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Evidenzbasierte Patienten­informationen können vor unzureichender Beratung schützen

Freitag, 25. August 2017

/Whyona, stock.adobe.com

Berlin – Ausgewogene, evidenzbasierte Patienteninformationen zur Krebsfrüh­er­kennung können Patienten vor unzureichender ärztlicher Beratung schützen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, die in der Fachzeitschrift PLoS ONE (2017; doi:10.1371/journal.pone.0183024) veröffentlicht wurde.

Die Wissenschaftler haben untersucht, welchen Einfluss evidenzbasierte im Vergleich zu nicht evidenzbasierten Patienteninformationen zur Krebsfrüherkennung auf die Entscheidung für oder gegen diese Untersuchung haben, wenn diese im Widerspruch zum ärztlichen Rat stehen.

Entscheidungen abgefragt

Dafür haben sie 897 Personen im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) befragt – einer repräsentativen Multi-Kohortenbefragung am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die regelmäßig Aufschluss über persönliche Einstellungen und politische Ansichten, Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit gibt.

Im persönlichen Interview erhielten die Befragten zuerst entweder evidenzbasierte oder nicht evidenzbasierte Informationen über Nutzen und Schaden einer Krebsfrüh­erkennung sowie über die Kosten der Untersuchung. Anschließend wurden sie gebeten, eine Entscheidung für oder gegen die jeweilig dargestellte Früherkennungs­unter­suchung zu treffen.

Danach wurden die Befragten mit einer nicht evidenzbasierten Empfehlung eines fiktiven Arztes konfrontiert. Diese Empfehlung orientierte sich an realen Empfehlungen aus der medizinischen Praxis und war einseitig, da sie lediglich entweder auf den Nutzen oder den Schaden der Krebsfrüherkennung fokussierte. Außerdem enthielt sie keine numerischen Angaben zur Größenordnung des Nutzens und Schadens. Im Anschluss sollten die Befragten unter Berücksichtigung der ärztlichen Empfehlung ihre Entscheidung überdenken.

Das Ergebnis: Etwa ein Drittel der Befragten, die vorab nicht evidenzbasierte Patienteninformationen erhalten hatten, revidierten ihre ursprüngliche Entscheidung zugunsten der nicht evidenzbasierten Arztempfehlung, wenn diese im Widerspruch zu der Empfehlung stand. Diejenigen, die vorab evidenzbasierte Patienteninformationen erhielten, ließen sich nicht so leicht beeinflussen: Lediglich 16 Prozent – nur noch etwa halb so viele wie diejenigen, die nicht gut informiert wurden – änderten ihre Entscheidung. Ob die Früherkennung als Kassen- oder individuelle Gesundheits­leistung angeboten wurde, hatte keinen Einfluss darauf, wie der ärztliche Rat bewertet wurde.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass evidenzbasierte, verständliche Patienteninformationen Patienten ermächtigen können, informierte und präferenzsensitive Entscheidungen trotz unzureichender Beratung durch den Arzt zu treffen“, sagte Studienautorin Odette Wegwarth vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz. Sie und ihre Kollegen Gerd Gigerenzer und Gert G. Wagner möchten die Studienergebnisse jedoch nicht als Aufruf missverstanden wissen, ärztlichen Empfehlungen generell zu misstrauen.

Eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung sei wichtig, diese sollte aber durch eine evidenzbasierte und transparente Beratung zu Nutzen und Schaden begründet sein. Damit Ärzte diesem Anspruch aber auch tatsächlich gerecht werden können, bedürfe es der verstärkten Integration von statistischer Risikokompetenz in die medizinische Aus- und Weiterbildung, so die Autoren. © hil/sb/aerzteblatt.de

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