NewsMedizinStudie: Stillen schützt vor Endometriose
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Stillen schützt vor Endometriose

Freitag, 1. September 2017

/stanislav_uvarov, stock.adobe.com

Boston – Mütter, die ihre Kinder stillen, erkranken später seltener an einer Endo­metriose. Dies ergab eine prospektive Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 358: j3778).

In den USA erkrankt eine von zehn Frauen an einer Endometriose. Die Bildung von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter ist für viele Betroffene mit Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhoe sowie Beschwerden beim Geschlechtsverkehr verbunden. Die Ursachen für die ektope Bildung des Endometriums sind kaum erforscht, auch über mögliche Risikofaktoren ist wenig bekannt. 

Anzeige

Leslie Farland vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter haben deshalb die Daten der Health Study II ausgewertet, die seit 1989 eine Gruppe von mehr als 116.000 Frauen alle zwei Jahre zu ihrem Lebensstil und ihren Erkrankungen befragt. Insgesamt 3.296 Frauen hatten die Diagnose einer laparoskopisch bestätigten Endometriose angegeben. 

Das Forscherteam fand heraus, dass Frauen, die ihre Säuglinge gestillt hatten, später seltener an einer Endometriose erkrankten. Bei Frauen, die ihre Kinder länger als drei Jahre gestillt hatten, kam es zu 184 Erkrankungen pro 100.000 Perso­nenjahre. Bei einer Stillzeit von weniger als einem Monat waren es 453 Endometriosen auf 100.000 Personenjahre. Farland ermittelt eine Hazard Ratio von 0,60, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,50 bis 0,72 signifikant war: Die Frauen konnten also durch langes Stillen ihr Erkrankungsrisiko um 40 Prozent senken. Stillen könnte damit der wichtigste bisher bekannte modifizierbare Risikofaktor für die Endometriose sein.

Das Risiko war „dosis-abhängig“ (was in epidemiologischen Studien ein Argument für die Kausalität ist): Pro drei Monate Stillen verminderte sich das Risiko um 8 Prozent (Hazard Ratio 0,92; 0,90–0,94). Bei einem exklusiven Stillen (ohne Zufüttern) über drei Monate sank das Risiko sogar um 14 Prozent (Hazard Ratio 0,86; 0,81–0,90). 

Der Mechanismus für die protektive Wirkung ist nicht bekannt. Das Ausbleiben der Monatsblutung, die mit dem Stillen verbunden ist, liefert jedoch einen Erklärungs­ansatz. Nach der Sampson-Theorie (benannt nach dem US-Gynäkologen und Erst­beschreiber der Endometriose John Sampson, 1873–1946) ist die Endometriose Folge von „retrograden Menstruationen“, bei der die Gebärmutterschleimhaut über die Eileiter in den Bauchraum gelangt und sich dort ansiedelt. Die aktuelle Studie zeigt denn auch eine inverse Assoziation mit der postpartalen Amenorrhoe: Je später die Monatsblutungen wieder einsetzten, desto seltener kam es zu einer Endometriose. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. August 2020
Bristol – Frauen, die sich während der Stillzeit einer Operation unterziehen müssen, könnten ihr Kind nach dem Aufwachen aus der Narkose ohne Pause weiter stillen. Zu diesem Ergebnis kommen britische
Stillen nach einer Narkose in der Regel sicher für den Säugling
15. Mai 2020
Philadelphia − Die Ernährung von Säuglingen beeinflusst nicht nur die bakterielle Besiedlung des Darms. Eine Untersuchung in Nature (2020; DOI: 10.1038/s41586-020-2192-1) zeigt, dass in den
Gestillte Säuglinge haben weniger Viren im Darm
31. März 2020
Bonn – Die Stillquoten von Müttern in Deutschland liegen bei 82 Prozent für „Stillen überhaupt“ und bei 56 Prozent für „ausschließliches Stillen vier Monate nach der Geburt“. Das zeigt die „Studie zur
Fachgesellschaft lobt hohe Säuglings-Stillquote in Deutschland
23. Oktober 2019
Tokio – Eine frühe Zufütterung mit Kuhmilch in den ersten drei Lebenstagen, eine in Japan weit verbreitete Praxis, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Pediatrics (2019; DOI:
Japan: Kuhmilch in den ersten Lebenstagen führt häufiger zur Nahrungsmittelallergie
17. Oktober 2019
New York – Frauen, die ihr Kind längere Zeit stillen, erkranken im späteren Leben seltener an einem Typ-2-Diabetes oder an einer arteriellen Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in
Lange Stillzeit schützt Frauen vor Diabetes und Hypertonie
4. Juli 2019
Rostock – In den ärmsten Ländern dieser Welt hängen die Überlebenschancen eines Kindes maßgeblich davon ab, wie viel Zeit zwischen seiner Geburt und der Geburt des nächsten Kindes liegt. Teilweise
Größerer Abstand zwischen Geburten senkt Kindersterblichkeit in armen Ländern
18. Juni 2019
Pittsburgh – IgA-Antikörper in der Muttermilch binden im Darm des Säuglings potenzielle Krankheitserreger und können dadurch Darminfektionen in den ersten Lebensmonaten verhindern. Dies zeigt eine
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER