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Medizin

Adipositas: Studie findet Mangel an Sättigungshormonen im Darm

Donnerstag, 31. August 2017

/D. Ott, stock.adobe.com

Liverpool – Eine verminderte Bildung von Sättigungshormonen im Darm könnte für das späte Sättigungsgefühl von Menschen mit einer Adipositas verantwortlich sein. Eine Studie in Scientific Reports (2017; doi: 10.1038/s41598-017-08487-9) zeigt auch, dass bariatrische Operationen die Hormonproduktion normalisieren, was die schnelle Gewichtsreduktion erleichtern könnte.

Etwa 1 Prozent der Schleimhautzellen in Magen und Darm sind nicht direkt an der Resorption der Nahrung beteiligt. Sie registrieren vielmehr den Füllungszustand des Darms und die Zusammensetzung des Speisebreis. Sie sezernieren dann Hormone, die die Verdauung regulieren. Es gibt I-Zellen, die Cholecystokinin (CCK) freisetzen, und L-Zellen, die das Peptid YY (PYY) oder die Glucagon-ähnlichen Peptide 1 und 2 (GLP-1, GLP-2) produzieren. Die X/A-Zellen des Magens bilden das Hormon Ghrelin. Diese Hormone haben unterschiedliche Funktionen. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie im Gehirn ein Sättigungsgefühl induzieren.

In ihrer Gesamtheit sind diese entero-endokrinen (früher entero-chromaffinen) Zellen vermutlich die größte Hormondrüse des menschlichen Körpers. Ein Team um Soraya Shirazi-Beechey von der Universität Liverpool hat jetzt untersucht, wie sich die Hormon­produktion von schlanken und adipösen Menschen unterscheidet und welchen Einfluss die Sleeve-Gastrektomie hat. 

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Die Sleeve-Gastrektomie (Schlauchmagen) hat sich in den letzten Jahren zu einer der häufigsten bariatri­schen Operationen entwickelt. Sie ist weniger eingreifend als der Roux-en-Y-Magen­bypass, erzielt aber ebenfalls eine gute Gewichtsreduktion. Bei der Sleeve-Gastrekto­mie wird der Magen bis auf ein schlauchförmiges Reservoir verkleinert. Die Verbindung mit dem Duodenum bleibt aber erhalten. Der Roux-en-Y-Magenbypass verbindet dagegen den verkleinerten Magen mit dem Dünndarm, in den weiter unten das Duodenum mündet. 

Die Sleeve-Gastrektomie wird heute zumeist laparoskopisch durchgeführt, so auch am Claraspital Basel. Dort wurden die stark übergewichtigen Patienten operiert, deren Blut- und Gewebeproben die Forscher vor und zum Teil auch nach der Operation untersuchen konnten. Als Kontrollgruppe dienten 24 Normalgewichtige, die sich aus anderen Gründen einer Magenspiegelung unterzogen hatten.

Die Laboruntersuchungen ergaben, dass die adipösen Patienten nach einer Mahlzeit eine verminderte Konzentration von CCK, GLP-1, PYY und vor allem von Ghrelin im Blut hatten. Dies könnte erklären, warum sie länger hungrig sind und mehr Nahrung zu sich nehmen, als sie benötigen.

Drei Monate nach der Operation war die Konzentration der Sättigungshormone im Blut deutlich angestiegen. Shirazi-Beechey vermutet, dass diese hormonellen Änderungen neben der Behinderung der Nahrungszufuhr durch das kleinere Magenreservoir an der guten Wirkung der Operation beteiligt ist.

Die Untersuchung der Gewebeprobe zeigte, warum die Produktion der Sättigungs­hormo­ne vermindert war. Die Zahl der enteroendokrinen Zellen in der Schleimhaut war bei den adipösen Patienten deutlich niedriger als bei den Normalgewichtigen. Auch hier kam es nach der Operation zu einer Normalisierung. Die Forscher können die Veränderung bis auf die Ebene der Stammzellen zurückführen, aus denen sich die entero-endokrinen Zellen regenerieren. 

Offen bleibt aber, warum die Adipositas zu einer Rückbildung der entero-endokrinen Zellen führt und ob sich die Entdeckung für die Entwicklung neuer Behandlungen eignet, die die Sleeve-Gastrektomie einmal überflüssig machen könnten.

Die Forscher werben für ein wenig Mitgefühl mit betroffenen Patienten. Wenn es erst einmal zur Adipositas gekommen ist, könnten Selbstkontrolle und Essdisziplin den Mangel an den Sättigungshormonen häufig nicht mehr ausgleichen. © rme/aerzteblatt.de

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