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Politik

Petitionsausschuss mahnt, die Namen von Euthanasie-Opfern zu veröffentlichen

Dienstag, 5. September 2017

Berlin – Die Namen von rund 30.000 Opfern der NS-„Euthanasie“-Aktion „T4“ könnten schon bald veröffentlicht werden. Eine entsprechende Petition an den Deutschen Bundestag wurde heute vom Petitionsausschuss an die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, „zur Erwägung“ überwiesen.

Die Verfasser der Petition kritisieren, dass das Bundesarchiv die Namen der systematisch ermordeten Opfer bislang nicht veröffentlicht habe. Es sei untragbar, dass die entsprechenden Akten nur unter erschwerten Bedingungen eingesehen werden könnten. Mithilfe der Petition solle die Wahrheit nun endlich ans Licht gebracht und der unschuldig Getöteten gedacht werden. „Andernfalls würde man im Ergebnis die Interessen der Täter unterstützen“, heißt es im Petitionstext.

Keine Datenschutz-Bedenken

Wie aus der Begründung zu der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses hervorgeht, steht Grütters dem Vorschlag positiv gegenüber. Allerdings bestünden noch datenschutzrechtliche Fragen in Bezug auf die Angehörigen der Opfer.

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Andrea Voßhoff, konnte laut einer Stellungnahme keine Gefahr der Persönlichkeitsrechts­verletzung der Angehörigen erkennen. Voraussetzung sei, dass mit den Namen keine weiteren Daten veröffentlicht würden, durch die sich Angehörige den Opfern und etwaigen Erbkrankheiten zuordnen ließen.

„Euthanasie“ kostete 300.000 das Leben

Im Rahmen der „Aktion T4“ wurden zwischen 1939 und 1945 Kranke, Pflegebedürftige und Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen systematisch ermordet. Rund 70.000 von ihnen starben in Gaskammern; geschätzt 90.000 weitere Patienten wurden in Krankenhäusern und Heimen von Ärzten und Pflegern getötet. Insgesamt fielen etwa 300.000 Menschen der NS-„Euthanasie“ zum Opfer. Nur über ein Zehntel von ihnen existieren Akten im Bundesarchiv.

Die Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus ist über 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch nicht vollständig aufgearbeitet. Der Deutsche Ärztetag (DÄT) verabschiedete 2012 mit der „Nürnberger Erklärung“ ein Schuld­eingeständnis im Namen der Ärzteschaft. Der DÄT verpflichtete sich, die historische Forschung weiterhin zu fördern.  Das Projekt „Erinnern heißt gedenken und informieren“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft versuchte von 2014 bis 2016, dieses dunkle Kapitel der Medizingeschichte in leichter Sprache zu vermitteln – unter anderem auch an Menschen mit Behinderungen.

Seit 2014 erinnert der Gedenkort T4 an der Tiergartenstraße 4 in Berlin an die 300.000 Ermordeten. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) startete im Juni 2017 ein Projekt zur Opferforschung. Die MPG will eine biographische Datenbank aufbauen und jene Opfer identifizieren, von denen Hirnpräparate oder -proben zur wissenschaftlichen Forschung genommen wurden. © zag/aerzteblatt.de

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