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Medizin

Lithium im Trinkwasser könnte vor Demenzen schützen

Donnerstag, 24. August 2017

/dpa

Kopenhagen – Die Bewohner von Regionen mit einem hohem Lithiumgehalt im Trinkwasser erkranken einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie in JAMA Psychiatry (2017; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2017.2362) zufolge im Alter seltener an einer Demenz. Ein Editorialist macht sich bereits Gedanken über eine Anreicherung des Trinkwassers mit dem Leichtmetall.

Lithium wird seit mehr als 50 Jahren als „Stimmungsaufheller“ zur Behandlung von bipolaren Störungen eingesetzt, ohne dass die Forschung bisher klären konnte, wie das chemische Element im Gehirn seine Wirkung entfaltet. Seit einigen Jahren werden Lithium  auch neuroprotektive Wirkungen zugeschrieben. Zwei kleinere klinische Studien fanden jüngst Hinweise auf eine Wirkung bei Demenzerkrankungen. 

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Orestes Forlenza und Mitarbeiter von der Universität Sao Paulo hatten 45 Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) und Gedächtnisstörungen mit 150 mg bis 600 mg Lithium/Tag (Zielserumkonzentration 0,25 bis 0,5 mmol/l) oder Placebo behan­delt. Nach zwölf Monaten war es zu einem leichten Rückgang der Konzentration von P-tau, einem Marker des Morbus Alzheimer im Liquor, und zu verbesserten Ergebnissen im ADAS-Cog-Test gekommen, der die kognitiven Leistungen von Alzheimer-Patienten misst (Br J Psychiatry 2011; 198: 351–6). 

Eine weitere Gruppe aus Brasilien berichtete später sogar von einer (vorübergehenden) Stabilisierung des MMSE-Scores, die bei Patienten mit manifester Alzheimer-Demenz mit einer Mikrodosis von 300 µg/die erreicht wurde (Current Alzheimer Research 2013; 10: 104-107).

Auch gesunde Menschen nehmen, allerdings in geringer Konzentration, täglich Lithium zu sich. Das Element ist im Trinkwasser enthalten, wobei die Konzentrationen stark schwanken können. In westlichen Regionen enthält das Grundwasser nur 0,6 µg/l Lithium, während das Trinkwasser im Osten Dänemarks bis zu 30,7 µg/l erreichen kann.

Lars Vedel Kessing von der Universität Kopenhagen hat die Konzentration von Lithium im Trinkwasser bei 73.731 Dänen mit Demenz und 733.653 Kontrollen ohne Demenz verglichen: Tatsächlich war die Konzentration bei den Demenzpatienten etwas niedriger (11,5 µg/l versus 12,2 µg/l).

Die Ergebnisse der statistischen Regressionsanalyse bestätigten, dass Patienten mit einer erhöhten Exposition mit Lithium im Trinkwasser seltener an einer Demenz erkrankten. Die Assoziation war jedoch nicht linear, sondern kurvenförmig. Die höchste Inzidenzrate (IRR) ermittelte Kessing für eine Exposition mit 7 µg/l Lithium im Trink­wasser. Bis zu einer Exposition von etwa 17 µg/l Lithium im Trinkwasser nahm die IRR ab, was die Hypothese einer protektiven Wirkung bestätigt. 

Nicht ins Bild passt hingegen, dass die IRR im Bereich von unter 7 µg/l Lithium abnahm und oberhalb von 17 µg/l Lithium wieder leicht anstieg. Ganz schlüssig scheint die Hypothese von Kessing deshalb nicht zu sein, und die Idee Anreicherung der Trinkwassers mit Lithium, die John McGrath vom Queensland Brain Institute in Brisbane im Editorial ins Gespräch bringt, erscheint spekulativ und ohne jegliche Chance auf eine Umsetzung. Es bleibt abzuwarten, ob weitere epidemiologische Studien die Hypothese bestätigen werden. © rme/aerzteblatt.de

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