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Medizin

SPRINT-Studie: Intensive Blutdrucksenkung kosteneffektiv und für die Patienten verträglich

Freitag, 25. August 2017

stock.adobe.com

Boston/Salt Lake City – Eine intensive Blutdrucksenkung, die in der umstrittenen SPRINT-Studie ältere Menschen mit arterieller Hypertonie vor kardiovaskulären Erkrankungen und einem vorzeitigen Tod geschützt hat, wird von den Patienten nicht als eine zusätzliche Belastung für die körperliche oder mentale Gesundheit empfunden. Die intensive Therapie könnte trotz höherer Kosten durch Arztbesuche und Medikamente kosteneffektiv sein, wie zwei neue Publikationen der SPRINT-Studie im New England Journal of Medicine (2017; 377: 733-744 und 745-755) zeigen.

Die vom US-National Heart, Lung, and Blood Institute gesponserte SPRINT-Studie hatte ergeben, dass eine intensive Blutdrucksenkung auf einen systolischen Zielwert von unter 120 mm Hg Menschen mit einer arteriellen Hypertonie besser vor Myokardinfarkt, anderen akuten Koronarsyndromen, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder einem Herz-Kreislauf-Tod schützt als der von den Leitlinien bisher bevorzugte Zielwert von 140 mm Hg. Auch die Gesamtsterblichkeit der Patienten wurde gesenkt. Dennoch stießen die Ergebnisse in vielen Fachgesellschaften vor allem diesseits des Atlantiks auf Bedenken.

Die Bedenken betrafen zum einen die Verträglichkeit der intensiven Blutdrucksenkung, die häufiger zu Synkopen und Hypotonien und Elektrolytstörungen führt. Dies könnte viele Patienten davon abhalten, ihre Tabletten regelmäßig einzunehmen, und am Ende würde eine schlechte Therapie-Adhärenz die Vorteile der intensiven Blutdrucksenkung wieder infrage stellen.

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Dan Berlowitz von der Universität Boston und Mitarbeiter stellen hierzu jetzt die Ergebnisse aus drei Fragebögen vor, in denen sich die Patienten zu den subjektiven Auswirkungen der Therapie geäußert hatten: Der „Physical Component Summary“ misst die körperlichen Auswirkungen der Behandlung, während der „Mental Component Summary“ die psychischen Folgen der Therapie untersucht.

Der „Health Questionnaire 9-item depression scale“ prüft, ob die Patienten unter depressiven Verstimmungen leiden. In allen drei Fragebögen gab es im Verlauf der Studie keine Verschlechterungen, und die Unterschiede zwischen Patienten unter der Standardbehandlung oder einer intensiveren Blutdrucksenkung waren gering und nicht signifikant. Dies traf auch auf ältere Patienten und solche mit mehreren Begleiter­krankungen zu, betont Berlowitz.

Auch in der Therapieadhärenz gab es keine Unterschiede, und auf eine Frage zu ihrem Gesamteindruck äußerten sich die Patienten unter der intensiveren Blutdrucksenkung häufiger „sehr zufrieden“ als die Vergleichsgruppe. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

Ein weiterer Kritikpunkt zur SPRINT-Studie betraf die Behandlungskosten der intensiven Blutdrucksenkung. Die Patienten benötigten mehr Wirkstoffe und sie wurden monatlich in die Praxis einbestellt, um den Blutdruck zu prüfen und gegebenenfalls die Medikation zu verändern. Unter der intensiven Blutdrucksenkung fallen zusätzliche Labortests an und bei einer Unverträglichkeit können schnell hohe Kosten durch Krankenhausbehandlungen entstehen.

Adam Bress von der Universität von Utah in Salt Lake City und Mitarbeiter haben hierzu eine Mikrosimulation durchgeführt, die am Rechner die Behandlung von 10.000 fiktiven Patienten durchgespielt hat. Die höheren Behandlungskosten wurden den Lebensjahren in guter Lebensqualität (QALY) gegenüberstellt.

Die Patienten gewinnen laut der Studie im Durchschnitt 0,27 QALY. Die Kosten pro QALY betragen etwa 28.000 US-Dollar und liegen damit unter einer Schwelle von 50.000 US-Dollar, die als vertretbar eingestuft wird. Auch vor dem Hintergrund des relativ teuren US-Gesundheitswesens wären die Mehrkosten vertretbar, zumal nach etwa 10 bis 20 Jahren die Kostenersparnis durch die Vermeidung von kardialen Folgekrankheiten der Hochdruckerkrankung die erhöhten Behandlungskosten wieder ausgleichen würde. © rme/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 26. August 2017, 06:40

SPRINT: Birne-Apfel-Vergleich!

Das Autorenteam der hier referierten Publikation hat die zu Grunde liegende SPRINT-STUDIE offenbar weder gelesen, noch verstanden?

Vgl. dazu auf Twitter:
Deutsches Ärzteblatt
@Dt_Aerzteblatt
SPRINT-Studie: Intensive Blutdrucksenkung kosteneffektiv und für die Patienten verträglich: Boston/Salt Lake… https://t.co/gPy8k6kI3q https://t.co/gKXVQ6Q6hD

Thomas G. Schätzler
@ThomasGSchtzler
Mein Kommentar und "Antwort an @Dt_Aerzteblatt
Die SPRINT-STUDIE hatte mit über 20 Items chron.Kranke,Heimbewohner,Diabetiker,Alte,Behinderte,Kreislauf-Labile systematisch ausgeschlossen!"

Und meinen Blog-Beitrag zur SPRINT-STUDIE:
http://news.doccheck.com/de/blog/post/3421-sprint-studie-the-big-swindle/
"Schätzlers Blog auf DocCheck - SPRINT-Studie - „The big Swindle“?
Provokante Frage, zugegeben! Aber ist die viel gelobte SPRINT-Studie, die bei Bluthochdruck-Patienten einen neuen systolischen RR-Zielwert von 120 mmHg statt bisher 140 mmHg vorgeben will, nicht etwas zu kurzsichtig und undifferenziert gedacht? Denn extrem viele Ausschlusskriterien existierten, welche die reale Welt unserer hypertensiologisch betreuten Patienten gar nicht abbilden kann..."

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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