NewsPolitikDeutsches Rotes Kreuz und AOK rufen nach mehr Kompetenzen für Notfallsanitäter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Deutsches Rotes Kreuz und AOK rufen nach mehr Kompetenzen für Notfallsanitäter

Mittwoch, 30. August 2017

/benjaminnolte, stock.adobe.com

Stuttgart – Mit der Einführung der dreijährigen Ausbildung zum Notfallsanitäter 2014 wollte die Bundesregierung Rettungsdienstmitarbeiter besser ausbilden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Baden-Württemberg und die AOK Baden-Württemberg haben sich nun für deutlich mehr Kompetenzen ausgesprochen. Beide verlangen in einem gemeinsamen Schreiben an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU), die bestehenden „unzureichenden bundesgesetzlichen Vorgaben“ zu beseitigen. Die Bundespolitik müsse schnellstmöglich die Rahmenbedingungen schaffen, damit das Notfallsanitätergesetz nicht ins Leere laufe.

„Unsere neuen Notfallsanitäter werden in drei Jahren fit gemacht, um im Notfalleinsatz kompetent helfen zu können. Sie dürfen es aber nicht“, stellten die Präsidenten der beiden DRK-Landesverbände in Baden-Württemberg, Lorenz Menz und Jochen Glaeser, fest. „Wir stehen mit dafür ein, dass unseren Versicherten im Notfall schnell und kompetent geholfen wird“, sagte Christopher Herrmann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Wenn gut ausgebildete Notfallsanitäter vor Ort seien und ihr Wissen nicht anwenden dürften, müsse das geändert werden.

Anzeige

Klare Vorgaben vom Gesetzgeber

Wie AOK und DRK erläuterten, bilden zwischen allen Rettungsdienstschulen und den zuständigen Ministerien abgestimmte Handlungsempfehlungen die Grundlage der Ausbildung in Baden-Württemberg. In diesen ist ein standardisiertes Vorgehen in 19 Notfallsituationen geregelt – vom Kreislaufstillstand über den Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zum schwerverletzten Unfallopfer. Diese Algorithmen sähen bei einem Teil der Krankheitsbilder invasive Maßnahmen vor, die aufgrund der aktuellen Rechtslage nur von einem Arzt selbst durchzuführen oder von ihm zu delegieren sind, heißt es vom Deutschen Roten Kreuz.

Die derzeitige Rechtslage ließe nicht zu, dass Notfallsanitäter selbstständig handeln können, auch nicht in eingeschränktem Rahmen, betonte die AOK Baden-Württemberg. Es gehe nicht darum, einen Arzt zu ersetzen, aber bei klaren Diagnosen in der Notfallmedizin müsse der Notfallsanitäter fachkundig handeln dürfen. „Darunter fällt auch die Gabe von bekannten und erlernten Notfallmedikamenten“, findet die AOK. Die Kasse erwartet vom Gesetzgeber klare Vorgaben, welche Diagnosen Notfallsanitäter stellen und welche Maßnahmen sie vornehmen dürften. Außerdem sei zu klären, welche Medikamente von Notfallsanitätern verabreicht werden könnten, hieß es.

Auch die DRK betonte, es gehe nicht darum, den Notarzt im Rettungsdienst-System abzuschaffen. Er werde bei lebensbedrohlichen Notfällen weiterhin gebraucht. Es sei aber die Frage zu stellen, ob zum Beispiel bei der Versorgung einer unkomplizierten Hypoglykämie ein Notarzt notwendig sei, so die DRK. Auch bei der Versorgung eines nicht vital bedrohten Patienten mit einem frischen Schlaganfall sehe man keine Notwendigkeit dafür, dass der Notfallsanitäter auf den Notarzt warten müsse.

„Hier geht es vielmehr darum, den Betroffenen unter kompetenter Betreuung schnellstmöglich in eine geeignete Klinik zu transportieren. In einer solchen Situation gilt: ,Time is Brain'“, erklärte das DRK, das fordert, den Notarztindikationskatalog der Bundes­ärzte­kammer zu überprüfen.

DRK und AOK erwarten von einer Ausweitung der Kompetenzen für Notfallsanitäter unter anderem eine Entlastung des Notarztsystems. Darüber hinaus könne eine schnellere Versorgung der Bevölkerung bei gleichbleibendem Versorgungsniveau erreicht werden. Nicht zuletzt würden die Attraktivität des Berufsbildes und die Motivation der Mitarbeiter gesteigert.

© may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #61666
stschaller
am Mittwoch, 30. August 2017, 22:18

Wieder keine Ahnung

"Versorgung eines nicht vital bedrohten Patienten mit einem frischen Schlaganfall sehe man keine Notwendigkeit dafür, dass der Notfallsanitäter auf den Notarzt warten müsse"... Das ist schon heute so - zumindest gibt es bei uns eine derartige Anweisung. Und welche weitere Kompetenz braucht ein Notfallsanitäter denn für diese Transportbegleitung? Keine...
LNS

Nachrichten zum Thema

23. Mai 2019
Berlin – Der Bundesrat hat die Bundesregierung dazu aufgerufen, endlich mehr gegen Gaffer zu unternehmen. Wie die Länderkammer in einer Unterrichtung mitteilte, soll der Bundestag die
Bundesrat will Gaffer endlich bekämpfen
17. Mai 2019
Aachen – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) macht sich für die landesweite Einführung des Aachener Telenotarzt-Modells stark, bei dem ein Notarzt in der Leitstelle Rettungssanitäter vor
Telenotarzt soll in Nordrhein-Westfalen landesweit eingeführt werden
10. Mai 2019
Hannover – Schwere Verbrennungen bei Kindern werden in den meisten Fällen durch heiße Flüssigkeiten verursacht. Das geht aus Zahlen hervor, die die Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV)
Kleinkinder erleiden besonders häufig schwere Verbrühungen
3. Mai 2019
Winnenden – Heute gelten die bundesweiten Notfallnummern 110 und 112 in Deutschland als Selbstverständlichkeit. Vor 50 Jahren sah das noch anders aus. Die Einführung der Nummern geht auf einen
Tragischer Tod stand am Anfang der bundesweiten Notrufe 110 und 112
30. April 2019
Berlin – Die Berliner Charité konzentriert ihre Notfallversorgung für Kinder ab dem 1. Juli auf ihrem Campus Virchow-Klinikum im Stadtteil Wedding. Die spezielle Versorgung von Kindern am Campus
Charité schließt Notfallversorgung für Kinder in Steglitz
25. April 2019
Dresden – Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sollen bis Herbst dieses Jahres ein neues Spezialfahrzeug für Patienten mit gefährlichen Infektionskrankheiten erhalten. Es soll Betroffene aus den drei
Neuer Rettungswagen für gefährliche Infektionskrankheiten
9. April 2019
Hamburg/Bad Segeberg – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hamburg hat ihre vierte Notfallpraxis eröffnet. Sie befindet sich am Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift. Die Ärzte dort übernehmen
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER