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Medizin

Implantierter Herzmonitor erkennt Vorhofflimmern

Dienstag, 29. August 2017

/dpa

New York – Ein daumengroßer Herzmonitor, der unter die Haut implantiert wird und bis zu drei Jahre lang die Herzaktivität aufzeichnet, erkennt häufig Episoden des Vorhofflimmerns, die beim konventionellen Langzeit-EKG übersehen werden. In einer Risikogruppe älterer Menschen, von denen die meisten über unspezifische Symptome geklagt hatten, nahm der Anteil der Patienten mit dokumentiertem Vorhofflimmern über die Zeitdauer von 30 Monaten kontinuierlich zu. Dies geht aus einer Studie hervor, die anlässlich des Europäischen Kardiologie-Kongresses in Barcelona in JAMA Cardiology (2017; doi: 10.1001/jamacardio.2017.3180) veröffentlicht wurde.

Vorhofflimmern ist nicht nur eine der häufigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Das Vorhofflimmern eröffnet auch die Möglichkeit, ischämische Insulte durch eine prophylaktische Therapie mit Antikoagulanzien (wenn auch mit dem Risiko von schweren Hirnblutungen) zu verhindern.

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Da das Vorhofflimmern zumeist anfallsweise auftritt, ist die Diagnose schwierig. Der Anteil der Patienten, bei denen die Diagnose gelingt, steigt mit der Dauer der EKG-Aufzeichnungen. Die Möglichkeiten eines Langzeit-EKGs waren jedoch durch die notwendige Verkabelung und das Tragen eines externen Monitors begrenzt. Üblicherweise werden die Aufzeichnungen auf 24 Stunden oder wenige Tage begrenzt. 

Ein implantierbarer Herzmonitor kann dagegen die Herzaktivität über Monate aufzeichnen. Das Gerät von der Größe eines USB-Sticks wird unter lokaler Betäubung über einen wenige Zentimeter langen Schnitt im Brustbereich unter der Haut implantiert. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und ist ambulant möglich. Das EKG kann jederzeit beim Arzt per Funk ausgelesen werden. Die Tragezeit ist lediglich von der Betriebszeit der Batterie eingeschränkt, die derzeit bei etwa drei Jahren liegt. 

Insgesamt 57 Zentren aus sieben Ländern (mit deutscher Beteiligung) haben in den letzten Jahren einen implantierbaren Herzmonitor an Patienten untersucht, die aufgrund eines CHADS2-Score ein erhöhtes Risiko auf ein Vorhofflimmern haben. Der CHADS2-Score schätzt das Risiko aufgrund von verschiedenen Faktoren wie Herzinsuffizienz (C), Hypertonie (H), hohem Alter (A), Diabetes mellitus (D) oder einen vorangegangenen Schlaganfall (S2). Er ist allerdings in seiner Vorhersagekraft begrenzt.

Experten hoffen, dass die implantierbaren Herzmonitore die Vorhersage verbessern. Die 385 Teilnehmer der Studie hatten einen CHADS2-Score von 3 oder bei weiteren Begleiterkrankungen von 2. Etwa 90 Prozent hatten unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Luftnot oder Herzklopfen angegeben, die durch ein Vorhofflimmern ausgelöst werden können. 

Die jetzt von James Reiffel, Columbia University College of Physicians and Surgeons, New York, und Mitarbeiter vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die Inzidenz von Episoden des Vorhofflimmerns mit einer Mindestdauer von mindestens sechs Wochen tatsächlich ansteigt, je länger der Herzmonitor bei den Patienten implantiert war: Nach 30 Tagen hatten die Geräte bei 6,2 Prozent der Patienten mindestens eine Episode registriert. Nach sechs Monaten war der Anteil auf 20,4 Prozent, nach 24 Monaten auf 27,1 Prozent und nach 39 Monaten auf 40,0 Prozent gestiegen. Die Häufigkeit der Episoden lag um 60 Prozent höher als die Autoren zu Beginn der Studie vermutet hatten.

Nicht jede kurze Episode löst einen Schlaganfall aus. Voraussetzung ist, dass sich im linken Vorhof ein Gerinnsel bildet, dass dann bei wieder einsetzender Vorhofaktivität über die Halsschlagader ins Gehirn katapultiert wird. Die Herzmonitore werden es den Kardiologen in den nächsten Jahren vermutlich ermöglichen, das Risiko besser als bisher abzuschätzen. 

Der nächste Schritt besteht dann darin, das Risiko zu ermitteln, ab dem eine Antiko­agulation sinnvoll ist, weil der Nutzen, der in der Vermeidung von ischämischen Schlaganfällen besteht, größer ist als die Risiken, die sich aus dem Auftreten von schweren Blutungen, unter anderem im Gehirn ergeben. Die ARTESiA-Studie und die NOAH-AFNET 6-Studie (für Träger von implantierten Schrittmachern oder Defibrillatoren, die ebenfalls das EKG aufzeichnen) untersuchen derzeit diese Fragen. © rme/aerzteblatt.de

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