NewsMedizinNotkaiserschnitt: Schnelle Durchführung vermeidet Kindsgefährdung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Notkaiserschnitt: Schnelle Durchführung vermeidet Kindsgefährdung

Mittwoch, 6. September 2017

/GordonGrand, stock.adobe.com

Berlin – Von der Entscheidung zur Notsectio bis zur Entbindung des Kindes (Ent­scheidungs-Entbindungs-Zeit, E-E-Zeit) sollten maximal 20 Minuten vergehen. So empfiehlt es zumindest die Bundesgeschäftsstelle-Qualitätssicherung (BQS) in ihrem Qualitätsreport. In der bisher größten, populationsbezogenen retrospektiven Analyse konnte ein deutsches Forscherteam zeigen, dass dieser Zeitrahmen das Neugeborene tatsächlich schützt. Die Ergebnisse wurden im Deutschen Ärzteblatt publiziert (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 589-96).

Eine Übersichtsarbeit in Obstetrics & Gynecology war im Jahr 2014 zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen eines 30-Minuten Intervalls unklar sei und zudem meist nicht erreicht würde. International gelten 30 Minuten dennoch als übliche Grenze für die E-E-Zeit bei einem Notkaiserschnitt.

Anzeige

Noch besser wäre es jedoch, in geburtshilflichen Abteilungen Strukturen zu schaffen, die eine Notsectio innerhalb von 20 Minuten ermöglichten, lautet das Fazit der Autoren um Günther Heller vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG).

In der Studie hatten die Forscher Daten der Perinatalerhebung von fast 40.000 Neugeborenen aus den Jahren 2008 bis 2015 analysiert. Voraussetzung war, dass einer der Indikationen für einen Notkaiserschnitt zutrafen: pathologische Kardiotokografie (CTG), schlechte Herztöne oder eine Asphyxie. Bei 64,6 Prozent der Fälle führten die Ärzte den Notkaiserschnitt inklusive Entscheidung innerhalb von weniger als zehn Minuten durch, etwa jede dritte Notsectio dauerte bis zu 20 Minuten, nur bei einem Prozent lag die E-E-Zeit bei mehr als 20 Minuten, und bei 0,3 Prozent (n = 120) waren es mehr als 30 Minuten.

Apgar-Punkteschema

  • 9–10 Punkte: optimal lebensfrisches Neugeborenes
  • 5–8 Punkte: deprimiertes, gefährdetes Neugeborenes
  • < 5 akute Lebensgefahr.

Das Wohlergehen der Neugeborenen erfassten die Forscher mit dem Apgar-Score fünf und zehn Minuten nach der Geburt. Das Punkteschema bewertet dabei Atembewegungen, Puls, Muskel­tonus, Aussehen und Reflexe wie Schreien. Ist der Körper nach der Geburt beispielsweise blau oder blass, gibt es null Punkte, sind nur die Extremitäten blau, wäre das mit einem Punkt zu bewerten, vollständig rosa mit zwei Punkten (siehe Kasten). Erniedrigte Apgar-Scores fanden sich seltener bei Kindern, deren Notsectiones innerhalb von 10 beziehungsweise 20 Minuten erfolgten. Die bisher sehr spärliche Evidenz für die E-E-Zeit konnten die Autoren somit festigen. © gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Februar 2019
Sacramento/Kalifornien – Die wenigsten Säuglinge, die in den ersten Lebenswochen mit hohem Fieber in einer Notfallambulanz vorgestellt werden, haben eine schwere bakterielle Infektion, es könnte aber
Fieber: Drei einfache Tests können schwere Infektionen bei Säuglingen (fast immer) ausschließen
5. Februar 2019
Berlin – Die Zahl nächtlicher Einsätze der DRF Luftrettung ist im vergangenen Jahr um zwanzig Prozent gestiegen. Darauf hat die DRF Luftrettung in ihrer Jahresbilanz hingewiesen. Demnach erhöhte sich
Luftrettung fliegt mehr Einsätze bei Dunkelheit
1. Februar 2019
Mühlhausen/Weimar/Eisenach/Hamm – Mehrere Städte in Thüringen haben damit begonnen, ein Netz von Defibrillatoren aufzubauen. In Mühlhausen, Eisenach, Weimar, Suhl, Erfurt und Gera sind sie nun an
Thüringens Städte bauen Netz an Defibrillatoren aus
23. Januar 2019
Ottawa – Nach einer kurzen Bewusstlosigkeit, einer Synkope, muss der Herzrhythmus der Patienten in der Notaufnahme weiter überwacht werden. Die Dauer dieser Überwachung unterscheidet sich in
Arrhythmien treten meistens kurz nach einer Bewusstlosigkeit auf
10. Januar 2019
Seattle – US-Ingenieure haben eine Smartphone-App entwickelt, die bei Opiatanwendern eine Atemdepression erkennt und automatisch einen Notruf sendet. Erste Tests in einem Drogenkonsumraum und im
Smartphone erkennt Opiatüberdosierung an verminderten Atembewegungen
2. Januar 2019
Berlin – Die Feiern zum Jahreswechsel in Deutschland sind vielerorts ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Beim Hantieren mit Feuerwerkskörpern zogen sich allerdings mehrere Menschen zum Teil schwere
Silvester 2019: Abgerissene Finger und Brandopfer
19. Dezember 2018
Baltimore – Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, leiden in den Folgejahren seltener unter Störungen des Beckenbodens, die von Stressinkontinenz bis zum Uterusprolaps reichen. Zu diesem
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER