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Politik

FDP regt an, EU wegen Grenzwerten für Luftqualität einzuschalten

Montag, 28. August 2017

Düsseldorf – Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner will die Einhaltung der Grenzwerte für Luftschadstoffe in den Innenstädten zeitlich hinausschieben. Lindner schlug heute in Düsseldorf vor, mit Medizinern und Ingenieuren darüber zu sprechen, ob Grenzwerte in Innenstädten nicht auch später erreicht werden könnten.

Derzeit drohen in zahl­reichen Städten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, weil die von der EU vorgegebenen Grenzwerte für Stickstoffdioxid nicht eingehalten werden.

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Die Bundesregierung solle auf europäischer Ebene Initiativen zu den Grenzwerten ergreifen mit dem Ziel, dass „wir einen langsamen Sinkflug erhalten mit mehr Zwischenschritten“, sagte Lindner. Es gehe auch um eine Frage der Verhältnis­mäßig­keit. Die Luftqualität sei in den vergangenen 25 Jahren besser geworden, so Lindner. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 30. August 2017, 00:37

Lieber Kollege Schätzler

Eigentlich zeigen die Studien nur: Eine hohe Verkehrsbelastung, quantifizert durch die Messung von verkehrsassoziierten Luftschadstoffen, führt zu höheren Ereignisraten - die Studie ist nicht in der Lage, zzuverlässig die Einwirkungen der unterschiedlichen Emissionen zu unterscheiden. So wird zB auch der Lärmbelastung durch den Verkehr eine erhöhte Rate kardialer Ereignisse zugeschrieben - der Lärm wurde in der Studie aber nicht mitgemessen. Verkehrslärm alleine erhöht ja bereits die Infarktrate um 65%
Bei böswilliger Betrachtung der Zahlenwerke könnte man sogar schließen, dass Luftschadstoffe die Übersterblichkeit durch Lärm vermindern...
Allmählich bleiben keine Sterbefälle für die ganzen "errechneten" Zuatzrisiken mehr übrig - Rauchen scheint schon ungefährlicher zu sein als atmen, schaut man sich die Bedrohungsszenarien an!
Am Ende liegt die Übersterblichkeit nur am sozioökonomischen Status der Menschen, die an vielbefahrenen Straßen wohnen...
Die FDP will nicht "mehr Feinstaub", sondern eine konkrete Überprüfung der Grenzwerte und der Art der Ermittlung der Belastungen...
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 29. August 2017, 14:05

FDP will mehr Feinstaub?

Einer Partei, die im Bundestagswahlkampf bundesweit dafür wirbt, eher für Schulranzen als für Aktenkoffer zu sein, selbst aber alle Funktionsträger ständig mit schweren Aktenkoffern herumlaufen lässt, ist ziemlich unglaubwürdig.

Völlig windelweich und unglaubwürdig sind aber die Positionen des FDP-Parteivorsitzenden und Spitzenkandidaten Christian Lindner: Er will die Einhaltung der Grenzwerte für Luftschadstoffe in den Innenstädten "zeitlich hinausschieben"?

Das heißt im "Normal-" und nicht "Politiker-Sprech", dass man sich vor der Automobilindustrie, die sich selbst in den Abgas-Skandal hineingeritten hat, in den Staub wirft, anstatt klare Forderungen, Weisungen und ggf. Strafmaßnahmen anzukündigen: Wenn bestimmte CO2-, Feinstaub- und SO2-Grenzwerte nicht endlich eingehalten werden!

Herrn Christian Lindner von der FDP ins Stammbuch:
Schon lange ist bekannt, dass Feinstaub dem Herzen schadet:
Langfristig wird das Risiko für akute koronare Ereignisse (ACS) durch erhöhte Feinstaubbelastung in der Atemluft gesteigert. In einer prospektiven europäischen Kohorten-Studie, bereits publiziert im British Medical (BMJ) 2014, waren die Risiken schon unterhalb der geltenden Grenzwerte erhöht: "Long term exposure to ambient air pollution and incidence of acute coronary events: prospective cohort study and meta-analysis in 11 European cohorts from the ESCAPE Project"
BMJ 2014; 348 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.f7412 (Published 21 January 2014) von Giulia Cesaroni et al.
http://www.bmj.com/content/348/bmj.f7412

Eine in der Ärzte Zeitung aktuell von Veronika Schlimpert ausgezeichnet referierte Studie bestätigt im kontrollierten, experimentellen Setting die in den letzten Jahren publizierten Arbeiten zur Gefährlichkeit erhöhter Konzentrationen von Feinstaub in der Luft und dem Atherosklerose-Risiko in den Koronararterien, Angina pectoris und/oder Herzinfarkt:
https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/?sid=941796
"Wie Feinstaub dem Herzen schaden könnte - Erstmals konnten Wissenschaftler in einer aufwendigen randomisierten Studie die metabolischen Auswirkungen von Feinstaub aufzeigen. Die Exposition bewirkte bei Gesunden einen Anstieg von Stresshormonen, Stoffwechselprodukten und Blutdruck. Nach Aufstellen eines Luftreinigers gingen die Werte wieder zurück" nimmt Bezug auf:
http://circ.ahajournals.org/content/136/7/618
"Particulate Matter Exposure and Stress Hormone Levels
A Randomized, Double-Blind, Crossover Trial of Air Purification" von Huichu Li et al.

Die ersten Untersuchungen kamen übrigens deshalb aus den USA, weil dort bis heute wesentlich strengere Grenzwerte und juristisch kontrollierte Überwachungen gelten, als im "Alten Europa"! Dort liegt das Limit für den Feinstaub (PM 2,5) bei 12 µg/m3 Luft. In Europa gelten erst PM 2,5-Werte über 25 µg/m3 als bedenklich.

Alles leicht zugängliche, öffentliche Informationsquellen - wenn man sich nur informieren wollte, statt industrienahen Populismus zu verbreiten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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