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Medizin

Typ-2-Diabetes: Liraglutid schützt die Nieren

Freitag, 1. September 2017

/psdesign1, stock.adobe.com

München – Das GLP1-Analogum Liraglutid hat in einer maßgeblichen Endpunktstudie das Auftreten einer permanenten Makroproteinämie verzögert. Die im New England Journal of Medicine (2017; 377: 839–848) vorgestellten Ergebnisse bestätigen eine nephroprotektive Wirkung, die in den letzten Jahren auch bei anderen neueren Anti­diabetika gefunden wurde.

Die Nephropathie gehört zu den schwerwiegenden Komplikationen des Typ-2-Diabe­tes. In Deutschland sind ein Drittel aller Dialysepatienten Diabetiker. Die Erkrankung ist durch eine Schädigung der Nierenkörperchen gekennzeichnet, die zu einem zuneh­menden Eiweißverlust über die Nieren führt. Das Auftreten einer Makroalbuminurie, definiert als der Verlust von mehr als 300 mg Albumin am Tag, ist häufig der Beginn für einen beschleunigten und bisher nicht aufzuhaltenden Verlust der glomerulären Filtra­tionsrate, der schließlich zum Nierenversagen führt.

Mehere Antidiabetika wirken nephroprotektiv

Umso erfreulicher ist es, dass einige neuere Antidiabetika offenbar das Fortschreiten der Nephropathie verlangsamen. Diese Eigenschaft wurde in den letzten Jahren in Endpunktstudien entdeckt, zu denen die US-Arzneibehörde FDA seit einigen Jahren die Hersteller von Diabetesmedikamenten nach der Zulassung verpflichtet. Die Studien haben zwar primär die kardiovaskuläre Sicherheit geprüft, die sekundäre Analyse der Daten hat jedoch bereits für mehrere Wirkstoffe eine nephroprotektive Wirkung gezeigt, so für die GLP1-Analoga Semaglutid und Lixisenatid. Aber auch in den End­punktstudien zu den SGLT2-Inhibitoren Empagliflozin und Canagliflozin wurden nephro­protektive Effekte dokumentiert.

Der Nephrologe Ian de Boer von der Universität des US-Staates Washington in Seattle spricht deshalb im New England Journal of Medicine bereits vom Beginn eines neuen Kapitels in der Behandlung der diabetischen Nephropathie. De Boer kommentiert eine Auswertung der LEADER-Studie zum GLP1-Analogum Liraglutid, die Johannes Mann vom KfH-Zentrum München-Schwabing und Mitarbeiter jetzt vorstellen.

Die LEADER-Studie hatte 9.340 Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko auf eine Behandlung mit Liraglutid oder Placebo randomisiert. Die Behandlung erfolgte zusätzlich zur Standardbehandlung, zu der bei 83 Prozent der Teilnehmer (auch in der Placebogruppe) die Verordnung von Renin-Angiotensin-System-Inhibitoren gehört, für die in früheren Studien eine nephroprotektive Wirkung nachgewiesen wurde.

Der primäre Endpunkt der Studie, ein Composite aus Makroalbuminurie, Verdoppelung des Serumkreatininspiegels, Niereninsuffizienz im Endstadium oder Tod infolge einer Nierenerkrankung, trat während der Behandlungszeit von 3,8 Jahren in der Liraglutid-Gruppe bei 268 Patienten (5,7 Prozent) auf gegenüber 337 Patienten (7,2 Prozent) in der Placebo-Gruppe. Dies ergibt eine Hazard Ratio von 0,78, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,67 bis 0,92 signifikant ist und einer Reduktion um 22 Prozent entspricht. 

Der Rückgang ging in erster Linie auf eine geringere Anzahl von Patienten zurück, bei denen es zu einer anhaltenden Makroproteinurie kam. Sie wurde in der Liraglutid-Gruppe bei 161 Patienten (3,4 Prozent) und in der Placebo-Gruppe bei 215 Patienten (4,6 Prozent) festgestellt (Hazard Ratio 0,74; 0,60–0,91).

Der Anteil der Patienten, bei denen es zu einer Verdoppelung des Serumkreatinins und zu einer Niereninsuffizienz im Endstadium kam, wurde ebenfalls gesenkt. Das Signifi­kanz­niveau wurde jedoch nicht erreicht, was an der geringen Zahl von Patienten mit diesem Endpunkt gelegen haben könnte, wie Mann vermutet. Auch Todesfälle am Nierenversagen waren insgesamt selten (insgesamt 13 Patienten).

Damit bleibt letzt­lich unbewiesen, dass die Behandlung die Zahl der Dialysebe­handlungen und die Sterblichkeit der Patienten senkt. Unklar ist auch, ob ein ähnlicher Effekt bei anderen Antidiabetika auftritt, die zugelassen wurden, bevor die FDA die Durchführung von Endpunktstudien vorgeschrieben hat. © rme/aerzteblatt.de

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