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Medizin

Mikroglia möglicherweise unterschätzt

Donnerstag, 7. September 2017

Mikrogliazellen in 1.000-facher Vergrößerung
Mikrogliazellen in 1.000-facher Vergrößerung /dpa, Photoshot

Tübingen – Bei Mäusen können Mikrogliazellen ebenso alt werden wie die Tiere selbst. Das berichten Forscher am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Tübingen in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience (2017; doi: 10.1038/nn.4631). 

Die Hauptaufgabe der Fresszellen besteht darin, Krankheitserreger und Abfall zu beseitigen. Die Anzahl der Mikrogliazellen ist im gesunden Gehirn immer etwa gleich. Bislang war in der Wissenschaft aber umstritten, ob es sich bei Mikroglia um kurzlebige Zellen handelt, die sich rasch teilen und erneuern, oder um sich selten teilende, lang­lebige Zellen. Bisherige Studien erlaubten nur indirekte Antworten oder führten zu widersprüchlichen Ergebnissen.

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Für die Studie markierte Erstautorin Petra Füger gezielt einzelne Mikrogliazellen in Mäusen und beobachteten die Zellen im Zeitverlauf unter dem Zwei-Photonen-Mikroskop. Tatsächlich zeigte die Hälfte der untersuchten Zellen eine errechnete Lebensdauer von bis zu 28 Monaten, was einem ganzen Mäuseleben entspricht.

Die unerwartet lange Lebenszeit gibt Hinweise auf weitere mögliche Aufgaben der bislang noch wenig erforschten Hirnzellen. Bislang ist unklar, ob Mikrogliazellen ein Gedächtnis für Krankheitserreger ausbilden können, wie es Immunzellen im übrigen Körper tun. Diese Funktion sorgt für eine schnellere und effizientere Aktivierung der Abwehrzellen bei einem Zweitkontakt.

„Wenn Mikrogliazellen nur kurz leben würden, würde ein Immungedächtnis bei ihnen wenig Sinn ergeben. Jetzt, da wir wissen, dass das nicht der Fall ist, ist es gut vorstell­bar“, sagte Angelos Skodras, einer der Autoren der Studie. „Ihre Langlebigkeit ermöglicht es ihnen, zu lernen und zu altern. Damit könnten sie ein Immungedächtnis ausbilden und zur Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen beitragen“, erläuterte der Studienleiter Mathias Jucker.

Mit der Studie haben die Wissenschaftler aber bislang nur den grundsätzlichen Beweis für die Langlebigkeit von Mikroglia erbracht. © hil/aerzteblatt.de

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