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Politik

Angehörige leisten weiter Großteil der Pflegebetreuung

Donnerstag, 7. September 2017

/highwaystarz, stock.adobe.com

Hamburg – Siebzig Prozent der pflegebedürftigen Versicherten in der Techniker Krankenkasse (TK) werden zu Hause betreut. Bei knapp zwei Dritteln von ihnen (65 Prozent) leisten die Angehörigen die Pflege allein – sie erhalten keine Leistungen für den Einsatz eines gewerblichen Pflegedienstes. Darauf hat die TK heute hingewiesen.

„Pflegende Angehörige leisten in unserer Gesellschaft einen unverzichtbaren Beitrag. Das müssen wir generell stärker anerkennen und darüber hinaus einen einfachen Zugang zu konkreten Entlastungs- und Hilfsmöglichkeiten schaffen – vor allem in Belastungssituationen“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzender der TK, Thomas Ballast.

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Beratung und Hilfestellung

Die TK weist dafür auf das Online-Angebot www.pflegen-und-leben.de hin, das die TK als Partner unterstützt. Dort erhalten pflegende Angehörige persönliche Unterstützung und psychologische Begleitung. Der Austausch erfolgt schriftlich oder per Videochat. „Pflegende sind durch ihre Situation zeitlich und räumlich oft kaum flexibel. Die Online-Beratung ermöglicht ihnen, sich bei Belastung dennoch professionelle Unter­stützung zu holen“, erläuterte Projektleiterin Imke Wolf.

Eine aktuelle Nutzerbefragung des Angebots zeige, dass 87 Prozent der Ratsuchenden eine positive Auswirkung der Beratung auf den Pflegealltag feststellten. Nach ihrer Erfahrung ist die Pflege bei vielen keine Kurzzeit-Angelegenheit: Mehr als jeder Fünfte (21 Prozent) der Ratsuchenden, die an der Befragung teilnahmen, pflegt seit mehr als acht Jahren. Sechs von zehn pflegen seit mehr als zwei Jahren.

Die TK weist darauf hin, dass die Pflegeversicherung pflegenden Angehörigen verschie­dene Optionen zur Entlastung anbietet. Zum Beispiel stünden Pflegebedürftigen monatlich Entlastungsleistungen in Höhe von 125 Euro zu. Sie könnten eingesetzt werden, um anerkannte Haushalts- oder Serviceangebote zu bezahlen.

Das Armutsrisiko Hunderttausender pflegender Angehöriger hat die Arbeiterwohlfahrt im Frühjahr dieses Jahres kritisiert. Viele Betroffene reduzierten für die Pflege von Kranken und Alten ihre Arbeitszeit, sagte Claus Bölicke vom AWO-Bundesverband. Einige würden ihren Job ganz aufgeben, die Folge sei häufig ein Leben auf Hartz-IV-Niveau. Die Zahl der Betroffenen wird nach Einschätzung der AWO in den kommenden Jahren noch steigen.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) dankte anlässlich des bundesweiten Aktionstags am 8. September allen pflegenden Angehörige. Diese leisteten einen „unschätzbar wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft“, sagte er. © hil/aerzteblatt.de

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