychotherapie einzuführen. Entsprechende Regelungen könnten in die anstehende Reform der Psychotherapieausbildung aufgenommen werden.  Nach Vorstellungen des Verbandes würde es dann künftig „neben dem Ärztlichen und dem Psychologischen Psychotherapeuten einen vergleichbar qualifizierten Heilpraktischen Psychotherapeu­ten“ geben. „Diese heilpraktischen Psychotherapeuten kennen sich auch in weiteren Therapieformen aus und bieten dadurch eine Alternative zur richtlinienbezogenen Psychotherapie“, betonte der DVP-Vorsitzende Karl Niesen.

Ursachen für Qualitätsproblem liegen im Heilpraktikergesetz von 1939

„Es ist mit Blick auf den Patientenschutz völlig abwegig, einen weiteren Heilberuf mit minderer Qualifikation einzurichten, noch dazu mit Ausbildungs- und Tätigkeits­schwerpunkten in Psychotherapierichtungen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt ist“, erklärte hingegen BPtK-Präsident Munz. Ursächlich für das Qualitäts­pro­blem bei den Heilpraktikern seien die Anforderungen im Heilpraktikergesetz von 1939.

Heilpraktiker verfügen über eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz und nicht über eine Approbation. Für diese Erlaubnis muss der Antragsteller mindestens 25 Jahre alt sein und einen Hauptschulabschluss vorweisen können. Er muss bei der Über­prüfung seiner Kenntnisse durch das Gesundheitsamt nachweisen, dass die Ausübung der Heilkunde durch ihn keine Gefahr für die Volksgesundheit bedeutet.

Die Vorbereitung für die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie beim Gesund­heits­amt bieten private Bildungsinstitute oder Heilpraktikerschulen in Form von Präsenzlehrgängen oder Fernstudien an. Die Gebühren dafür variieren nach Angaben des Portals www.heilpraktiker-ausbildung.net zwischen 1.085 Euro und 7.400 Euro.

Nach Auffassung des Bundesverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) „reichen diese Ausbildungen keinesfalls aus, um kompetent und gefahrenfrei psychologische Beratung oder gar Psychotherapie ausüben zu können“, schreibt der BDP auf seiner Homepage. Der Stundenumfang der Ausbildungen schwanke zwischen 120 und 600 Stunden.

Die auf den Bereich der Psychotherapie beschränkte Heilpraktikererlaubnis, auch „kleiner Heilpraktiker“ genannt, wurde nach einem Grundsatzurteil des Bundesverwal­tungsgerichtes 1983 eingeführt, um Diplom-Psychologen mit Zusatzausbildung Psychotherapie die Ausübung der psychotherapeutischen Heilkunde zu ermöglichen.

Mit dem Urteil vom 21. Januar 1993 hat das Bundesverwaltungsgericht dann die Erlaubnis auch dem Namen nach auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkt. Nach dem Psychotherapeutengesetz von 1999 „stehen genügend hochqualifizierte appro­bierte Psychotherapeuten zur Verfügung, sodass Patienten nicht auf Angebote von Heilpraktikern zurückgreifen müssen“, folgert der Präsident der Bundespsychothera­peuten­kammer. © PB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #731967
Veronika F.
am Freitag, 1. September 2017, 18:52

Nachtrag

Mir ist gerade ein Zitat von Virginia Satir eingefallen:

"We GET together on the basis of our similarities
We GROW together on the basis of our differences"

Und ich habe KEINE AHNUNG, ob Virginia Satir "wissenschaftlich anerkannt ist". Für mich ist nur wichtig, dass sie ANDOCKT an mein ICH (nicht Ego). Das bin ICH. Ich habe KEINE AHNUNG, ob das wissenschaftlich belegt ist oder nicht. ES HILFT!!!!!!

Es ist mein Motivator, mein ethisches Ziel. Es trägt mich durch das Leben. Das ist doch die Hauptsache. Hey, Ihr seid die Fachmänner. Beweist mir Eure Authentizität.

Avatar #731967
Veronika F.
am Freitag, 1. September 2017, 18:52

Nachtrag

Mir ist gerade ein Zitat von Virginia Satir eingefallen:

"We GET together on the basis of our similarities
We GROW together on the basis of our differences"

Und ich habe KEINE AHNUNG, ob Virginia Satir "wissenschaftlich anerkannt ist". Für mich ist nur wichtig, dass sie ANDOCKT an mein ICH (nicht Ego). Das bin ICH. Ich habe KEINE AHNUNG, ob das wissenschaftlich belegt ist oder nicht. ES HILFT!!!!!!

Es ist mein Motivator, mein ethisches Ziel. Es trägt mich durch das Leben. Das ist doch die Hauptsache. Hey, Ihr seid die Fachmänner. Beweist mir Eure Authentizität.

Avatar #731967
Veronika F.
am Freitag, 1. September 2017, 18:29

Bitte kooperiert

als Betroffene kann ich nur sagen: mir haben beide Seiten geholfen.

Und ich stelle mir folgende Fragen:

- haben nicht beide Seiten ein gemeinsames, ethisches Ziel?
- haben nicht beide Seiten "schwarze Schafe"?

UND ich habe von den Psychotherapeuten gelernt:

1. Es gibt nicht schwarz/weiß, entweder/oder: es gibt Schattierungen, und ein "sowohl als auch".

2. Offenheit für Neues eröffnet neue Horizonte

3. Verallgemeinerungen sind menschlich, dem "Wachsen" jedoch abträglich

4. Wut und Verärgerung sind berechtigte Gefühle. a) nehme sie an und ernst, b) woher kommen sie c) bearbeite die zu lösende Aufgabe.

5. Selbstreflektion, Selbstreflektion, Selbstreflektion.

6. Was ich wichtiger? Das Ego oder das gemeinsame Ziel.

UND ich gehe mit offenen durch Welt. Und sehe unglückliche Menschen.

Diese Mengen an Unheil und Verletzung sind nur kooperativ zu bewältigen.

BITTE KOOPERIERT!
Avatar #731946
Leuninger
am Donnerstag, 31. August 2017, 22:18

Wir konkurrieren nicht mit Ärzten/Psychotherapeuten!

Ich denke, wenn wir Heilpraktiker für Psychotherapie nicht so erfolgreich einen Bedarf befriedigen würden, würde sich kein Arzt oder Psychotherapeut für uns interessieren. Insofern empfinde ich die "ärztliche" Sorge als Bestätigung für meinen Beruf.
Einen einzelnen spektakulären Behandlungsfehler eines Heilpraktikers ins Feld zu führen, ist angesichts des zahlreichen Ärztepfuschs, anhängiger Gerichtsverfahren (z. B. auch gegen vergewaltigende Ärzte), Alkohol- und Drogenabhängigkeit bei Ärzten sowuie mordende Pfleger armselig und an den Haaren herbeigezogen. Auch Patienten von Psychiatern und Psychotherapeuten werden manchmal falsch behandelt oder begehen trotz Behandlung Selbstmord.
Zum Schluss möchte ich klarstellen, dass in der Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie sehr intensiv unsere Behandlungsgrenzen aufgezeigt werden. Wir dürfen nur leichte psychische Störungen behandeln und helfen oft verzweifelten Menschen, die monatelange Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken Meines Erachtens konkurrieren wir gar nicht mit Ärzten und Psychotherapeuten. Diese disqualifieren sich selbst, indem sie diese Diskussion zum Schaden Hilfesuchender angezettelt haben.
Avatar #731928
T.Reed
am Donnerstag, 31. August 2017, 16:21

Anmerkung zum Debattenbeitrag "nationalsozialistisches Strandgut" von "j.f."

Am 24.August hat der Verfasser "j.f" einen der Sache nicht dienenden, menschenverachtenden Kommentar verfasst. Ich habe die Redaktion angeschrieben. Hier der Leserbrief, den ich bewusst auch in das Forum stelle.

Sehr geehrte Damen und Herren,
am 24. August 2017 wurde der Artikel „Bundespsychothe¬rapeutenkammer will heilpraktischen Psychotherapeuten abschaffen“ auf Ihrer Webseite veröffentlicht. Das hat zu einer Reihe von zum Teil kontroversen Diskussionsbeiträgen geführt. Zunächst möchte ich folgendes klar stellen: Gegen eine lebendige Debatte, die der Sache dient, ist nichts einzuwenden.

Höchsts problematisch ist allerdings der Beitrag des Forumsmitgliedes „j.f.“ vom 24. August unter der Headline „nationalsozialistisches Strandgut“ zu werten. Dieser Beitrag hat nichts mehr mit einer sachlichen Auseinandersetzung zu tun.

Ich zitiere im Original (inklusive der Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie Verballhornungen des Verfassers):

„nationalsozialistisches Strandgut
Allein die Anwesenheit der Heilpraktikant*Innen mit ihrem esoterischen Dünkel sind ein Tritt vor den Bauch der übrigen Heilberufe, die eine dreijährige Ausbildung bzw. ein langjähriges Studium mit anschließenden Zusatzqualifikationen jeweils mit einem staatlich qualifizierten Abschluß absolviert haben, verbunden mit einer kontinuierlichen Fortbildungspflicht. Die Option eines Fach-Heilspraktikanten ist eine weitere Verballhornung des deutschen Gesundheitswesen. Das Heilspraktikertum gehört abgeschafft. Die Heilpraktiker sollen etwas vernünftiges lernen und dann einem ehrlichen Beruf nachgehen.“ Zitat Ende.

Hier werden Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker, also Frauen und Männer dieses Landes, mit „nationalsozialistischem Standgut“ gleichgesetzt. Zum einen stellt „j.f“ mit dem Attribut „nationalsozialistisch“ Heilpraktikerinnen/Heilpraktiker auf eine Stufe mit den Mitgliedern einer erwiesenermaßen verbrecherischen Organisation. Zum anderen zeigt das Substantiv „Strandgut“ eine menschenverachtende Haltung des Verfassers „j.f.“.

Dieser verhetzende Beitrag ist überflüssig und schädlich , da er nicht zu einer Problemlösung beiträgt. Ferner denke ich, dass es dem Ansehen der Webseite aertzeblatt.de nicht zuträglich ist, die Entgleisungen dieser Art toleriert. Das müssen Sie aber für sich entscheiden.

Ich fordere Sie auf, diesen Beitrag umgehend zu löschen sowie den Verfasser „j.f.“ nach dieser menschenverachtenden Entgleisung zu sperren. Ferner fordere ich Sie auf, die Identität des Verfassers preiszugeben, damit eine entsprechend Anzeige in die Wege geleitet werden kann.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
T.Reed


Vielen Dank für Ansinnen bezüglich des Kommentars auf aerzteblatt.de. Der Text ist in der Umgangsform sicher nicht der gute Stil, aber auch nicht strafrechtlich relevant. Zudem führt eine Zensur in der Regel zu noch mehr Aufmerksamkeit. Daher haben wir uns entscheiden, den Kommentar stehen zu lassen, da es auch ausreichend Kommentare mit der gegenteiligen Meinung gibt.

Ihre Redaktion DÄ
Avatar #731930
Saab67
am Donnerstag, 31. August 2017, 15:43

Herr Dr. Munz Halbgott in Weiß

Gute Idee! Viele meiner Kol. arbeiten ehrenamtlich in Einrichtungen w.Z. bei der Telefonseelsorge. Ich verrate Ihnen mal, was ich schon dort seit Jahren von Anrufern gehört habe: Mein Therapeut hat gesagt " Wenn er nicht erreichbar ist, die von er Telefonseelsorge sind ja immer da und die machen das schon"
Stimmt so weit ist ja ehrenamtlich und kostet nix und weil" Scharlatane" wie ich eine Gefahr für Leib und Leben sind, wünsche ich mir, das alle "Scharlatane" in diesem Land Ihre ehrenamtliche Tätigkeit einstellen, Ihre Praxis schließen einfach mal an Ihre Gesundheit denken.Im übrigen auch wenn ich hier gleich Äpfel mit Birnen vergleiche, doch welche "IGEL Leistung" war nochmal wissenschaftlich fungiert erwiesen und zeichnen Sich dadurch aus?
Und nun eine ehrliche Antwort zu Herrn@Galle auf die Frage ob ich für eine Brücke lieber einen alten Mauer befragen würde! JA, weil das Bauwerk dann mal fertig würde und auch bei den Kosten der Rahmen nicht in Elbsynfonie und BAR Utopien ausarten würde. Erfahrung heißt das Zauberwort. Ebenso soll das auch in der Psychotherapeutischen Arbeit vorkommen. Wie wäre es denn mit einem einheitlichen Sinnvollem Qualitätssystem? Was sicher abgelehnt wird wer möchte sich denn mit nicht studierten auf eine Stufe stellen lassen. Wenn die Herren und Damen der Vertragspsychotherapeuten alle Bundeswehrsoldaten die im Einsatz waren und Hilfe brauchen, wenn sie Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer die ebenfalls Hilfe brauchen Zeitnah behandeln würden hätte Herr Dr. Munz keine Zeit für Artikel dieser Art! Also kann es nur um Geld gehen. Das nenne ich Futterneid.
Mfg
Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 31. August 2017, 13:27

@Hermann Galle

Die Psychotherapeutenkammer hat rein gar nichts mit der sogenannten "Bedarfsplanung" zu tun, durch die die Zahl der Vertragspsychotherapeuten auf viel zu niedrigem Niveau ohne vorherige, tatsächliche Bedarfsermittlung festgelegt wurde - dafür ist die Politik (Danke, Herr Seehofer!)und der GBA zuständig!
Eine "richtige" Psychotherapieausbildung unterscheidet sich vom "Trockenschwimmkurs" der Heilpraktiker-Schulen zum einen durch den Umfang der nachzuweisenden Vorkenntnisse (abgeschlossenes Psychologie- oder Medizinstudium), sondern auch durch die Ausbildung "am Patienten", also neben den Theoriekenntnissen AUCH die Durchführung supervidierter Therapien an echten Patienten! HP für Psychotherapie werden auf die Menschheit losgelassen, ohne jemals tatsächlich einen psychisch kranken Patienten gesehen oder gar behandelt zu haben!
Solche "Spezialisten" dann nach dem Motto "besser als gar nichts" behandeln zu lassen, ist für die Patienten hochgefährlich.
Oder würden Sie einen Bauingenieur durch einen Maurer ersetzen wollen, wenn Sie eine Autobahnbrücke brauchen?
Wer partout psychotherapeutisch tätig sein will, muss halt erstmal Psychologie oder Medizin studieren und die Approbation erwerben, eine "Abkürzung" für Selbstberufene ist absolut unnötig
Avatar #731905
Hermann Galle
am Donnerstag, 31. August 2017, 12:53

Wer im Glashaus sitzt ........

Ein unvergessener Spruch meines Vaters lautete: Wenn jeder vor seiner eigenen Haustür fegt, wird das Dorf auch sauber. Daran wurde ich erinnert, als ich den o.g. Artikel las und mir einige Fakten zur aktuellen Lage der ambulanten vertragsärztlichen Psychotherapie in Erinnerung rief.

Herr Munz ist als Therapeut Mitglied eines Systems, das mit Hilfe seiner von ihm vertretenen Kammer ein Versorgungssystem mit geschaffen hat, das sich durch unhaltbare Zustände im Bereich der Wartezeiten auf eine Psychotherapie „auszeichnet“. Hat Herr Munz vergessen, was es für die Progredienz und für eine erfolgreiche Behandlung von psychischen Störungen bedeutet, wenn der Patient 6 bis 12 Monate auf einen Therapieplatz warten muss? Herr Munz beschreibt in seinen Vorträgen u.a. die geringe Präsenz „seiner“ Psychotherapeuten. Demnach behandeln 25 % der Vertragspsychotherapeuten weniger als 17 Patienten/Jahr und 50 % der Praxen weniger als 60 Patienten/Jahr. Man könnte annehmen, drei Viertel der Vertragspsychotherapeuten würden lediglich halbtags arbeiten – obwohl ein Großteil von ihnen einen vollen KV-Sitz besetzt. Lediglich 25 % der Vertragspraxen behandeln mehr als 60 Patienten/Jahr. Unerwähnt lässt Herr Munz auch, dass „seine“ Therapeuten statt bedarfsgerecht auf dem Lande bedarfsungerecht in der Stadt praktizieren. Paradoxerweise stehen sich Patientenzahlen und Praxen diametral gegenüber.

Herr Munz scheint auch aus gutem Grunde zu verschweigen, dass 40 % aller probatorischen Gespräche in psychotherapeutischen Vertragspraxen nicht in einer Therapie münden. Einmal bewilligte Therapiestunden werden „in der Regel“ nicht ausgeschöpft. 60 % der Patienten beenden die Therapie von der 25. Sitzung. Sind das Qualitätskriterien für eine gute Psychotherapie oder eher ein Abstimmen der Patienten mit den Füßen? Weiß Herr Munz wo diese Patienten letztendlich „landen“?

Herr Munz schlägt in dem von seiner Kammer entwickelten Projekt „Differenziertes Versorgungskonzept“ durch Einrichtung einer obligatorischen Sprechstunde und Selektion von Patienten die keiner Psychotherapie bedürfen diesen Patienten vor, „andere“ Einrichtung zu nutzen und erwähnt dabei die Diakonie. Eine interessante Doppelmoral, dem HP-Psych die Kompetenz abzusprechen und gleichzeitig Zuweisungen an die Diakonie zu empfehlen.

Herr Munz scheint auch zu übersehen, dass Personalvertreter und Anwälte den Anwärtern auf eine Verbeamtung dringend vom Besuch eines Vertragspsychotherapeuten abraten, zumal das ein K.O.-Kriterium für die Verbeamtung darstellt. Hier ist die Inanspruchnahme von Psychotherapie mit einem Makel behaftet, dessen Beseitigung auch Aufgabe einer Kammer wäre. Stellen Sie sich vor Herr Munz, Firmen würden dieses Kriterium mit in die Personalauswahl aufnehmen. Damit würde die Inanspruchnahme von Kassenpsychotherapie den Status einer ansteckende Krankheit erhalten, dessen Träger man ungern im Unternehmen hat.

Herr Munz scheint auch auszublenden, dass mehr als die Hälfte von Klienten in HP-Psych-Praxen bereits meist intensive und langjährige Erfahrungen mit Kassenpsychotherapie mitbringen. Unisono berichten solche Patienten, sie seien noch nie nach kindlichem Missbrauch und/oder Suizidgedanken befragt worden. Auch scheint das Thema „Sexualität“ in Vertragspraxen selten eine Rolle zu spielen.

Herrn Munz scheint nicht bekannt zu sein, dass Therapeuten einer LWL-Klinik beklagen wie
schwer es sei, Patienten mit einer emotionalen Instabilität ambulant „unter zu bringen“. Die für diese Patienten angebotenen Wartezeiten seien bis zu doppelt so lang. Von Klienten wird diese Situation bestätigt. Sind Borderline-Patienten in Kassenpraxen unerwünscht?

Herrn Munz dürfte auch bekannt sein, dass im Rahmen einer Befragung von Vertragspsychotherapeuten 60 % der Befragten zugaben, im Rahmen ihrer therapeutischen Tätigkeit Verfahren anzuwenden, die sie nie gelernt hätten und diese auch abrechnen würden. Und sie geben das in Praxisbroschüren auch unumwunden zu. Alles nachzulesen bei Prof. Jürgen Kriz.

Herr Munz wird Sorgenfalten entwickeln, sollte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss einmal die derzeitigen psychotherapeutischen Regelverfahren einer Nutzen- und Leistungsbewertung unterziehen. Möglicherweise bleibt dann für Kassentherapeuten nur noch der schmale Grat der Verhaltenstherapie übrig. Patienten werden dann froh sein, dass es Heilpraktiker für Psychotherapie gibt und Vertragspsychotherapeuten werden möglicherweise dann zu Heilpraktikern mutieren.

Herr Munz sollte nicht vergessen haben, dass die Experten sich längst nicht einig sind, was in der Psychotherapie wirkt. Zumindest ist seit Klaus Grawe klar, es ist nicht die Methode sondern eher andere, persönliche Faktoren die für die Wirksamkeit von Psychotherapie verantwortlich sind.

Herr Munz wird auch tunlichst nicht die Erkenntnisse zweier Wissenschaftler (Huber + Röder) der Uni Salzburg erwähnen, die die Effekte von Psychotherapie durch Laien und durch professionelle Helfer untersucht haben. Ihre Ergebnisse haben Sie in einem Satz zusammen gefasst: „Kein Unterschied konnte in der Bewertung der Behandlungen beobachtet werden. Beide Gruppen erlebten diese als vergleichbar effektiv und zufrieden stellend.“

Herr Munz übersieht aus gutem Grund, dass die „50-Minuten-Sitzungen“ in der Vertragspsychotherapie nur durch einen faulen Kompromiss zwischen Krankenkassen und Therapeuten zustande kommen konnte. Expositionstherapien sind in 50 Minute in aller Regel nicht durchführbar.

Niedrigschwelliger Zugang zu Psychotherapie, Methodenvielfalt, eine ausreichende Probatorik, problemorientierte zeitlich angepasste Gesprächsdauer, flexible Honorarstrukturen mit sozialen Elementen, Therapie zu allen Tageszeiten und an allen Wochentagen, Einbeziehung von Familienangehörigen und Partnern sowie Hausbesuche, keine Antrags- und Genehmigungsverfahren, Schutz der Patienten vor Aktenmissbrauch verbunden mit einer soliden Ausbildung und ständiger, nachgewiesener zertifizierter Fortbildung sind die Markenkerne von Heilpraktikern für Psychotherapie. Es gibt im Sinne eines heterogenen Versorgungssystems mit frei wählbaren Möglichkeiten gute Gründe, diese Vielfalt zu erhalten und auszubauen.

Herr Munz sollte wissen, dass seine Angriffe als der verzweifelte Versuch angesehen werden, Wettbewerber aus „seinem“ Markt zu verdrängen um die eigenen Pfründe zu sichern. Solange Deutschland eine pluralistische Gesellschaft sein möchte, wird das nicht gelingen. Herr Munz spricht den Menschen die Kompetenz ab frei zu wählen und zu entscheiden. Er zieht es vor, die Menschen ein Jahr auf eine Therapie warten zu lassen. Von Innovation und Versorgungsverantwortung keine Spur.

Herr Munz sollte nicht übersehen, dass Kritiker die kassenfinanzierte Psychotherapie abschaffen wollen. Krankenkassen könnten die Entwicklung begrüßen und z.B. als Alternative die Internetpsychotherapie empfehlen und Herr Munz müsste sich dann anderen Fronten zuwenden.

Wenn jeder vor seine eigenen Haustür fegt, wir das Dorf auch sauber.


Hermann Galle
Gesundheitsökonom –ebs-
Bundesverband innovativer Gesundheitsökonomen e.V.
Avatar #687997
Pro-Natur
am Samstag, 26. August 2017, 17:53

Angst ist ein schlechter Ratgeber aber Angst verleiht Flügel

Ich befürchte, es wird nichts nutzen, um Gnade zu bitten. Dies ist offensichtlich ein orchestrierter Angriff auf den Berufsstand der Heilpraktiker mit der Begründung, dass Klaus R. stellvertretend für alle Heilpraktiker fahrlässig handelte. Das Gericht wird entscheiden.

Sorgen Sie vor; prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz. Treten Sie einem HP-Verband bei, der bereit ist, im Namen der Mitglieder vor Gericht zu ziehen.
Avatar #731772
Ciliares
am Samstag, 26. August 2017, 02:25

Feedback

Mit Verlaub, das Heilpraktikergesetz von 1939 läßt wirklich vermuten, dass jeder HPP werden kann. Wie sieht es den in der Wirklichkeit aus?
Nicht jeder Jugendliche weiß nach der Adolenz was er einmal werden möchte und wo seine Stärken liegen. Viele orientieren sich beruflich an den Eltern, vielleicht auch am möglichen Verdienst und an der Anerkennung des Berufsbildes.
Wohl dem, wer zeitig Psychologie studieren will und kann, die finanziellen Hürden und die Lern-und Prüfungszeit auf sich nimmt um nach 10 Jahren Studium ein approbierter Psychotherapeut zu werden.
Wie sieht ein möglicherweise typischer Weg zum Heilpraktiker für Psychotherapie aus?
Häufig beginnt er in der Lebensmitte. Gestandene Männer und Frauen, welche möglicherweise durch die Beschäftigung mit den eigenen Lebensthemen beginnen, die menschlichen Psyche zu erforschen. Anfänglich vielleicht über Bücher oder andere Medien. Bei manchen entwickelt sich dabei ein immer größer werdendes Interesse, welches in dem Wunsch nach einer Ausbildung endet. Mit welchem Ziel? Sie wollen verstehen, lernen, forschen…helfen.
Liebe Psychologen und Psychotherapeuten, kennt ihr das Hintergrundmotiv nicht auch?
Was gibt es in der Lebensmitte für Möglichkeiten? Ein Psychologiestudium? Ja, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen. In der Lebensmitte ist die Zeit meist mit Pflichten gefüllt. Arbeit, Kinder, vielleicht ein abzuzahlender Kredit für´s Haus, möglicherweise sind auch schon die Eltern/Großeltern hilfsbedürftig. Das bedeutet, ein Regelstudium der Psychologie ist leider oft nicht möglich. Da bleibt für den quartären Bildungsweg nur die Fern-Uni Hagen oder die Ausbildung zum HPP an Wochenenden. Beides hat mit viel Lerneinsatz und Bereitschaft, auch finanzieller Art zu tun.
Das eine zudem auch mit trockener Statistik und englischer Literatur, das andere mit praktischen Background und der Reduktion auf´s Wesentliche.
Ich habe den HPP gewählt und es auch nicht bereut. Meine Kommilitonen waren ca. zwischen 30 und 50 Jahre alt. In etwa die Hälfte hatte Abitur und einen akademischen Abschluss die andere Hälfte Realschulabschluss und Ausbildung, keiner hatte einen Hauptschulabschluss. Die Ausbildung beinhaltete neben Medizinische Ausbildung in Psychologie, Psychopathologie, Psychiatrie und humanistische Therapieverfahren auch einen praktischen Teil sowie therapeutische Methodik. Sie war fundiert und auf der Schulmedizin basierend.
Mit der Ausbildung, Lerngruppen und Selbststudium vergingen bei mir 6 Jahre bis zur bestandenen Überprüfung.
Die Überprüfung selber bestand aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Die Mündliche wurde von einem Psychiater, dem Amtsarzt und einem HPP abgenommen. Durchfallquote in diesem Jahr: 92 %. Das bedeutet im Umkehrschluss, hier wurde genauestens geprüft, ob alle Kriterien unter „F“ aus dem ICD abrufbar und verstanden worden sind. Natürlich mündlich nur punktuell und passend zu einem Fallbeispiel. Dies konnte von F0 bis F9 alles sein. Zudem u.a. die Rechtsgrundlage, Verhalten in Notlagen, Thema „Suizid“ und natürlich auch wurden auch die Grenzen des HPP´s ausgelotet. So, dass das man bei Bestehen halt keine Gefahr für die Volksgesundheit ist ;).
Es war die schwerste Wissensprüfung meines Lebens und ich habe schon einige hinter mir.
Ähnlich wie der Psychologe kann man nach dem Abschluss noch nicht psychotherapeutisch arbeiten da das Handwerkszeug fehlt. Das bedeutet, man lernt weiter und läßt sich weiter ausbilden. Eine Ausbildung in Hypnosetherapie über 5 Jahre in verschiedenen Instituten, Seminarleiter für AT und PMR, Weiterbildung in katathymen Bilderleben, MBSR usw. Nun steht noch eine 3 jährige systemische Therapieausbildung an. In dieser Ausbildungszeit habe ich neben so manchen Arzt oder Psychologen gesessen, welche auch ihr Repertoire erweitern wollten. Nur, weil die meisten dieser Methoden (noch) nicht von der Krankenkasse bezahlt werden, bedeutet es nicht, das sie nicht therapeutisch wirksam sind. Die Wissenschaft von heute ist nicht die Wissenschaft von morgen. Es geht darum, einen Pat. mit einer für ihn passenden Methode abzuholen. Er sucht sie sich ja auch bewußt aus. Wenn er eine kognitive Umstrukturierung wünscht, wäre ich die falsche Adresse.
Warum das alles?
Ich möchte helfen! Das ist meine Motivation.
Diese Hilfe wird auch gebraucht.

Deshalb bitte ich sie im Sinne von den Patienten, mir und allen Kollegen, welche wie ich viel Zeit und Geld investiert haben:
Leben und leben lassen!

Was jetzt hier passiert, macht mir Angst und ich fühle mich in meiner Existenz bedroht. Ich liebe meinen Beruf und möchte nichts anderes mehr machen.
Mit freundlichen Grüßen
Avatar #687997
Pro-Natur
am Freitag, 25. August 2017, 16:47

Wahlkampfthema

Geht es nach der Wahl dem Heilpraktikerberuf an den Kragen?
http://www.impfkritik.de/pressespiegel/2017082301.html

Welche Parteien sind für die Therapiefreiheit, für die eigene Impfentscheidung?

Avatar #687997
Pro-Natur
am Freitag, 25. August 2017, 15:55

Was ist wirklich das Problem?

Die Behauptung, es "stehen genügend hochqualifizierte approbierte Psychotherapeuten zur Verfügung, sodass Patienten nicht auf Angebote von Heilpraktikern zurückgreifen müssen," stimmt nicht ganz. Wer eine(n) Psychotherapeut(in) sucht, schreckt vor den langen Wartelisten zurück. Wer auf eine Psychotherapie vom Psychotherapeuten angewiesen ist, bekommt monatelang keinen Termin.

Schön für die Psychologen zumindest, dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen, was man für Heilpraktiker nicht behaupten kann. Nicht mal die privaten Versicherungen übernehmen deren Gebühren für eine Psychotherapie. Wer eine Psychotherapie dennoch benötigt und nicht warten kann, geht zum Heilpraktiker. Natürlich muss der Heilpraktiker Kompetenzen bieten, denn sonst ist der Selbstzahler fort und sucht Hilfe woanders.

Wenn Futterneid nicht der Grund ist, dass die Bundes­psycho­therapeuten­kammer eine Abschaffung des Heilpraktikers für Psychotherapie fordert, gibt es noch die durchdringende Unzufriedenheit über die Situation von Psychologen. Schön wäre es, wenn die Psychologen vernünftig bezahlt würden. Deshalb verhandeln sie weiter, um ein entsprechendes Gehalt für die Qualifikation zu bekommen. Aber wenn Ärzte schon zu wenig für ihre Arbeit bekommen, ist der Kuchen fast aufgeteilt, bevor die Psychologen dran kommen.

Gegen der Arbeitsweise von Psychologen gibt es nichts auszusetzen, weil sie - anders als in der Schulmedizin - mit sanften Methoden niemanden schaden. Allerdings bekommen Psychologen immer mehr Patienten mit hartnäckigen psychischen Problemen, die zusehends therapieresistent sind. Das hat nichts mit den Psychotherapeuten und ihr Handwerk zu tun, sondern ist Zahn der Zeit. Vielleicht müsste man solche Patienten zurück an die Schulmedizin verweisen mit der Bemerkung: Achtung, Hardware defekt!
Avatar #731756
W.Schmidtke
am Freitag, 25. August 2017, 11:43

Zu "Anti-Heilpraktikerkampagne jetzt auch bei Psychotherapeuten?"

Lieber Herr Clemens X,
sehr gern würde ich einen " kollegialen Austausch" mit Ihnen pflegen. Da Sie jedoch nun mal kein "Kollege" sind, wird dies leider nicht möglich sein. Sie sind kein approbierter Psychotherapeut, sondern Heilpraktiker. So einfach ist das.
Schwierig ist es jedoch, das Sie ahnungslosen Patienten genau dies suggerieren. Und um genau dem einen Riegel vorzuschieben, sollte dieser " Beruf" des Hp-lers abgeschafft werden. Dagegen hilft auch keine " Wall of Text". Es hätte übrigens auch gereicht, wenn Sie diese Textwand einmal gepostet hätten, aber vllt. ist das ja auch ein Fehler vom Ärzteblatt.
Ihre "Beispiele" mit denen Sie es den Psychotherapeuten/ Psychiatern jetzt aber mal so wirklich gezeigt haben, haben nochmal was für einen Sinn? Diese subjektiven ( egal, ob von Ihnen, oder von enttäuschten Pat.) Angaben scheinen doch schon ein Hinweis darauf zu sein, wie substanzlos und hoch affektiv ein HPler oftmals zu argumentieren pflegt, gerade weil diese "Berufung" keine echte und fundierte Grundlage hat. Da hilft es auch nicht, das Sie Ihre " Beispiele" mit wichtig erscheinen Codierungen versehen, denn die kann man auch im Internet nachlesen. Es bringt aber keinem Pat. etwas, wenn jemand die ICD 10 Codierung kennt, aber gar nicht weiß, was er behandlungstechnisch damit anfangen soll. Oder sollten diese Anhängsel insgesamt etwa Ihre hohe Kompetenz unterstreichen?
Gleichwohl finde ich die Codierung "F 61" interessant. Da dies ja eher eine Diagnosestellung für Forschungszwecke darstellt, frage ich mich, was genau Sie da " diagnostizieren"- zumal Sie ja gar keine Diagnose stellen dürfen. In all den Jahren meiner psychotherapeutischen Tätigkeit ist mir diese Diagnose auf jeden Fall noch nie untergekommen. Und wenn Sie schon explizit von einer " PTBS" schreiben, dann versehen Sie die doch auch gleich mit der richtigen Codierung- die wird nämlich 4-stellig codiert ( F. 43.1).
Insgesamt fällt den Heilpraktikern offenbar nicht substanzielles ein, um den Fortbestand zu untermauern. Nichts, außer haltlose und fadenscheinige Anklagen gegenüber Menschen, die sich bisweilen auf allen Lebensebenen den Allerwertesten aufgerissen haben, um eine langjährigen Ausbildung auf sich zu nehmen, die schließlich mit einer Approbation erfolgreich, aber nie wirklich endet.
All das haben Sie nicht mal ansatzweise geleistet und erdreisten sich nun, hier zu urteilen, rumzuhetzen und sich mit approbierten Kollegen gleichstellen zu wollen. Also wundern Sie sich nicht, das Ihnen und Ihrer Berufsgruppe nun endlich ein scharfer Wind um die Ohren bläßt.

Avatar #731756
W.Schmidtke
am Freitag, 25. August 2017, 11:43

Zu "Anti-Heilpraktikerkampagne jetzt auch bei Psychotherapeuten?"

Lieber Herr Clemens X,
sehr gern würde ich einen " kollegialen Austausch" mit Ihnen pflegen. Da Sie jedoch nun mal kein "Kollege" sind, wird dies leider nicht möglich sein. Sie sind kein approbierter Psychotherapeut, sondern Heilpraktiker. So einfach ist das.
Schwierig ist es jedoch, das Sie ahnungslosen Patienten genau dies suggerieren. Und um genau dem einen Riegel vorzuschieben, sollte dieser " Beruf" des Hp-lers abgeschafft werden. Dagegen hilft auch keine " Wall of Text". Es hätte übrigens auch gereicht, wenn Sie diese Textwand einmal gepostet hätten, aber vllt. ist das ja auch ein Fehler vom Ärzteblatt.
Ihre "Beispiele" mit denen Sie es den Psychotherapeuten/ Psychiatern jetzt aber mal so wirklich gezeigt haben, haben nochmal was für einen Sinn? Diese subjektiven ( egal, ob von Ihnen, oder von enttäuschten Pat.) Angaben scheinen doch schon ein Hinweis darauf zu sein, wie substanzlos und hoch affektiv ein HPler oftmals zu argumentieren pflegt, gerade weil diese "Berufung" keine echte und fundierte Grundlage hat. Da hilft es auch nicht, das Sie Ihre " Beispiele" mit wichtig erscheinen Codierungen versehen, denn die kann man auch im Internet nachlesen. Es bringt aber keinem Pat. etwas, wenn jemand die ICD 10 Codierung kennt, aber gar nicht weiß, was er behandlungstechnisch damit anfangen soll. Oder sollten diese Anhängsel insgesamt etwa Ihre hohe Kompetenz unterstreichen?
Gleichwohl finde ich die Codierung "F 61" interessant. Da dies ja eher eine Diagnosestellung für Forschungszwecke darstellt, frage ich mich, was genau Sie da " diagnostizieren"- zumal Sie ja gar keine Diagnose stellen dürfen. In all den Jahren meiner psychotherapeutischen Tätigkeit ist mir diese Diagnose auf jeden Fall noch nie untergekommen. Und wenn Sie schon explizit von einer " PTBS" schreiben, dann versehen Sie die doch auch gleich mit der richtigen Codierung- die wird nämlich 4-stellig codiert ( F. 43.1).
Insgesamt fällt den Heilpraktikern offenbar nicht substanzielles ein, um den Fortbestand zu untermauern. Nichts, außer haltlose und fadenscheinige Anklagen gegenüber Menschen, die sich bisweilen auf allen Lebensebenen den Allerwertesten aufgerissen haben, um eine langjährigen Ausbildung auf sich zu nehmen, die schließlich mit einer Approbation erfolgreich, aber nie wirklich endet.
All das haben Sie nicht mal ansatzweise geleistet und erdreisten sich nun, hier zu urteilen, rumzuhetzen und sich mit approbierten Kollegen gleichstellen zu wollen. Also wundern Sie sich nicht, das Ihnen und Ihrer Berufsgruppe nun endlich ein scharfer Wind um die Ohren bläßt.

Avatar #688006
Heilpraktiker
am Freitag, 25. August 2017, 02:28

Wenn wir weiterstreiten, dann verlieren wir nur Alle !

Ich bin sehr schockiert über die Reden, die die Reformdiskussion hervorgebracht hat. Ich selbst bin Heilpraktiker und Altenpfleger in einem Pflegeheim. Dort versuche ich jeden Tag aufs neue das Leben meiner Senioren zu verbessern. Ich nehme hierfür kein Geld. Früher hatte ich mich auch auf das Medizinstudium beworben, musste jedoch frustiert nach 7 Jahren aufgeben. Ich wurde nie auserwählt. Heilpraktiker bin ich geworden, nicht weil ich ein Einser- Abitur hatte oder im Olympiakader gewesen bin, sondern weil ich helfen wollte und konnte. Aber nun kommen wieder die gleichen Leute wie damals und behaupten, dass ich mit weit über 15 Jahren Berufserfahrung in der Pflege mit Kranken nicht umzugehen weiß. Wir alle sind Menschen die anderen Menschen helfen und in ihrer Not beistehen. Ich kann nur an Alle appellieren nicht weiterzustreiten und unsere Berufsverbände in die Schranken zu weisen. Wir dürfen uns nicht mehr weiter von irgendwelchen Experten des Münster memorandum oder Berufsverbänden aufhetzen lassen. Wenn ich meine geliebte Tätigkeit verlieren, dann leide nicht nur ich, sondern auch meine Heimbewohner, denn um die wird sich auch kein Schulmediziner mehr als sonst kümmern. Die Entscheidung über die Zukunft unserer Berufe werden, wenn wir weiter streiten, nicht wir oder unserer Berufsverbände fällen sondern, sondern die Volksvertreter oder das Volk selbst. Wir wissen nicht wohin dass führen kann ? So könnte die Ärzteschaft auch die Kontrolle über die Naturheilkunde verlieren, denn was z.B. ist die Traditionelle Chinesische Medizin, eine Heilkunde, eine Weltanschauung oder Teil der Religion des Daoismus ? Laßt uns die Hetzer stoppen bevor noch mehr Leute und Berufsverbände auf den Zug aufspringen. Wir die die Naturheilkunde ausüben müssen uns selbst Regeln aufstellen und das Zepter des Handelns nicht den anderen überlassen.
Avatar #555822
j.g.
am Donnerstag, 24. August 2017, 22:39

nationalsozialistisches Strandgut

Allein die Anwesenheit der Heilpraktikant*Innen mit ihrem esoterischen Dünkel sind ein Tritt vor den Bauch der übrigen Heilberufe, die eine dreijährige Ausbildung bzw. ein langjähriges Studium mit anschließenden Zusatzqualifikationen jeweils mit einem staatlich qualifizierten Abschluß absolviert haben, verbunden mit einer kontinuierlichen Fortbildungspflicht. Die Option eines Fach-Heilspraktikanten ist eine weitere Verballhornung des deutschen Gesundheitswesen. Das Heilspraktikertum gehört abgeschafft. Die Heilpraktiker sollen etwas vernünftiges lernen und dann einem ehrlichen Beruf nachgehen.
Avatar #99598
Clemens-X
am Donnerstag, 24. August 2017, 20:08

Anti-Heilpraktikerkampagne jetzt auch bei Psychotherapeuten?

Nachdem bereits hier im Ärzteblatt eine umfangreiche Diskussion stattfindet und ich mich über die einen ganzen Berufsstand verleumdende und diffamierende Kampagne der „Münsteraner Expertengruppe” erregt hatte:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77728/Expertengruppe-schlaegt-Reform-des-Heilpraktikerberufs-vor#comment27449
platzt mir bei diesem Artikel der Kragen! Wer derart mit der Keule ausholt, hat es nicht anders verdient:

1.) Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz beträgt zwischen 9 und 12 Monate!
Angesichts dieser in mehreren Stellungnahmen der Bundes­psycho­therapeuten­kammer bestätigten Tatsache hier zu schreiben: „stehen genügend hochqualifizierte appro­bierte Psychotherapeuten zur Verfügung, sodass Patienten nicht auf Angebote von Heilpraktikern zurückgreifen müssen“... ist absolut grotesk!
Aber halt! Bei der Kritik an den Wartezeiten ging es um das (IMHO berechtigte) Eigeninteresse der Psychotherapeuten, mehr Kassenplätze zu erhalten. Jetzt geht es aber darum, Krieg gegen die Heilpraktiker zu führen!

2.) Im og. Artikel meint der BDP: ...„reichen diese Ausbildungen keinesfalls aus, um kompetent und gefahrenfrei psychologische Beratung oder gar Psychotherapie ausüben zu können...“

OK, Ihr habt es nicht anders gewollt - hier meine Antwort:
Nennen wir konkret einige Beispiele aus meiner Praxis:

Eine approbierte Psychotherapeutin fauchte mich am Telefon an, wenn ich glaubte, ich könnte die gleiche Leistung erbringen wie sie, die dafür über 11 Jahre Studium und Fach-Ausbildung gemacht hätte, dann wär ich schief gewickelt.
Eine stark depressive Klientin, die zuvor bei dieser Therapeutin in Behandlung war, wurde von dieser nicht nach Suizidalität gefragt! Mit diesem „Kunstfehler” hätte die approbierte Kollegin nicht mal die Heilpraktikerprüfung bestanden!

Ein depressiver Klient, der in Begleitung seiner Frau in meine Praxis kam, berichtete von einer probatorischen Stunde bei einem Psychiater, der nach ca. 15 Minuten Gesprächsdauer seine Nagelpfeile hervor holte. Als sein Patient daraufhin schwieg, ermunterte der Psychiater ihn: „Erzählen Sie ruhig weiter, ich höre schon noch zu!”

Eine depressive Klientin erhielt über eine Psychiaterin seit drei Jahren hochdosiertes Citalopram und litt unter extremer Gewichtszunahme, Hitzewallungen und Schwindel. In diesen drei Jahren lag das Rezept für die jeweils nächste Schachtel nach telefonischer Bitte der Klientin in der Praxis zur Abholung bereit. In den drei Jahren erfolgte keine weitere Therapie. Die Psychiaterin, die hier in Rottweil (gerade in Fachkreisen!) wegen ihrer äußerst freigiebigen Verordnungspraxis unter der Hand als „Drogenlieferant Nr.1” bezeichnet wird, hat in diesen drei Jahren niemals ein Blutbild und ein EKG machen lassen! Und dies ist definitiv kein Einzelfall.

Einer Klientin, dessen Problematik sich mir gemäß F61 eindeutig darstellte, wurde durch das Gutachten eines verantwortungslosen Psychiaters jegliche Psychotherapie verweigert, da die Klientin angeblich vorrangig an ADHS leide, aber nicht „krankheitseinsichtig” sei. Solange diese Krankheitseinsicht fehle, könne keine Psychotherapie Erfolg haben. Nach etwa einjähriger Therapie in meiner Praxis war die Klientin erfolgreich und nachhaltig therapiert.

Vier Klientinnen, eine mit PTBS (F43), eine mit PTBS (F43) in Verbindung mit F61, zwei mit Borderline haben über Jahre hinweg keinen Psychotherapeuten in Rottweil und 30km Umgebung gefunden. Über eine befreundete Psychotherapeutin erfuhr ich, dass es leider viele Kollegen gäbe, die angesichts voller Wartelisten lieber „leichtere” Fälle nehmen, die weniger Arbeit machen.

Mir geht es nicht um „Kollegen-Bashing”. Aber wenn ständig negative Beispiele von Heilpraktiker-Verfehlungen publiziert werden und die Ausbildung als mangelhaft kritisiert wird, dann darf ich sicher ausnahmsweise fünf Beispiele nennen, bei denen die angeblich so wertvolle Ausbildung (deren Inhalt und Aufbau im Übrigen von den Psychotherapeuten selbst kritisiert wird!) offensichtlich nicht vor elementaren Fehlern bewahrt hat und auch die angeblich ständig geprüfte Fortbildung nichts genützt hat.

Wenn ich jetzt noch an den rein medizinischen Bereich denke, dann wird mir z.B. angesichts der extremen Hygieneprobleme in deutschen Kliniken (MRSA in Verbindung mit Kostendruck, Personalabbau und Shareholder-Value) ganz schlecht. (Die Ärzteschaft könnte sich ja wehren!)

Ich wünsche mir eine kollegiale Zusammenarbeit, bei der jeder die Arbeit des anderen respektiert und jeder seine eigenen Grenzen beachtet – zum Wohle der Patienten: Primum nihil nocere, secundum bene facer

Clemens M. Hürten – Heilpraktiker der Psychotherapie – Rottweil
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 24. August 2017, 19:53

Würdeloses HeilprG!

Die Problematik der drei Todesfälle bei einem Heilpraktiker in einer alternativen Krebsklinik im Jahr 2016 nahe der niederländischen Grenze unter Anwendung des Präparates „3-Bromopyruvat“ als experimentelle allopathische Chemotherapie von Krebskranken war nicht – wie irrtümlich von medizin- und bildungsfremden Kreisen in Aufsichtsbehörden, Verwaltung, Gesundheitswesen und Jurisprudenz angenommen – die Homöopathie.
Die Homöopathie als Behandlungsmethode bezieht sich in der Regel auf Krankheiten, Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen, die mit oder ohne Therapie auch spontan von selbst ausheilen können. Unter diesem „Schutzschirm“ ist und bleibt diese „besondere Therapierichtung“ (SGB V) in der Bevölkerung beliebt und wird meist unproblematisch und unkritisch betrachtet.

Völlige Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
Das Hauptproblem bei dem onkologischen Sterbedrama in NRW waren übermotivierte, in „illusionärer Verkennung“ ihrer Fähigkeiten und Begrenzungen ebenso invasiv und interventionell wie notfallmedizinisch inkompetent arbeitende Heilpraktiker gewesen. Dabei sollte eigentlich gelten: Alle – inklusive der Ärzteschaft – sollten ihre professionellen Grenzen kennen! Geschützt werden hier Heilpraktiker-Scharlatane, die es im Übrigen unter Ärzten ebenfalls geben kann, durch eine weltweit einmalige juristische Fiktivkonstruktion: Akademisch grundlagen-orientiert, pathophysiologisch, klinisch und in der Praxis ausgebildete Ärzte werden mit „Erfahrungsheilern“ ohne wissenschaftlich fundierte Ausbildung nahezu gleichgestellt.

Entwertung der ärztlichen Ausbildung
Darum ist das Heilpraktikergesetz als „HeilprG“ einfach nur würdelos! Es entwertet Abitur und Vollstudium Humanmedizin, PJ und klinische Fachausbildung. Es zieht die Befähigung zur Ausübung der Heilkunde als sogenannte „Heilkunde-Erlaubnis“ und „Heilkunde-Privileg“ ins Lächerliche. Das kann man auch billiger haben: Einfach den „Heilpraktiker“ ohne zusätzliche Berufsausbildung machen! Dann kann man sich nach Herzenslust an Patienten als freiwilligen Versuchskaninchen austoben; wird damit jedoch genauso entwertet.

Hilfe aus dem Ministerium
Und wer hilft einem dabei, ohne störende Ausbildungshürden, ohne lästiges Arztregister, Bundes- und Landesärztekammern, Weiterbildungs- und Fortbildungspflichten, Berufsordnungen bzw. weitere staatliche Kontroll- und Aufsichtsbehörden? Ein völlig unbedarftes „Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz“ mit einem geradezu „bahnbrechenden“ Heilpraktikergesetz von 1939, das auch noch weitschweifig und kommentarlos im Internet präsentiert wird:
„Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz), HeilprG, Ausfertigungsdatum: 17.02.1939
„Heilpraktikergesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 2122-2, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 15 des Gesetzes vom 23. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2702) geändert worden ist“. [...] Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
§ 1 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausüben will, bedarf dazu der Erlaubnis.
(2) Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.
(3) Wer die Heilkunde bisher berufsmäßig ausgeübt hat und weiterhin ausüben will, erhält die Erlaubnis nach Maßgabe der Durchführungsbestimmungen; er führt die Berufsbezeichnung
„Heilpraktiker“.
§ 2 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, bisher berufsmäßig nicht ausgeübt hat, kann eine Erlaubnis nach § 1 in Zukunft ... erhalten.
(2) Wer durch besondere Leistungen seine Fähigkeit zur Ausübung der Heilkunde glaubhaft macht, wird auf Antrag des Reichsministers des Innern durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter erleichterten Bedingungen zum Studium der Medizin zugelassen, sofern er seine Eignung für die Durchführung des Medizinstudiums nachweist.
§ 3 Die Erlaubnis nach § 1 berechtigt nicht zur Ausübung der Heilkunde im Umherziehen.
§ 4 und § 5 Wer, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach § 1 zu besitzen, die Heilkunde ausübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 5a (1) Ordnungswidrig handelt, wer als Inhaber einer Erlaubnis nach § 1 die Heilkunde im Umherziehen ausübt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu zweitausendfünfhundert Euro geahndet werden.
§ 6 (1) Die Ausübung der Zahnheilkunde fällt nicht unter die Bestimmungen dieses Gesetzes.
(2)Eingangsformel
§ 7 Der Reichsminister des Innern erläßt ... die zur Durchführung ... dieses Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.
§ 8 (1) Dieses Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2) Gleichzeitig treten § 56a Abs. 1 Nr. 1 und § 148 Abs. 1 Nr. 7a der Reichsgewerbeordnung, soweit sie sich auf die Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes beziehen, außer Kraft.“

Juristische Nazi-Propaganda im 21. Jahrhundert?
Das ist nicht nur übelste juristische Nazi-Propaganda einer demokratisch gewählten Deutschen Bundesregierung des 21. Jahrhunderts. Das ist auch ein Schlag ins Gesicht aller staatsexaminierten Ärzte, die auf hohem professionellen Standard ihre ärztliche Profession ausüben. Es entwertet ihre universitäre, theoretisch und praktisch orientierte, klinische und ambulante, wissenschaftliche und versorgungsmedizinische Ausbildung und beschädigt die rechtliche Bedeutung der Erteilung einer Heilkunde-Erlaubnis mit sogenannter „Bestallung“.
Und dies vor dem Hintergrund, dass ein HeilprG auch noch unter „Sieg Heil“-Rufen von Nazi-Schergen, die damit die Ausrottung und Vertreibung von jüdischen Ärzten und jüdischen Patienten bejubelten, verabschiedet wurde. Der Deutschen Reichsregierung fehlten Ärzte an allen Ecken und Enden, die wenigen weiblichen wurden meistens gar nicht für voll genommen: An den Kriegsfronten, in den Lazaretten, in den Akutkliniken, in den Praxen in Stadt und Land.

Das ist die eigentliche Entstehungsgeschichte dieses m. E. würdelosen und schändlichen Heilpraktiker-Gesetzes!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

3. Dezember 2018
Berlin – Entgegen einer Empfehlung des Bundesrates will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) den Krankenkassen-Wahltarif für
Streit um Wahltarif für Komplementärarzneimittel
14. November 2018
Berlin – Die Arbeitsgruppe (AG) Gesundheit der FDP-Fraktion im Bundestag sieht es „im Sinne der Patientensicherheit“ als geboten an, „die Erlaubnis zur Bezeichnung als ‚Heilpraktiker‘ mittelfristig
FDP will Heilpraktiker langfristig abschaffen
12. November 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will nach einem Medienbericht verbieten, dass Heilpraktiker Patienten mit selbstgemixten Arzneien und fragwürdigen Frischzellen-Therapien behandeln.
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium will Regeln für Heilpraktiker verschärfen
26. Oktober 2018
Berlin – Der Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln ist im ersten Halbjahr 2018 gestiegen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 stieg dieser von rund 321 Millionen Euro auf 338 Millionen Euro. Das
Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln gestiegen
24. Oktober 2018
Vancouver und Atlanta – Medizinisches Crowdfunding schließt in Nordamerika nicht nur Lücken im Versicherungssystem, viele US-Amerikaner lassen sich auch umstrittene und eventuell sogar schädliche
Crowdfunding fördert sinnlose und schädliche Behandlungen
17. Oktober 2018
Seattle und Pittsburgh – Eine bariatrische Operation könnte für Menschen mit Typ-2-Diabetes und ausgeprägter Adipositas die mit Abstand beste Behandlung sein – sofern die Gewichtsreduktion bestand
Bariatrische Operation schützt vor Herzinfarkt und anderen makrovaskulären Komplikationen
26. September 2018
Würzburg – Der Weißdorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2019. Die Pflanze aus der Familie der Rosengewächse werde seit vielen Jahrhunderten vor allem gegen Herz- und Kreislaufschwäche eingesetzt,
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER