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Ärzteschaft

Kinderärzte sprechen sich erneut für gesetzliches Rauchverbot in Autos aus

Freitag, 8. September 2017

/thodonal, stock.adobe.com

Berlin / Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und das Deut­sche Kinderhilfswerk (DKHW) haben ihre Forderung nach einem gesetzlichen Rauch­verbot in Fahrzeugen, in denen Kinder mitfahren, erneuert. Besonders Kleinkinder, aber auch größere Kinder und Jugendliche müssten vor den Gefahren des Passivrauchens geschützt werden, so DKHW und BVKJ.

Sie verweisen auf die extreme Giftstoffbelastung im Auto. Selbst bei leicht geöffnetem Fenster sei die Konzentration mancher toxischer Partikel laut Messungen des Deut­schen Krebsforschungszentrums (DKFZ) teils fünfmal so hoch wie in einer durch­schnitt­lichen Raucherkneipe. Da dem DKFZ zufolge etwa ein Drittel aller Raucher hierzulande noch immer hinter dem Steuer qualme, seien rund eine Million Kinder in Deutschland dem Tabakrauch im Auto ausgesetzt.

Viele andere Länder haben es schon

Laut DKHW und BVKJ kann nur ein Rauchverbot in Fahrzeugen Kinder und ihre Gesund­heit effektiv schützen. Deswegen sehen die Verbände dringenden gesetzlichen Handlungsbedarf. Ihnen zufolge könnte ein Rauchverbot in der Straßenverkehrs­ordnung verankert werden.

Die Verbände verwiesen zudem auf entsprechende gesetzliche Rauchverbote etwa in Frankreich, Finnland, Großbritannien und Italien. Studien in Kanada hätten gezeigt, dass das Rauchen in Autos in Anwesenheit von Kindern durch die Gesetzesänderung deutlich abgenommen hat. „Diesen Beispielen sollten wir unseren Kindern zuliebe umgehend folgen“, erklärte die Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes, Anne Lütkes.

Nach Worten von Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, haben tabakrauchbelastete Kleinkinder gegenüber unbelasteten Kindern ein um 50 bis 100 Prozent erhöhtes Risiko, an Infektionen der unteren Atemwege, an Asthma, Bronchitis oder Lungenentzündung zu erkranken. Daneben könne Passiv­rauchen bei Kleinkindern bekannterweise zu Mittelohrentzündungen führen, Geruchs­sinn, Herz und Kreislauf würden in Mitleidenschaft gezogen. Auch das Risiko für einen plötzlichen Kindstod werde deutlich erhöht. Deshalb müssten besonders Kleinkinder, aber auch Heranwachsende vor den Gefahren des Passivrauchens geschützt werden, so der Mediziner.

Bereits im März hatte der Landesverband Nordrhein des BVKJ die von CDU und FDP geplante „Verwässerung des Nichtraucherschutzes“ in Nordrhein-Westfalen kritisiert. Das Wahlprogramm beider Parteien sieht vor, den seit Ende 2012 geltenden umfänglichen Nichtraucherschutz wieder einzuschränken. Demnach soll das Rauchen in Gaststätten und Kneipen unter bestimmten Voraussetzungen wieder erlaubt werden.

Der BVKJ bezeichnete die Pläne als eine „unverantwortliche Gesundheitsgefährdung“ vor allem für Kinder. Anstatt einen Schritt nach vorne zu machen und endlich das Rauchen in Autos zu verbieten, in denen Kinder mitfahren, solle aus Lobbygründen eine gesundheitspolitische Rolle rückwärts gemacht werden und mühsam eingedämm­te Risiken wieder in Kauf genommen werden.

Deutscher Ärztetag steht hinter der Forderung

Der Deutsche Ärztetag hatte die Bundesregierung schon früher aufgefordert, das Rauchen in Autos zu verbieten, wenn Kinder und Jugendliche mitfahren. Verstöße sollten unter Strafe gestellt werden. Dem Ärzteparlament zufolge hätten wissenschaft­liche Studien einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Passivrauchbelastung und schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken von Kindern und Jugendlichen nachge­wiesen.

Laut Deutschem Krebsforschungszentrum sind rund eine Million Kinder in Deutschland Tabakrauch im Auto ausgesetzt. Ein entsprechendes Rauchverbot befürworten nach Ergebnissen des Gesundheitsmonitors 2014 rund 87 Prozent der Bundesbürger. © hil/sb/kna/aerzteblatt.de

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chrysomallos
am Montag, 11. September 2017, 01:50

Nicht zu Ende gedacht

@dr.med.thomas.g.schaetzler

Je langsamer das parteistaatlich erlaubte Tempo, desto höher steigt der Wert der Langeweile beim Autofahren und folglich der von Ihnen beschriebenen Unaufmerksamkeit und dem daraus folgenden Ablenkungsbedürfnis. Nimmt man den Fahren nun auch noch die nervlich stabilisierende Zigarette weg, kommt es zu nicht vorhersehbaren Exacerbationen im Straßenverkehr.
Diejenigen, die ständig tiefere Tempo-Limiten fordern können das ruhig tun, solange sie mit den von Ihnen beschriebenen Konsequenzen vorlieb nehmen wollen. Kopfmenschen vergessen oft, dass man nicht den Fünfer und und das Brötchen haben kann; entweder oder.

Carolus Magnus
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 10. September 2017, 12:46

Bei gefühlt 50% aller...

Autofahrenden habe ich persönlich den Eindruck, dass Mobilphone-Telefonieren, Kaffee trinken, Zigarette rauchen, angeregtes Unterhalten mit Kopfdrehung zum Gesprächspartner, das unbedingte Überschreiten jeglicher Geschwindigkeitsbegrenzungen usw. usf. zu den unbedingten, gesetzlichen Pflichten beim Führen von Kraftfahrzeugen in Deutschland gehören.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Ramatuelle/F)

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