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Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge sieht weiter viel Bedarf

Freitag, 25. August 2017

/picture alliance, Joker

Hannover – Das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen sieht weiter einen erheblichen Bedarf für die Versorgung Betroffener. Das hat Vorstandsmitglied Birgit Behrensen heute bei einer Tagung in Hannover anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Netzwerks erklärt. Eingeladen waren 120 Gesprächspartner aus Behörden sowie Mitarbeiter aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich.

Wichtig ist aus Sicht des Netzwerks, dass psychosoziale Störungen bei Geflüchteten früh erkannt werden. In den vergangenen zehn Jahren habe der Verein viele Angebote aufgebaut, damit Betroffene Erlebtes mit fachlicher Hilfe verarbeiten können, hieß es. Eine Diagnose zu stellen, sei aber oft nicht einfach.

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„Kooperationspartner, die uns helfen, sind für die Behörden wichtig“, betonte der Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen, Jens Grote. In seinem Haus gebe es ständig Bedarf, die Fortbildungen des Netzwerks in Anspruch zu nehmen. „Das Angebot wird sehr stark genutzt, zum Beispiel von Mitarbeitern in Kindergärten oder von sozialpsychologischen Diensten“, sagte auch Armin Wühle, der Sprecher des Vereins.

Studien zeigten, dass mehr als ein Drittel der Flüchtlinge traumatisiert hier ankämen, erklärte Grote. „Vor allem die, die über die Route Libyen nach Europa kommen, haben Schreckliches erlebt.“ Flüchtlinge aus Afrika hätten auf ihrem Weg nach Europa ein weitaus größeres Risiko, Opfer eines traumatischen Erlebnisses zu werden, als Syrer oder Iraker.

Anstieg um 35 Prozent

Therapeuten des Vereins behandelten im vergangenen Jahr 917 Patienten, 35 Prozent mehr als noch 2015. Die Menschen aus 35 Ländern kamen etwa in die offene Sprechstunde oder machten eine Therapie. Zu den am häufigsten vertretenen Herkunftsländern der Patienten gehörten nach einer Auswertung des Vereins Afghanistan, Syrien und Irak. Aber auch viele Menschen aus afrikanischen Herkunftsstaaten– etwa von der Elfenbeinküste, aus dem Sudan oder Eritrea – suchten Hilfe.

Weltweit befänden sich nach wie vor zig Menschen auf der Flucht, sagte Doris Schröder-Köpf in Hannover. „Die Suche nach Sicherheit treibt Millionen in der Welt weg aus ihrer Heimat“, machte die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe bei der Tagung klar.

Das Netzwerk will die psychosoziale Versorgung von Migranten deshalb in Zukunft weiter voran bringen. Der Verein habe dafür im Mai das Projekt „RefuKey“ ins Leben gerufen, sagte Vorstandsmitglied Birgit Behrensen heute bei einer Tagung in Hannover. Das Netzwerk hatte anlässlich seines zehnjährigen Bestehens rund 120 Gesprächs­partner aus Behörden und Mitarbeiter aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich eingeladen.

Mit dem Projekt sollen Flüchtlinge zielgerichteter behandelt werden. Geplant ist, dass das Psychosoziale Zentrum des Netzwerks und psychiatrische Kliniken sich, wenn nötig, gegenseitig Patienten überweisen können. Wegen der Nachfrage wurden im vergangenen Jahr über Hannover hinaus auch Angebote in Göttingen, Celle, Cuxhaven und Osnabrück geschaffen. Das Land Niedersachsen stelle dem Netzwerk in diesem Jahr und 2018 jeweils 3,62 Millionen Euro zur Verfügung, erklärte Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) bei der Tagung.

© dpa/aerzteblatt.de

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