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Mehr als 56 Millionen Euro für die Antibiotikaforschung

Montag, 4. September 2017

/Gino Santa Maria, stock.adobe.com

Berlin – 56,5 Millionen Euro sollen die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika voranbringen. Diese Mittel wurden heute der Globalen Partnerschaft für Antibiotika­forschung und Entwicklung GARDP (Global Antibiotic Research and Development Partnership) in Berlin zugesagt. Bei dem Treffen wiesen GARDP, Bundesregierung und Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) erneut darauf hin, dass die Antibiotikaresistenzen zunehmen und eine dringende Notwendigkeit für die Entwicklung neuer Medikamente besteht.

„In den letzten Jahrzehnten sind kaum neue Antibiotika auf den Markt gekommen. Deshalb haben sich die G20 in diesem Jahr unter deutscher Präsidentschaft dazu verpflichtet, die Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe kraftvoll voranzutrei­ben“, erklärte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU). Diesem Versprechen wolle man nun nachkommen. Die finanzielle Unterstützung von GARDP sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Umsetzung der Berliner Erklärung der G20-Ge­sund­heits­mi­nis­ter, betonte er.

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Kooperationen enorm wichtig

Die GARDP wurde im Mai 2016 als gemeinnützige Forschungs- und Entwicklungs­initiative auf Betreiben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) und der Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi) und unterstützt durch die Bundesregierung und andere Staaten ins Leben gerufen. Von Deutschland erhielt sie ein Startkapital von 1,25 Millionen Euro.  Nun erhöht die Bundesregierung die Förderung für 2016 und 2017 um 1,35 Millionen Euro auf insgesamt 2,6 Millionen Euro aus dem Haushalt des Bundes­gesundheitsministeriums (BMG).

2018 bis 2022 werden jährlich weitere zehn Millionen Euro aus dem Haushalt des Bun­des­for­schungs­minis­teriums zur Verfügung gestellt. „Wir sind fest davon überzeugt, dass in wichtigen Fragen der Gesundheitsforschung bedeutende Fortschritte nur durch nationale und internationale Kooperationen zu erzielen sind“, sagte Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Internationale Produktentwicklungspartnerschaften wie GARDP seien ein wichtiges Instrument, um dringend benötigte neue Antibiotika und Diagnostika erfolgreich und schnell zu entwickeln.

Geld aus aller Welt

Weitere Mittel in Höhe von knapp fünf Millionen Euro werden durch die Niederlande mit zwei Millionen Euro, Großbritannien mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro, die Schweiz mit umgerechnet 440.000 Euro, Südafrika mit umgerechnet 390.000 Euro, Luxemburg mit 100.000 Euro und den Wellcome Trust mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

„GARDP ist äußerst dankbar für diese bedeutende Finanzhilfe, die einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung unserer vier Programme leisten wird“, sagte Manica Balasegaram, Direktor der GARDP, in Berlin. Die Unterstützung ermögliche konkrete Schritte. So wolle man vier neue Therapien bis 2023 bereitstellen und somit zu einer Verbesserung der Lebensqualität aller Patienten beitragen, die bezahlbare und wirk­same neue Antibiotika benötigen.

Vier Programmbereiche

GARDP hat eine Roadmap zur Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten ent­wickelt. Im Rahmen ihrer ersten Partnerschaft mit einem Wirtschaftsunternehmen gab GARDP im Juli Pläne zur gemeinsamen Entwicklung von Zoliflodacin in einer globalen klinischen Phase-3-Studie bekannt. Es handelt sich um eines der wenigen in der Entwicklung befindlichen Medikamente zur Behandlung arzneimittelresistenter Gonorrhö.

Für ein Programm zur Wiederherstellung des Antibiotika-Gedächtnisses konnten über 100 Experten mit entscheidenden Kenntnissen über aufgegebene Antibiotika-Entwick­lungsprojekte gewonnen werden, die für die Entwicklung neuer Antibiotika genutzt werden können.

Ende dieses Jahres will GARDP ihre Arbeit zur Entwicklung neuer Therapien für Säug­linge mit Neugeborenen-Sepsis aufnehmen, ein globales Netzwerk aus Fachzentren einrichten und eine Evidenzbasis für die Anwendung von Antibiotika bei Infektions­krankheiten Neugeborener schaffen.

Die Pädiatrische Antibiotika-Plattform befindet sich noch in der Entwicklung und zielt auf die Verbesserung bestehender Therapien und die Beschleunigung der Entwicklung neuer Antibiotika, die speziell auf Kinder zugeschnitten sind.

Viele Operationen nicht möglich

Gröhe wies erneut darauf hin, dass ohne wirksame Antibiotika auch viele Krebs­therapien, chirurgische Eingriffe und Organtransplantationen nicht durchgeführt werden könnten. Auch die Versorgung von frühgeborenen Kindern sei auf wirksame Antibiotika angewiesen. Gleichzeitig bestehe ein Paradoxum: Obwohl die weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenzen als eine der größten globalen Gesundheits­gefahren gelten, befinden sich kaum neue Wirkstoffe in der Entwicklung.

„Bislang befinden sich in der Pipeline für neue Antibiotika nur sehr wenige bahn­brechen­de Innovationen“, bestätigte Hajime Inoue, Sonderbeauftragter des General­direktors der WHO für Antibiotikaresistenz. Die meisten in den nächsten zu erwar­tenden neuen Antibiotika seien Varianten von bereits existierenden Medikamenten, gegen die sich voraussichtlich schnell Resistenzen entwickeln würden. „Wir müssen weiterhin in neue Modelle zur Unterstützung der Entwicklung neuer Antibiotika investieren, um prioritäre Krankheitserreger, einschließlich Tuberkulose, in den Griff zu bekommen“, appellierte er. © ER/aerzteblatt.de

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