NewsMedizinZervixkarzinom: Gute Schutzwirkung mit Neunfachimpfstoff
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Zervixkarzinom: Gute Schutzwirkung mit Neunfachimpfstoff

Donnerstag, 7. September 2017

/Tobias Arhelger, stock.adobe.com

Birmingham/Alabama – Der neunvalente HPV-Impfstoff Gardasil 9, der den bisherigen quadrivalenten Vorläufer in den nächsten Jahren ersetzen soll, erzielt eine hohe Schutzwirkung, wie die abschließenden Ergebnisse der maßgeblichen Studie im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31821-4) zeigen. 

Das humane Papillomvirus (HPV) tritt in mehr als hundert Varianten auf, von denen allerdings nur wenige High-Risk-Typen für die Mehrzahl aller Zervixkarzinome verant­wortlich sind. Die beiden wichtigsten High-Risk-Typen 16 und 18, auf die allein 60 bis 70 Prozent der Zervixkarzinome entfallen sollen, werden bereits von dem ersten Gardasil-Impfstoff und seinem Konkurrenten Cervarix abgedeckt. Der erste Gardasil-Impfstoff bot noch zusätzlich einen Schutz gegen die Low-Risk-Typen 6 und 11, die 90 Prozent aller Condylomata acuminata verursachen.

Anzeige

Beide Impfstoffe bieten deshalb noch Luft nach oben. In die neue neunvalenten Gardasil-Vakzine wurden Komponenten der High-Risk-Typen 31, 33, 45, 52 und 58 aufgenommen, die für weitere 15 bis 20 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich gemacht werden. Damit könnte die neue Vakzine bis zu 90 Prozent aller Zervix­karzinome verhindern – wenn sie eine Schutzwirkung von hundert Prozent erzielt. 

Diesem Ziel kommt Gardasil 9 nach den jetzt vorliegenden Abschlussergebnissen der Studie ziemlich nahe. In der Studie waren zwischen September 2007 und Dezember 2009 insgesamt 14.215 Frauen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren ohne Hinweis auf eine frühere HPV-Infektion auf eine Impfung mit der alten und neuen Version des Impfstoffs randomisiert worden.

Bereits die vor zwei Jahren veröffentlichten Zwischenergebnisse hatten auf eine sehr gute Schutzwirkung (NEJM 2015; 372: 711–23) hingedeutet. Die jetzt vorliegenden abschließenden Ergebnisse bestätigen dies. Die Inzidenz von „high-grade“-Erkran­kungen wurde von 19,0 auf 0,5 pro 100.000 Personen-Jahre gesenkt. Dies ergibt nach den Berechnungen von Warner Huh von der Universität von Alabama in Birmingham in der Per-Protocol-Analyse (sie wertet nur Personen, die tatsächlich geimpft wurden) einen Impfschutz von 97,4 Prozent, der mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 85,0 bis 99,9 Prozent hoch signifikant war.

Die neue Impfung könnte deshalb, sofern sich Frauen impfen lassen, die Häufigkeit des Zervixkarzinoms senken. Da nicht alle HPV-Typen erfasst werden, kann die Impfung vorerst jedoch die Krebsfrüherkennung durch Pap-Zytologie oder Virusnachweis im Abstrich nicht vollständig ersetzen. In Deutschland sterben derzeit jedes Jahr noch etwa 1.600 Frauen an einem zu spät erkannten Zervixkarzinom. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #2443
Weymayr
am Freitag, 8. September 2017, 10:20

Screening-Schema hinkt hinterher

Keine Präventionsmaßnahmen ist perfekt, aber die jetzt erzielte Schutzwirkung durch die HPV-Impfung bei gleichzeitig geringem Aufwand und Schaden sucht unter den anderen Krebs-Präventionsmaßnahmen ihresgleichen. Dennoch wird gebetsmühlenartig die Notwendigkeit des routinemäßigen Pap-Abstrichs betont, um bei geimpften Frauen das verbleibende Restrisiko weiter zu minimieren. Warum? Die Sinnhaftigkeit einer medizinischen Maßnahme bemisst sich nicht am Nutzen, sondern am Nettonutzen, also an der Abwägung von Nutzen und Schaden. Senkt die HPV-Impfung die Wahrscheinlichkeit, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, sinkt auch der erwartbare Nutzen, nicht aber der Schaden durch Übertherapien. Ähnliche Überlegungen führen beim PSA-Test dazu, dass er trotz belegtem Nutzen nicht in das GKV-finanzierte Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen wird. Mit der HPV-Impfung, und erst recht mit dem neunvalenten Impfstoff, hat sich die Schaden-Nutzen-Bilanz des Pap-Abstrichs massiv verschoben. Das neu eingeführte Schema zum Zervixkarzinom-Screening hinkt deshalb seiner Zeit bereits hinterher und sollte in absehbarer Zeit erneut auf den Prüfstand.
LNS

Nachrichten zum Thema

11. April 2019
Edinburgh – Die routinemäßige Impfung von Mädchen im Alter von 12 oder 13 Jahren gegen humane Papillomaviren (HPV) in Schottland hat zu einer deutlichen Verringerung von Erkrankungen des
Die HPV-Impfung wirkt
8. April 2019
Schwerin – Nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen sollten sich gegen Humane Papillomviren (HPV) impfen lassen. Das hat Mecklenburg-Vorpommerns Ge­sund­heits­mi­nis­ter Harry Glawe (CDU) im Vorfeld der
Glawe wirbt für HPV-Impfung
4. Februar 2019
Paris – Anlässlich des Weltkrebstags hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Vorbehalte gegenüber der zum Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs möglichen Impfung entschieden
Internationale Krebsforschungsagentur weist Vorbehalte gegen HPV-Impfung zurück
22. Januar 2019
Köln – Frauen lassen sich zunehmend in jüngerem Alter gegen humane Papillomviren (HPV) impfen. Darauf weist das Wissenschaftliche Institut der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (WIP) hin, das Daten
Mehr HPV-Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs im jüngeren Alter
17. Januar 2019
Heidelberg – Ein therapeutischer Impfstoff konnte im Mausmodell durch humane Papillomviren (HPV) verursachten Gebärmutterhalskrebs bekämpfen. Bei der Hälfte der geimpften Nager bildeten sich die
Therapeutische Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bei Mäusen erfolgreich
16. Januar 2019
Rockville – Ein Forscherteam vom National Cancer Institute (NCI) und von Global Good hat einen Algorithmus entwickelt, der digitale Gebärmutterhalsbilder analysiert und Krebsvorstufen erkennt. Im
Algorithmus identifiziert Gebärmutterhalskrebs besser als der Arzt
14. Januar 2019
Berlin – Auf neue Regelungen bei der Qualitätssicherung der Zervixzytologie hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen. Danach haben die bundesweit rund 900 Pathologen und
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER