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Politik

Patientenbeauftragte mahnt, Meldesystem an Krankenhäusern konsequent zu nutzen

Dienstag, 29. August 2017

/spotmatikphoto, stock.adobe.com

Berlin – Angesichts der Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels H. hat die Patientenbeauftragte der Bundesregierung Ingrid Fischbach ein besseres vertrauliches Meldesystem in Krankenhäusern gefordert. Zwar gebe es in den meisten Häusern Fehlermeldesysteme, diese müssten aber auch konsequent umgesetzt werden, sagte Fischbach dem Radiosender hr-Info. Es sei wichtig, dass Menschen, die einen bestimm­ten Verdacht hätten, eine Ansprechstelle hätten, sagte sie. Dorthin könnten sie Vermu­tun­gen melden, ohne Angst haben zu müssen, als „Denunzianten dazustehen“.

Nach neuesten Ermittlungsergebnissen soll Niels H. über Jahre hinweg mindestens 90 Patienten auf Intensivstationen von zwei Krankenhäusern in Niedersachsen ermordet haben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft gestern bekanntgaben, rechnen sie dem schon wegen sechs Taten zu lebenslanger Haft verurteilten Mann weitere 84 Morde zu. Das ergaben jahrelange aufwändige Nachforschungen.

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Die Taten ereigneten sich nach derzeitigem Kenntnisstand zwischen 2000 und 2005. Den Ermittler zufolge könnte die tatsächliche Zahl der von H. begangenen Morde noch weitaus höher sein. In vielen Fällen sei es aber nicht mehr möglich, dies nachzuweisen.

Die Ermittlungen ergaben auch, dass Kollegen und Vorgesetzte an den beiden Arbeits­stellen von H. in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst wegen der auffälligen Häu­fung von Todesfällen schon sehr früh Verdacht schöpften, aber nicht einschritten. Auch die Polizei wurde nicht eingeschaltet. Inzwischen sind deshalb mehrere frühere Verantwortliche der Oldenburger Klinik angeklagt.

Für Forderungen nach weiteren Konsequenzen sei es noch zu früh, sagte Fischbach. Dass in den beiden Kliniken etwas falsch gelaufen sei, „das ist wohl sehr klar“, betonte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium. An welchen Stellen genau Fehler passierten, müsse aber noch herausgefunden werden. Erst dann könnten auch konkrete Verbesserungen erfolgen. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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