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Medizin

Antikörper mit „universeller“ Wirkung verhindert Exazerbationen bei unkontrolliertem Asthma

Sonntag, 10. September 2017

Los Angeles – Der monoklonale Antikörper Tezepelumab, der an einem frühen Punkt in die gemeinsame Pathogenese verschiedener Asthmaerkrankungen eingreift, hat in einer Phase 2-Studie im New England Journal of Medicine (2017; 377: 936-946) bei Patienten mit refraktärer Erkrankung eine schnelle und zuverlässige Wirkung erzielt.

In den letzten Jahren wurden mehrere Biologika entwickelt, die an verschiedenen Stellen die Entzündungsreaktionen in den Atemwegen stoppen, die bei Asthmapatienten anfallsartig Atemnot auslösen. Dazu gehören monoklonale Antikörper gegen IgE (Omalizumab), Interleukin-13 (Tralokinumab), Interleukin-5 (Mepolizumab und Reslizumab) oder die alpha-Untereinheiten der Interleukin-4- und Interleukin-5-Rezeptoren (Dupilumab und Benralizumab).

Alle diese Biologika haben sich als effektiv erwiesen, viele wirken jedoch nur bei einer Untergruppe von Patienten. Dies liegt daran, dass die Erkrankung verschiedene Ursachen (allergische und nicht allergische) haben kann, die auf unterschiedlichen Wegen die Atemwege schädigen (So ist der Anti-IgE-Antikörper Omalizumab nur bei allergischer Genese effektiv).

Tezepelumab könnte frei von diesen Begrenzungen sein, da die Wirkung sehr weit oben in der Entzündungskaskade ansetzt. Die Antikörper neutralisieren das Zytokin TRSPP („thymic stromal lymphopoietin“). TRSPP wird (anders als der Name vermuten lässt) in den Epithelien von Haut und Schleimhäuten gebildet. Seine Aufgabe besteht vermutlich in der Alarmierung der antigen-präsentierenden Zellen, die daraufhin eine immunologische Reaktion in die Wege leiten.

Die Blockade von TRSPP hat nicht nur einen Rückgang der Eosinophilen zur Folge. In der Phase 2-Studie, deren Ergebnisse Jonathan Corren von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles und Mitarbeiter jetzt vorstellen, kam es auch zu einem Rückgang in der FeNO-Konzentration („Fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid“), die auch zur Diagnose eines nicht allergischen Asthmas verwendet wird. Die Grundlagenforschung hat zudem gezeigt, dass Tabakrauch, Dieselabgase oder Viren über eine Freisetzung von TRSPP eine Asthmareaktion auslösen.

An der PATHWAY-Studie hatten 584 Patienten mit Asthma bronchiale teilgenommen, bei denen es unter einer Behandlung mit einem langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (LABA) plus einem inhalativen Steroid zu Exazerbationen gekommen war. Die Patienten wurden auf eine Behandlung mit Tezepelumab in drei verschiedenen Dosierungen (70 mg alle 4 Wochen, 210 mg alle 4 Wochen oder 280 mg alle 2 Wochen) oder auf eine Placebo-Gruppe randomisiert. Die Behandlungen erfolgten jeweils zusätzlich zur Basistherapie mit LABA plus inhalativem Steroid.

Alle drei Dosierungen erwiesen sich als wirksam. Die jährliche Rate von Asthmaanfällen (primärer Endpunkt der Studie) sank von 0,67 in der Placebo-Gruppe auf 0,26, 0,19 und 0,22 in den drei Dosierungen, was einem Rückgang um 61, 71 und 66 Prozent entspricht.

Die Wirkung setzte relativ rasch ein und blieb über die gesamte Behandlungsphase von 52 Wochen erhalten. Sie war in allen Untergruppen feststellbar. Die Behandlung erwies sich als nebenwirkungsarm und es gab nur wenige Therapieabbrüche. Eine abschließende Bewertung der Sicherheit ist allerdings noch nicht möglich, da sich – wie bei den meisten Biologika – die Nachteile erst bei einer längerfristigen Anwendung zeigen könnten.

Da Tezepelumab eine breite Wirkung auf die Entzündungsreaktion hat, muss langfristig mit einem Anstieg von Infektionen gerechnet werden, deren Abwehr zu den Aufgaben von Entzündungsreaktionen gehören. Elisabeth H. Bel von der Universität Amsterdam wertet im Eitorial drei schwere Zwischenfälle in der Studie als mögliche Vorboten: Ein Patient hatte eine Pneumonie erlitten und war schließlich an einem Schlaganfall gestorben. Bei dem anderen Patienten war es zu einem Guillain-Barré-Syndrom gekommen.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die Sicherheitsbedenken in den Phase 3-Studien, die zur Zulassung notwendig sind, bestätigen werden. © rme/aerzteblatt.de

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