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Medizin

Ibuprofen erhöht Blutdruck bei Arthrosepatienten

Mittwoch, 30. August 2017

/samjonah, stock.adobe.com

Zürich – Eine Behandlung mit dem nichtsteroidalen Antirheumatikum (NSAR) Ibu­pro­fen hat in einer randomisierten Studie den Blutdruck von Arthrosepatienten stärker erhöht als die Behandlung mit Naproxen oder Celecoxib. Die Unterschiede waren laut einer Publikation im European Heart Journal (2017; doi: 10.1093/eurheartj/ehx508) gering, sie könnten jedoch auf Dauer das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Die Daten, die Frank Ruschitzka vom Universitätsspital Zürich jetzt auch auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Barcelona vorgestellt hat, stammen aus der PRECISION-ABPM-Studie. Es handelt sich um eine vorausgeplante Substudie der PRECISION-Studie, die auf Veranlassung der US-Arzneibehörde die kardiovaskulären Auswirkungen der drei NSAR verglichen hatte. An der PRECISION-Studie hatten fast 25.000 Patienten teilgenommen, die wegen starker Gelenkbeschwerden (Arthrose oder rheumatoide Arthritis) täglich ein NSAR einnahmen: Je ein Drittel der Patienten erhielt Celecoxib (2x 100–200 mg täglich), Ibuprofen (3x 600–800 mg täglich) oder Naproxen (2x 375–500 mg täglich).

Die im vergangenen Dezember veröffentlichten Ergebnisse der PRECISION-Studie hatten gezeigt, dass der primäre Endpunkt – ein Composite aus kardiovaskulärem Todesfall, Herzinfarkt oder Schlaganfall – während der 34-monatigen Behandlung bei den Anwendern von Ibuprofen am häufigsten aufgetreten war: 218 Patienten (2,7 Prozent) waren erkrankt gegenüber 201 Patienten (2,5 Prozent) in der Naproxen-Gruppe und 188 Patienten (2,3 Prozent) in der Celecoxib-Gruppe. 

Die Unterschiede waren zwar nicht signifikant, doch die jetzt vorgestellten Ergebnisse der PRECISION-ABPM-Studie könnten eine Erklärung für ein möglicherweise doch erhöhtes kardiovaskuläres Risiko von Ibuprofen liefern.

Die Substudie umfasste 444 Patienten, bei denen zu Beginn der Studie und nach vier Monaten eine 24-Stunden Blutdruckmessung durchgeführt wurde.

Blutdruck steigt am stärksten in Ibuprofen-Gruppe

Der Vergleich der beiden Messungen ergab, dass Celecoxib den systolischen Blutdruck im Schnitt um 0,3 mmHg senkte (diastolischer Wert plus 0,2 mmHG), während er unter Naproxen um 1,6 mmHg (diastolischer Wert plus 0,7 mmHg) anstieg. Die größte Veränderung gab es in der Ibuprofen-Gruppe. Dort stieg der systolische Blutdruck durchschnittlich um 3,7 mmHg und der diastolische Wert um 0,8 mmHg. Der Anstieg war nur für den systolischen Blutdruck von Ibuprofen statistisch signifikant, weshalb es für Ruschitzka der problematische der drei Wirkstoffe ist. 

Eine weitere Analyse ergab, dass in der Ibuprofen-Gruppe 23,2 Prozent der Patienten, die zu Beginn der Studie einen normalen Blutdruck hatten, im Verlauf der Behandlung eine Hypertonie entwickelten. In der Naproxen-Gruppe waren es 19,0 Prozent und in der Celecoxib-Gruppe 10,3 Prozent. Die Unterschiede zwischen der Ibuprofen-Gruppe und der Naproxen-Gruppe auf der einen Seite und der Celecoxib-Gruppe auf der anderen Seite waren signifikant. 

Die Ergebnisse zeigen nach Einschätzung von Ruschitzka, dass Ibuprofen „eindeutig nicht so sicher“ sei wie früher gedacht. Dabei ist das Mittel, wie auch Naproxen, rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Gerade für ältere Patienten, die häufig unter Arthrose und hohem Blutdruck litten, seien die Ergebnisse von grosser klinischer Bedeutung, meint Ruschitzka. Denn eine Senkung des Blutdrucks um nur 2 mmHg verringere das Infarktrisiko um zehn Prozent und das Mortalitätsrisiko bei koronarer Herzkrankheit um sieben Prozent. © rme/aerzteblatt.de

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