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Politik

Union, SPD und Grüne wollen Suizide verhindern

Freitag, 8. September 2017

/hikrcn, stock.adobe.com

Berlin – SPD, Union und Grüne haben zum Welttag der Suizidprävention am 10. Sep­tem­ber erneut eine bessere Prävention von Selbsttötungen gefordert. In einem inter­fraktionellen Gesetzesantrag wollen die drei Parteien Tabus im Umgang mit Suizid abbauen, das gesellschaftliche Bewusstsein für präventive Maßnahmen steigern und Gefährdeten mehr Hilfen bieten. Für ein mögliches Gesetz, dass die Bundesregierung vorlegen soll, stellen sie 18 Forderungen auf.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 10.000 Suizid-Tote gezählt. „Das sind mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, eine Überdosis illegaler Drogen und Gewalttaten zusammen“, erklärte Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Zwar ist die absolute Zahl der Suizide innerhalb der vergan­genen 30 Jahre kontinuierlich gesunken; die Zahl der Versuche bleibe jedoch seit rund zehn Jahren relativ konstant.

Als besondere Risikogruppen gelten ältere Menschen, Jugendliche, homo-, bi-, trans- und intersexuelle Menschen sowie Migranten. Die Gründe für (versuchte) Suizide sind laut Antrag vor allem Verzweiflung, Vereinsamung und fehlende Wertschätzung. Nur sehr selten entschieden sich Menschen aus vollkommen freien Stücken zur Selbst­tötung.

18 Forderungen an die Bundesregierung

Union, SPD und Grüne sind sich einig: „Jeder Suizidversuch und erst recht jeder Suizid sind einer zu viel.“ In 18 Punkten für das Gesetz fordern sie unter anderem spezifische Beratungs- und Behandlungsangebote für Risikogruppen, mehr Forschung zur Suizid­prävention und zu nebenwirkungsarmen Antidepressiva sowie einen Ausbau der ambulanten psychologischen Versorgung und niedrigschwelliger Angebote. Erfolg­reiche Modellprojekte sollen fortgeführt und weitere initiiert werden. Rund 100.000 Fälle versuchten Suizids kämen jedes Jahr mit dem Versorgungssystem in Kontakt und müssten dort professionelle Unterstützung finden.

Die Bundesregierung wird dazu aufgerufen, Prävention als ressort- und länderüber­greifende Aufgabe wahrzunehmen. Zudem soll dem Thema gesellschaftliche Teilhabe, besonders von älteren und erwerbslosen Menschen, mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Auch müssten Beratungs- und Behandlungsangebote fremdsprachlich und kultursensibel gestaltet werden. Außerhalb des Gesundheitswesens könnten neue Regelungen im Baurecht beispielsweise Brücken und andere hohe Bauten so gestaltet werden, dass Menschen mit akuten Suizidgedanken diese Orte nicht wählen.

G-BA soll DMP für Depression erarbeiten

In den vergangenen Jahren gab es mehrfach Bemühungen, die Suizidprävention zu verbessern. 2015 wurde die S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ veröffentlicht. Sie enthält 120 Schlüsselempfehlungen, darunter auch zum Management bei Suizidgefahr, von der Diagnose und Risikobewertung über die Therapieplanung bis zur Nachsorge. 2016 wurde die Psychotherapie-Richtlinie durch Beschluss des G-BA überarbeitet.

Die in diesem Rahmen eingeführten speziellen „Psychotherapeutischen Sprech­stun­den“ sollten akute Behandlungsbedarfe besser abdecken. Anfang dieses Jahrs wurde das „Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatri­sche und psychosomatische Leistungen“ (PsychVVG) verabschiedet. Der G-BA ist außerdem beauftragt, ein Disease-Management-Programm (DMP) für Depression zu erarbeiten.

Ministerium weist auf Förderungen hin

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) wies heute darauf hin, dass es ein Projekt des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland (NaSPro) fördert. Ziel sei es, einen wissenschaftlich fundierten Bericht zu Suizid und Suizidprävention in Deutschland zu erhalten.

Das aktuelle Projekt soll laut BMG zunächst einen Überblick über die verschiedenen Behandlungs- und Hilfsangebote sowie über spezielle Projekte für bestimmte Risikogruppen herstellen. In einem zweiten Schritt soll ermittelt werden, wie die bestehenden Hilfsangebote weiterentwickelt werden können. Für das dreijährige Projekt stehen Mittel in Höhe von 326.000 Euro zur Verfügung. Das NaSPro wurde 2002 auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) und mit Unterstützung des BMG gegründet.

Wie das Ministerium weiter mitteilte, sollen im Rahmen eines Förderschwerpunkts zur Suizidprävention bestehende Hilfs- und Beratungskonzepte wissenschaftlich bewertet und neue Maßnahmen und Konzepte zur Vermeidung von Suizidversuchen oder Suiziden entwickelt werden. Dafür stünden bis 2020 insgesamt rund fünf Millionen Euro bereit, hieß es. Welche Projekte gefördert werden, will das Ministerium in Kürze bekanntgeben. © zag/aerzteblatt.de

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Freudi
am Samstag, 9. September 2017, 00:40

Nachtigall, die trapsende

Ach ja, es scheint "Wahlkampf" zu sein?! Es klingt doch alles richtig gut! Wenn nur unser Gedächtnis nicht so kurz wäre! Dann würden wir der Politik nach der Wahl sehr viel dringlicher genau das vorhalten, das sie zuvor versprochen/angekündigt hat.....

Michael Freudenberg

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