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Ärzteschaft

Neuer Streit zwischen Haus- und Fachärzten um primärärztliche Versorgung

Mittwoch, 6. September 2017

/Alexander Raths, stock.adobe.com

Berlin – Scharfe Kritik am Versorgungskonzept des Spitzenverbandes der Fachärzte (SpiFa) haben der Deutsche Hausärzteverband (DHÄV) und die Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) geübt. Dabei geht es um die künftige primärärztliche Versorgung.

„Gedankenspiele, wonach hausärztliche Aufgaben zukünftig auch von Gebietsfach­ärzten im Vorbeigehen miterledigt werden sollen, obwohl diese hierfür überhaupt nicht weitergebildet sind, sind ein Spiel mit dem Feuer und gefährden die Qualität der Versorgung“, warnten Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des DHÄV, und Erika Baum, Präsidentin der DEGAM. Beide betonten, dass die Qualifikationen der Gebietsfachärzte in ihrem spezifischen Bereich für die Versorgung unverzichtbar seien. Vorschläge, wonach Gebietsfachärzte die Primärversorgung der Patienten übernehmen sollten, erteilten sie hingegen eine Absage.

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Wie sieht die Versorgungsrealität aus?

Der SpiFa hatte Ende Juni ein Papier zur fachärztlichen Grundversorgung vorgestellt. Es sei Versorgungsrealität, dass die ambulante medizinische Grundversorgung der Bevölke­­rung durch Hausärzte und die Fachärzte, die viele Patienten in der Grund­versorgung betreuten, erbracht würden, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Dirk Heinrich. Er betonte allerdings, Ziel der Fachärzte sei es nicht, anderen Versor­gungs­bereichen etwas wegzunehmen, sondern die gemeinsame Grundversorgung, die „derzeit informell, nicht organisiert und ohne steuernde Elemente stattfindet“, anzuer­kennen und weiterzuentwickeln.

„Sollen zukünftig dann HNO-Ärzte oder Orthopäden auch Erkrankungen und Beschwer­den behandeln, die gar nichts mit ihrem Fachgebiet zu tun haben? Oder sollen die Patienten ständig von Facharzt zu Facharzt geschickt werden?“ fragte Weigeldt jetzt. Seiner Auffassung nach zeigen die SpiFa-Positionen, dass der Verband mit „den komplexen Aufgaben der primärärztlichen Versorgung überhaupt nicht vertraut“, sei.

Hausärzte sind Primärversorger

Auch die DEGAM sieht eine Gleichstellung von Hausärzten und Fachärzten als Primär­versorger kritisch. „Hausärzte sind als Generalisten der erste Ansprechpartner für die Patienten im Gesundheitssystem. Neun von zehn Beratungsanlässe können in der Hausarztpraxis abschließend geklärt werden“, sagte Baum. „Wir Hausärzte nehmen eine zentrale Position als verantwortliche Koordinatoren ein und behalten langfristig den Überblick über alle Versorgungsebenen. Dies ist auch ein elementarer Bestandteil der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin“, betonte sie.

„Anstatt ständig zweitklassige Lösungen zur Sicherstellung einer primärärztlichen Versorgung vorzuschlagen, sollten lieber alle daran mitarbeiten, dass wir auch zukünf­tig genug gut ausgebildete Hausärzte haben“, so Weigeldt.

Der SpiFa reagierte mit deutlichen Worten auf die Kritik des DHÄV und der DEGAM. Mit seinem Grundsatzpapier habe der SpiFa die derzeit in Deutschland bestehende Versor­gungsrealität beschrieben und dafür plädiert, die bestehende und bewährte gemein­same ambulante Grundversorgung von Patienten durch Hausärzte und niedergelasse­nen Facharzt fortzuführen und Leistungen der Haus- wie auch Fachärzte in diesem Bereich extrabudgetär zu vergüten.

„Jetzt müssen wir feststellen, dass der DHÄV und nun auch seine Fachgesellschaft sich weigern, diese Realität anzuerkennen. Stattdessen wird das Grundsatzpapier des SpiFa dazu missbraucht, sich wieder einmal als von Fachärzten gefährdete Gruppe darzustel­len, um im Bundestagswahlkampf und danach Vorteile daraus zu ziehen“, kritisierte Heinrich. „Will der DHÄV die Leistungen der Hausärzte weiterhin im Budget behalten?“, fragte Heinrich. Er betonte: „Fachärzte wollen niemandem etwas wegnehmen, wir wollen keine zusätzlichen Aufgaben, aber wir verlangen, dass man die real existieren­de Welt zur Kenntnis nimmt!“ © hil/aerzteblatt.de

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