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Durch Hurrikan „Harvey“ drohen erhöhte Gesundheitsrisiken

Dienstag, 29. August 2017

/dpa

Miami – Der US-Bundesstaat Texas hat weiter mit den erheblichen Folgen des Hurri­kans „Harvey“ zu kämpfen. Straßen und Stadtviertel in der Millionenstadt Houston sind überflutet. Krankenhäuser wurden evaukiert. Die verunreinigten Hochwasserfluten erhöhen Gesundheitsexperten zufolge zudem die Risiken bakterieller Infektionen und von Moskitos übertragener Krankheiten.

„Wir sprechen hier von Hunderten verschiedenen Typen von Bakterien und Viren“, sagte Ranit Mishori von der medizinischen Fakultät der US-Universität Georgetown. Robert Glatter, Notarzt am New Yorker Lenox-Hill-Krankenhaus, warnte besonders vor dem erhöhten Risiko, an Cholera zu erkranken. „Die Ausbreitung von Cholera ist eine der schwerwiegendsten Gefahren nach jeder Naturkatastrophe, aber besonders nach Überflutungen infolge eines Hurrikans.“

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Cholera, West-Nil-Fieber, Zika

Cholerabakterien werden durch verunreinigtes Trinkwasser und Essen übertragen und lösen starken Durchfall aus. Glatter warnte zudem vor der Zunahme von Virus­erkran­kungen wie dem West-Nil-Fieber oder Zika. Diese würden von Mücken übertragen, die sich in den stehenden Gewässern ansiedelten.

Mishori erinnerte auch an die Langzeitfolgen des Hurrikans Katrina, der 2005 im US-Bundesstaat Louisiana gewütet hatte. „Eines der Vermächtnisse von Katrina war der Schimmel, von dem Schulen und andere Gebäude über eine lange Zeit hinweg befallen waren“, sagte sie. Zudem hätten Studien erwiesen, dass ein Jahr nach derartigen Katastrophen auch die Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen massiv steige.

Das Nationale Hurrikan­zentrum (NHC) der USA sprach von „beispiellosen Überschwemmungen“. „Harvey“ soll in den kom­menden Tagen nochmals an Stärke zunehmen. Auch für Texas’ Nachbarstaat Loui­si­a­na wurde der Katastro­phen­fall ausgerufen.

Derzeit bewege sich der Sturm nur sehr langsam vom Fleck, teilte das NHC mit. Er treibe Richtung Meer, werde aber voraussichtlich Mitte der Woche zurück­kehren und noch mehr Regen mit sich bringen. Zuvor hatte das Hurrikanzentrum bereits erklärt, die Auswir­kun­gen des Sturms überstiegen „alle Erwartungen“. Der Chef des Nationalen Wetter­dienstes, Louis Uccellini, sagte bei einer Pressekonferenz in Washington, die weitere Entwicklung des Sturms sei „schwer vorherzusagen“. Die Überschwemmungen würden ihren Höhepunkt vermutlich heute oder morgen erreichen.

30.000 Flutopfer

Die US-Katastrophenschutzbehörde Fema erklärte, voraussichtlich müssten mehr als 30.000 Flutopfer in Notunterkünften untergebracht werden. Fema-Chef Brock Long sprach von einem Unwetter historischen Ausmaßes. „Harvey“ könnte den Voraussagen zufolge weiter ostwärts und ins Landesinnere ziehen. US-Präsident Donald Trump rief gestern für den an Texas angrenzenden Bundesstaat Louisiana den Katastrophenfall aus. Damit können Bundesmittel zur Behebung der zu erwartenden Sturmschäden freigegeben werden. Am Wochenende hatte der US-Präsident bereits den Katastro­phen­fall für Texas ausgerufen.

Der Dauerregen sorgte unter anderem in Houston, der viertgrößten Stadt der USA, für Überflutungen. Binnen 24 Stunden waren dort 60 Zentimeter Regen gefallen. In der Stadt leben rund 2,3 Millionen Menschen, in der Metropolregion mehr als sechs Millionen.

Zwei Krankenhäuser in Houston mussten evakuiert werden. Auch die wichtigs­ten Schnellstraßen waren von den Überschwemmun­gen betroffen. Der Flug­betrieb an den beiden Flughäfen der texanischen Metropole kam zum Erlie­gen, darunter auch das vielgenutzte Luftverkehrsdrehkreuz George Bush Intercontinental Airport. Der Sturm traf auch die Ölindustrie an der US-Golfküste. Mehrere Raffinerien, darunter die landes­weit zweitgrößte Anlage in Baytown, mussten schließen.

In Houston wurden innerhalb von 15 Stunden 56.000 Notrufe registriert – sieben Mal mehr als üblich. Die städtische Katastrophenschutzbehörde forderte die Einwohner auf, sich aufs Dach zu retten, wenn das oberste Stockwerk ihres Hauses nicht mehr sicher sei. Mehr als 2.000 Menschen wurden bislang per Hubschrauber aus überfluteten Stadtvierteln gerettet.

Der Sender ABC zeigte Bilder eines Vaters und seines sechsjährigen Sohnes, die per Hubschrauber aus dem zweiten Stock ihres Hauses gerettet wurden. Beide trugen nur einen Rucksack bei sich. An den Rettungseinsätzen vor Ort beteiligten sich außer Feuerwehr und Polizei auch Tausende Nationalgardisten sowie die Zivilbevölkerung. Houstons Bürgermeister Sylvester Turner wies Vorwürfe zurück, dass Evakuierungen zu spät veranlasst worden seien. Zahlreiche Menschen aus ihren Häusern hinaus auf die Straßen zu schicken, werde nicht leichtfertig angeordnet, sagte er vor Journalisten. Der texanische Gouverneur Greg Abbott sagte, die Lage werde sich weiter verschlimmern. Schon jetzt gingen die Schäden „in die Milliarden“.

Stärkster Wirbelsturm seit zwölf Jahren

„Harvey“ war am Freitag als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie in Texas auf Land getroffen. Es war der stärkste Wirbelsturm auf US-Festland seit zwölf Jahren. Später wurde er zwar auf einen Tropensturm herabgestuft, brachte allerdings weiter heftige Regenfälle mit sich. Mindestens drei Menschen kamen bislang ums Leben. Meldungen über weitere Todesfälle wurde zunächst nicht offiziell bestätigt.

Präsident Trump will heute die betroffenen Gebiete besuchen, wie das Weiße Haus ankündigte. Im Kurzbotschaftendienst Twitter hatte der Präsident zuvor geschrieben, er werde erst nach Texas reisen, wenn dies „keine Störung“ des Katastropheneinsatzes verursache. Der Schwerpunkt müsse „auf Leben und Sicherheit liegen“. © afp/aerzteblatt.de

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