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Ärzteschaft

Die Patienten sind mit ihren Ärzten zufrieden

Mittwoch, 30. August 2017

/Monkey Business, stock.adobe.com

Berlin – Die Patienten in Deutschland sind mit der Versorgung in den Praxen nieder­gelassener Ärzte zufrieden. Das ergaben zwei Umfragen, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in Auftrag gegeben hatte und deren Ergebnisse sie heute in Berlin vorstellte. Zwischen dem 15. Mai und dem 27. Juni befragte die Forschungs­gruppe Wahlen 6.000 Versicherte am Telefon, die Patientenprojekte GmbH führte im selben Zeitraum eine qualitative Studie durch und diskutierte in Dresden, Hamburg, Münster und München mit jeweils acht Patienten über versorgungsrelevante Themen.

Danach bezeichneten von den am Telefon Befragten 90 Prozent das Vertrauens­verhält­nis zu ihren Ärzten als „gut“ oder „sehr gut“. 92 Prozent der Patienten entwi­ckel­ten aufgrund der Erklärungen des Arztes ein besseres Verständnis für ihre Erkran­kung. Die Zahl der Arztbesuche ist in Deutschland seit Beginn der Versichertenbefra­gung im Jahr 2008 konstant hoch. Damals suchten 30 Prozent der Patienten ein- bis zweimal im Jahr einen Arzt auf, 55 Prozent drei- bis zehnmal und 15 Prozent mehr als zehnmal. 2017 gingen 32 Prozent der Befragten ein- bis zweimal zum Arzt, 51 Prozent drei- bis zehnmal und 16 Prozent mehr als zehnmal.

Patienten spüren Engpässe in der fachärztlichen Versorgung

Befragt nach den Wartezeiten auf einen Termin antworteten 42 Prozent, sie hätten nicht warten müssen oder eine Praxis ohne Terminvergabe besucht, 16 Prozent erklär­ten, sie hätten bis zu drei Tage und 40 Prozent, sie hätten mehr als drei Tage auf einen Termin warten müssen. Dabei glichen sich, wie die KBV betonte, die Wartezeiten von gesetzlich und privat Krankenversicherten an. So mussten 15 Prozent der gesetzlich Versicherten länger als drei Wochen auf einen Termin warten und elf Prozent der privat Versicherten. Für zu lang hielten 19 Prozent aller Befragten die Wartezeit auf einen Termin.

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73 Prozent der Befragten halten der Umfrage zufolge die Zahl der Hausärzte an ihrem Wohnort für ausreichend, 51 Prozent die Zahl der Fachärzte. Auf die Frage, wohin sie sich wenden, wenn sie nachts oder am Wochenende ärztliche Hilfe benötigen, antwor­te­ten 47 Prozent der Patienten, dass sie in dem Fall eine Krankenhausambulanz auf­suchen, 24 Prozent rufen den Notarzt oder Rettungsdienst, 20 Prozent nehmen den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Anspruch und drei Prozent den Hausarzt.

Video-Interview

Was aus der Versichertenbefragung 2017 der KBV für die Gesundheitsversorgung in Gegenwart und Zukunft gelernt werden kann, erklärt Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV im Video-Interview.

Ein Viertel rief den Notarzt

Im Vergleich dazu wandten sich 2006 nur 29 Prozent der Patienten in den sprechstun­denfreien Zeiten ans Krankenhaus, 25 Prozent riefen Notarzt oder Rettungsdienst, 25 Prozent suchten den ärztlichen Bereitschaftsdienst und 15 Prozent ihren Hausarzt auf. Die Nummer des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes, die 116117, kennen nur 29 Prozent der Befragten.

Gefragt wurde in diesem Jahr auch nach der Inanspruchnahme von Gesundheits-Apps. Zwar nutzen zurzeit nur 18 Prozent der Smartphonebesitzer solche Apps. 61 Prozent halten jedoch ein Gütesiegel für diese Anwendungen für wichtig oder sehr wichtig.

Mehr Kontakte in der Krankenhausambulanz

Als erfreulich bezeichnete der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen die Ergeb­nisse der Versichertenbefragung. Generell zeigten die beiden Befragungen, dass die Versicherten mit der Gesundheitsversorgung sehr zufrieden seien und ihren Ärzten und Psychotherapeuten ein großes Vertrauen entgegenbrächten. Nicht befriedigend seien hingegen die Zahlen der Inanspruchnahme des vertragsärztlichen Bereitschafts­dienstes und der Notfallambulanzen an den Krankenhäusern.

„Wenn fast die Hälfte der Befragten zu sprechstundenfreien Zeiten automatisch in die Krankenhausambulanzen strömt und knapp 70 Prozent die bundesweite Rufnummer 116117 nicht kennen, weist das auf ein strukturelles Problem hin“, sagte Gassen. „Hier müssen wir nachlegen.“ Die Systeme müssten so aufeinander abgestimmt werden, dass keine unnötigen Doppel- oder Dreifachstrukturen unterhalten würden. „Das können wir uns auf Dauer nicht leisten“, so Gassen.

Die Patienten müssten auf der für ihre Erkrankung jeweils angemessenen Versorgungs­stufe versorgt werden. Dieses Problem lasse sich nicht mit einer „kritiklosen Öffnung der Krankenhäuser“ lösen, wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) das fordere. Die KBV sei zurzeit mit dem Marburger Bund in engen Gesprächen darüber, wie die Patienten sinnvoll gesteuert werden könnten.

KBV will eigene Notfall-App entwickeln

Die guten Ergebnisse zur Kommunikation zwischen Arzt und Patient nahm der stell­vertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Stephan Hofmeister, zum Anlass, vor Fehl­informationen aus dem Internet zu warnen. Dass sich die Patienten über ihre Erkran­kung informierten, sei zwar einerseits zu begrüßen. Andererseits entstünden Probleme, weil Patienten Informationen falsch einschätzten oder unseriöse Quellen benutzten. Die KBV beteilige sich deshalb an der Allianz für Gesundheitskompetenz, die kürzlich vom Bundesministerium für Gesundheit ins Leben gerufen wurde. „Darüber hinaus planen wir, eigene und gut aufbereitete Informationen im Internet bereitzustellen“, erklärte Hofmeister.

Die Digitalisierung im Gesundheitsbereich sei eine Chance, die Versorgung zu verbes­sern, betonte KBV-Vorstand Thomas Kriedel. Die KBV sehe aber auch die Notwendig­keit, die Patienten für die Nutzung dieser Anwendungen zu sensibilisieren. Neben der Verlässlichkeit der Informationen aus dem Internet betreffe das auch die Datensicher­heit. Darüber hinaus kündigte Kriedel an, dass die KBV in absehbarer Zeit eine eigene Notfall-App entwickeln wolle, die mit der 116117 verbunden und zum zentralen Wegweiser für die Patienten werden solle, um die richtige Versorgungsebene ansteuern zu können. © HK/aerzteblatt.de

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