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Politik

Halbjahresbilanz: Milliardenüberschuss bei den Kassen

Freitag, 8. September 2017

/vege, stock.adobe.com

Berlin – Die Krankenkassen haben im ersten Halbjahr 2017 einen Überschuss von 1,41 Milliarden Euro erzielt. Damit stiegen die Finanzreserven der Kassen bis Mitte des Jahres auf rund 17,5 Milliarden Euro. Das Bundesgesundheitsministerium hat diese Zahlen, die bereits am 22. August als Vorabinformationen der Krankenkassen öffentlich wurden, offiziell bestätigt. Auch für die zweite Jahreshälfte 2017 werde ein deutliches Plus erwartet, hieß es weiter.

Einnahmen von rund 116,4 Milliarden Euro standen laut Ministerium im ersten Halb­jahr Ausgaben von rund 115 Milliarden Euro gegenüber. Dabei seien die Einnahmen verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 4,3 Prozent und die Ausgaben um 3,7 Prozent gestiegen. Ursache sei die günstige Entwicklung von Wirtschaft und Beschäftigung.

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Gute Zahlen, gute Nachrichten

„Die Kassenzahlen zeigen, dass die Verbesserungen, die wir etwa im Bereich der Gesundheitsförderung und der Hospiz- und Palliativversorgung auf den Weg gebracht haben, bei den Versicherten ankommen“, erklärte dazu Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Gleichzeitig hätten die Krankenkassen mit ihren Finanzreserven „weiterhin gute Spielräume, ihre Versicherten mit hochwertigen Leistungen bei attrak­tiven Beiträgen zu unterstützen“. Dies sei „eine gute Nachricht für alle gesetzlich Versicherten“.

Die offiziellen Daten des BMG zeigen auch, dass sich die Ergebnisse aller Kassenarten im 1. Halbjahr nochmals deutlich verbessern. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) verzeichneten demnach einen Überschuss von rund 650 Millionen Euro (1. Quar­tal: 361 Millionen Euro), die Ersatzkassen von 456 Millionen Euro (1. Quartal: 155 Millionen Euro), die Betriebskrankenkassen (BKKen) von 111 Millionen Euro (1. Quartal: 27 Millionen Euro), die Innungskrankenkassen (IKKen) von 93 Millionen Euro (1. Quar­tal 27 Millionen Euro) und die Knappschaft-Bahn-See von 101 Millionen Euro (1. Quar­tal: 58 Millionen Euro). Lediglich die Landwirtschaftliche Krankenversicherung ver­buch­te einen Ausgabenüberhang von einer Million Euro (1. Quartal: -6 Millionen Euro).

/BMG

Der Gesundheitsfonds, der zum Jahresende 2016 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 9,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im 1. Halbjahr 2017 einen saisonüblichen Ausgabenüberhang von rund drei Milliarden Euro. Aus diesem saisonbedingten Überhang könnten keine Rückschlüsse auf eine ähnliche Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gezogen werden, betonte das BMG.

Ausgaben steigen weniger stark

Abgeflacht hat sich laut Ministerium die Ausgabenentwicklung. Die Arzneimittel­ausgaben der Krankenkassen sind im 1. Halbjahr 2017 absolut um 3,2 Prozent und um 2,0 Prozent je Versicherten gestiegen. Die Rabatterlöse sind um rund 7,6 Prozent gegen­über dem 1. Halbjahr 2016 auf rund 1,95 Milliarden Euro gestiegen. „Zu der moderaten Entwicklung hat auch ein erheblicher Rückgang der Ausgaben für inno­vative Arzneimittel bei Hepatitis C gegenüber dem 1. Halbjahr 2016 beigetragen“, schreibt das Ministerium.

Für die ärztliche Behandlung stiegen die absoluten Ausgaben im 1. Halbjahr 2017 um rund 5,1 Prozent (je Versicherten um rund 3,9 Prozent) an. Bei den Ausgaben für ärzt­liche Behandlung ist laut BMG zu beachten, dass es ab diesem Jahr bei einigen Kassen­ärztlichen Vereinigungen auf Grund der „Konvergenzregel“ zu höheren Vergütungen kommen werde, hieß es. Ein erheblicher Teil des Zuwachses ist auf Mehrausgaben in der psychotherapeutischen Versorgung zurückzuführen, die absolut um knapp 18 Pro­zent gestiegen sind.

940 Millionen Euro Plus für Kliniken

Angestiegen sind auch die Ausgaben für Krankenhausbehandlung. Diese erhöhten sich im 1. Halbjahr 2017 absolut um 2,5 Prozent (je Versicherten um 1,3 Prozent). Insgesamt erhielten die Krankenhäuser damit von den Krankenkassen in den Monaten Januar bis Juni rund 940 Millionen Euro mehr Finanzmittel als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das BMG weist darauf hin, dass in die Daten noch nicht alle bereits vereinbarten Preissteigerungen eingerechnet sind.

Überproportionale Zuwächse ergeben sich dem Ministerium zufolge mit einem absolu­ten Zuwachs von 6,6 Prozent bei den Ausgaben für Heilmittel. Grund sind „deutliche Honorarerhöhungen der Heilmittelerbringer“ nach Inkrafttreten des Heil- und Hilfs­mittel­versorgungsgesetzes. Der Anstieg bei den Ausgaben für Hilfsmittel (3,0 Prozent absolut) ist demgegenüber deutlich niedriger.

Bei den Ausgaben für Präventionsleistungen verzeichneten die Krankenkassen im 1. Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen weiteren absoluten Zuwachs von rund zwölf Prozent, nachdem in diesem Bereich bereits 2016 ein Zuwachs von rund 46 Prozent erzielt wurde.

Gute Prognose

Das BMG geht auf Basis der Finanzdaten des 1. Halbjahrs davon aus, dass die Kranken­kassen auch in der zweiten Jahreshälfte ein deutliches Plus erzielen. Mitte Oktober will sich der gemeinsame Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt mit der Aktualisie­rung der Finanzprognose für 2017 beschäftigen und erstmalig eine Prognose der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung für 2018 erstellen. Nach Auswertung dieser Ergebnisse wird das Bundesministerium für Gesundheit bis zum 1. November den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für das Jahr 2018 festlegen.

DKG: Leistungserbringer müssen in den Schätzerkreis

Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) sieht angesichts der Zahlen Spielraum für überfällige Verbesserungen. „Die rückläufige Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel, die Stabilisierung der Generikaversorgung und die fehlende wirtschaft­liche Basis für Arzneimittelinnovationen auf Basis bewährter Wirkstoffe gehören angegangen – viele Aufgaben für die neue Legislatur“, sagte der stellvertretende BPI-Hauptgeschäftsführer Norbert Gerbsch.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) betonte, es falle wiederholt auf, dass – wie bei jeder Bekanntgabe der Finanzergebnisse – Realität und Prognosen des Schätzerkreises nichts miteinander zu tun hätten. „Die Diskrepanz von Schätzung und Realität macht deutlich, dass die Krankenkassen das Instrument des Schätzerkreises mittlerweile missbrauchen“, erklärte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Er forderte, dass die Leistungserbringer in den Schätzerkreis aufgenommen werden. © may/afp/aerzteblatt.de

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